baldeggerjournal

15 Glauben & Beten sein von Dingen, die man nicht sieht, wie das der Apostel Paulus in seinem Brief an die Hebräer so schön formuliert. Wer ist Gott für dich? Das Geheimnis «Du», welches mich immer neu fasziniert und nicht loslässt. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Gott stellte mir gerade den Menschen in den Weg, den ich in diesem Moment nötig hatte. Gibt es auch Zweifel? Ja, klar! Wenn der Glaube für mich wie das Blut in meinen Lebensadern ist, dann ist die Blutleere des Zweifels immer wieder auch notwendig, z.B. bei einem operativen Eingriff. Wie betest du? Ich versuche immer wieder neu mein Ohr an Gottes Wort zu legen, bis ich darin Gottes Herzschlag vernehmen kann.. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Franziskus lässt mich aufhorchen, wenn er am Ende seines Lebens sagt: «Brüder, lasst uns anfangen, bisher haben wir noch nichts getan!» Es geht also darum, mich selber nie als fertig zu empfinden, sondern Gott zuzutrauen, mit dem wenigen, das ich habe, Grosses vollbringen zu können. Ich muss «nur» bereit sein Gott, den Menschen und der Schöpfung zu dienen, mit dem was ich von Gott erhalten habe. So «einfach» ist das. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Der Name Gottes, der Gott Mose offenbarte: Ich bin der «Ich-bin-da». Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Das Evangelium lässt sich einfach leben, auch heute. Ohne Erklärung. Der heilige Franziskus steht als eindrücklicher Zeuge dafür. Ich bin nicht für die ganze Kirche verantwortlich. Dafür gibt es Zuständige, denen ich das ruhig zutrauen darf. Doch die Verantwortung das Evangelium mit meinem Leben durchzubuchstabieren liegt allein bei mir. Schwester Karin Zurbriggen, 1963, aufgewachsen mit einer Schwester und zwei Brüdern in Mörel VS. 1990 Eintritt im Kloster Baldegg. Sie arbeitete von 1993 bis 2013 im klostereigenen Pflegeheim und seit 2013 in der Residio AG in Hochdorf als Pflegefachfrau. Während vielen Jahren wirkte Sr. Karin mit im Leitungsteam des Seelsorgerates des Kantons Luzern und begleitete regelmässig Pilgergruppen nach Assisi. Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Mein Weg auf der Suche nach Gott führte mich am 13. Oktober 1990 ins Kloster Baldegg. Dabei war nicht mein Aberglaube ausschlaggebend, wie dies die Zahl 13 vermuten lassen könnte. Aber vielleicht verhalf mir der Mythos der Zahl 13 doch zu einer gewissen Vorsicht für all das, was mich auf diesem Weg erwartete. Wo bist du daheim? Daheim bin ich im Kloster Baldegg. Für mich braucht es aber neben dem DaheimSein noch ein Beheimatet-Sein. Und da ich mich in der Liebe anderer Menschen beheimatet fühle, fühle ich mich letztlich in meinem Unterwegssein an verschiedenen Orten daheim. So darf ich auf meinem Weg immer wieder erfahren, was hoffentlich uns alle einmal im Haus des himmlischen Vaters in der ganzen Fülle erwartet. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Abends vor dem Zu-Bett-gehen, pflegte meine Grossmutter immer zu sagen: «So, wieder ein Tag näher der Ewigkeit!» Ich verstand damals ihre Aussage nicht. Aber ich meinte in ihrer Aussage eine unerschütterliche Hoffnung zu spüren, die sie erfüllte, ohne dieser Hoffnung einen Namen geben zu können. Heute verstehe ich: Menschen brauchen Hoffnung, um zu leben, und sie brauchen den Heiligen Geist, um hoffen zu können. Wer ist dir Vorbild? Der heilige Franziskus, der sich in seinem Leben als ein von Gott Beschenkter erfahren hatte. Aus diesem «Beschenktsein» erwuchs ihm eine unfassbare Freiheit, die ihn zu einem befreiten und befreienden Menschen machte. Wer lehrte dich glauben? Meine Mutter und meine Grossmutter, deren Glaube auch gerade im Angesicht des Todes standgehalten hatte. Welche Farbe hat dein Glaube? Für mich trägt der Glaube die Farbe rot. Rot wie das Blut. Blut ist für mich Sinnbild für Kraft, Leidenschaft und Leben. Was bedeutet dir glauben? Für mich bedeutet glauben ein Feststehen in dem, was man erhofft, ein Überzeugt-

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