baldeggerjournal

14 Psalmen So lautet ein altes schwäbisches Sprichwort. Sind Sie jetzt schockiert – oder kommen Ihnen diese Worte und was damit ausgesagt wird doch irgendwie vertraut vor? Der Spruch erinnert uns daran, dass wir uns oft schwer damit tun andere zu loben oder vielleicht noch mehr damit selbst gelobt zu werden. Woran mag das liegen? Vielleicht haben wir es nie gelernt, selbst zu loben oder Lob anzunehmen. Vielleicht nehmen wir alles zu selbstverständlich, sodass es uns gar nicht einfällt ein Lob anzubringen. Vielleicht sind wir zu wenig spontan, um im richtigen Moment zu loben oder vielleicht sind wir einfach misstrauisch und vermuten hinter jedem Lob eine unlautere Absicht. Was immer dahinter steckt – vielleicht haben wir hier einen Nachholbedarf, und da könnten wir von den Psalmen lernen. Sie sprechen eine andere Sprache als das schwäbische Sprichwort, nämlich: «Es ist nie genug gelobt» «Immer sei sein Lob in meinem Mund», so heisst es im Psalm 34. Daraufhin weist auch der hebräische Titel des Psalmenbuches. Der ganze Psalter wird überschrieben mit «tehillim» – Loblieder, obwohl der grössere Teil des Psalters Klagelieder sind. Aber die Psalmisten haben auch die Klage, die Bitte und den verzweifelten Schrei nach Jahwes Hilfe unter die «tehillim» eingeordnet. Alles gehört für sie zum Lob Gottes, denn wenn sie Gott zutrauen, dass er sie hört, wenn sie zu ihm schreien und vertrauen, dass er ihnen auch helfen kann, ist das bereits Lob. Aber was heisst denn loben? Auch da können uns die Psalmen weiterhelfen. Sie sagen uns: Lob ist zu Wort kommende Freude, Freude an Gelungenem, Freude über die erfahrene Zuwendung und Hilfe Gottes in schwierigen Situationen, manchmal auch Freude über die Bestrafung der Feinde, Freude an der Schöpfung und dem Schöpfer oder einfach Freude an Gott, weil er ist, wie er ist. So finden die Psalmisten immer wieder einen Grund zum Loben und sie tun es spontan und mit Freude. Dabei wird die Vokabel des Lobens selten gebraucht. Wir sagen auch nicht, wenn wir jemanden loben: «Ich lobe dich», sondern «Das hast du gut gemacht!» «Du bist super!» Das Du steht im Mittelpunkt. So ist es auch bei den Psalmen. Da sagt der Beter etwa: «Du bist der Gott meiner Freude und meines Jubels» (Ps 43,4) «Du lässt meine Feinde nicht über mich triumphieren» (Ps 25,2) «Du bist die Kraft meines Lebens» (Ps 27,1) «Du hast wunderbare Taten vollbracht» (Ps 98,1) «Du hast mein Leben dem Tod entrissen» (Ps 56,14), damit ich dich weiter loben kann, denn «Tote können den Herrn nicht mehr loben», heisst es in Psalm 115. So hat Loben auch mit Leben zu tun. Die Möglichkeit, dass es auch ein Leben geben könnte, in dem es kein Lob mehr gibt, ist für den biblischen Menschen undenkbar. Loben ist eine Weise des Daseins, nicht etwas, das es im Leben auch noch geben könnte oder eben nicht. So ist Loben Ausdruck des Lebens, aber es ist noch mehr. Augustinus sagt: «Wer lobt, der lobt nicht nur, er lobt auch freudig; wer lobt, der lobt nicht nur, nein, er liebt auch den, den er lobt.» Lob hat also nicht nur mit Leben, sondern auch mit Liebe zu tun. Die Erfahrung mit Gott, die Erfahrung seiner Zuwendung, seiner Hilfe, und damit die Erfahrung seiner Liebe löst im Beter das Lob aus. Der Mensch des Ersten Testaments hat seinen Gott auf so eindrückliche Weise in seiner Geschichte und in der Schöpfung erfahren, dass das Lob zu seinem Lebensinhalt wird: «Ich will dich preisen Tag für Tag und deinen Namen loben immer und ewig.» (Ps 145,2) Es ist nie genug gelobt! Sr. Renata Geiger, Baldegg Nicht gemeckert – ist genug gelobt

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