baldeggerjournal

2 Kloster Baldegg Gott sei Lob - wir glauben «Aber hier, wie überhaupt/ kommt es anders, als man glaubt.» Hat Wilhelm Busch mit seinem Sinnspruch aus «Plüsch und Plum» (1882) Recht? Recht haben sicher die Kölner, wenn sie in ihrem «Kölschen Grundgesetz» erstens festhalten: «Et es wie et es.» (Das ist halt einfach so). Und wenn sie zweitens hinzufügen: «Et kütt wie et kütt», nämlich, es kommt, wie es eben kommt; und nur zu oft kommt es doch anders, als man denkt. Auf jeden Fall mahnt uns Wilhelm Busch darüber nachzudenken, was es mit dem Glauben auf sich hat. Ich glaube ihm Was also heisst Glauben? Am besten beginnen wir mit der Erklärung des Wortes. Allerdings machen es uns die Sprachforscher nicht ganz leicht. Denn einige vermuten, das Wort glauben gehöre zu Laub in der Bedeutung «Laub, Büschel» als Futter und Lockmittel für das Vieh. Demnach bedeutete Glauben ursprünglich «zutraulich, folgsam, handzahm» (wie das Vieh, dem ein Laubbüschel hingehalten wird) (Kluge). Dr. P. A. Ziegler SJ, Zürich Nach den meisten Sprachforschern gehört Glauben indes zur Wortfamilie «lieb». Entsprechend hiesse Glauben «liebhaben», «für lieb erklären», «gutheissen». Dann hätte es Glauben nicht zuletzt und besonders mit dem «Loben» zu tun. In diesem Sinne bezog sich Glauben wohl schon in vorchristlicher Zeit auf das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Mensch und Gott. In die ähnliche Richtung weist das lateinische Wort credere, das uns im Credo begegnet. Credere ist die Zusammensetzung von cor dare und bedeutet demnach: Ich gebe oder schenke jemandem mein Herz. So ist es leicht verständlich, dass die römischen Glaubensboten ihr Wort credere ins Germanische mit glauben übersetzten. Aus alledem ergibt sich, dass es beim Glauben zuerst um eine persönliche Beziehung geht. Ich vertraue jemandem, den ich liebe. Wem ich derart vertrauensvoll Glauben schenke, dem glaube ich «in guten Treuen» oder «auf Treu und Glauben» ohne ausdrückliche juristische Absicherung – einfach wie es den guten Sitten entspricht. Die Theologen sprechen in diesem Sinne vom Glauben als DuGlauben. Glaube ist nicht zuerst das Festhalten an Glaubenswahrheiten, sondern die persönliche, vertrauensvolle Beziehung zu Gott. Ich glaube, dass ... Im alltäglichen Sprachgebrauch hat Glaube aber nicht diese hohe Bedeutung. Unter Glauben verstehen wir im Alltag eine bestimmte Art des menschlichen Erkennens. Erkennen heisst nämlich einerseits: Ich weiss etwas. Ich kann es beweisen. Die Beweise sind schlüssig. Ich kann das Wissen sogar zur Wissenschaft weiterentwickeln. Erkennen ist aber andererseits auch dort möglich, wo dieses beweisbare Wissen fehlt. Dann halte ich etwas für wahrscheinlich. Ich vermute. Ich nehme an. Kurzum: Ich weiss es zwar nicht sicher. Aber ich glaube es mit guten Gründen. In diesem Sinne betrachten wir Glauben als eine Erkenntnisform von geringerer Erkenntniskraft. Das erste ist das klare Wissen. Das zweite ist, wo das klare Wissen fehlt, gleichsam als Notbehelf das schwächere Glauben. Dann können wir etwas nicht wissen; aber wir können es wenigstens glauben. In der Wirklichkeit des Alltags sieht es freilich anders aus. Alltäglich ist das sichere Wissen nur eine schmale Bandbreite im

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