baldeggerjournal

15 Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Den Weg ins Kloster habe ich als einen langen Prozess erlebt. Bereits als Jugendliche haben mich religiöse Fragen interessiert. Gott hat mich auf vielerlei Weise gesucht und gelockt bis ich schliesslich 1986 eingetreten bin um zu schauen, ob mein suchender Geist Frieden findet. Wo bist du daheim? Heimat fühle ich zu allererst in mir selber. Ich bin gern «bei mir daheim». Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Erst mit den Jahren erkenne ich, wie sehr mich meine Mutter durch die Jahre meines Aufwachsens geprägt hat. Zum Beispiel hat sie das ganze Jahr über die Wohnung mit Blumen und Arrangements geschmückt. Tief in mich eingesenkt ist die Freude am Schönen, an Farben, Formen und Proportionen. Etwas, das mein Leben nährt. Wer ist dir Vorbild? Couragierte Frauen: Zum Beispiel Teresa von Avila. Oder engagierte Frauen von heute, von denen ich lese. Wer lehrte dich glauben? Der praktizierte Glaube war in meiner Familie ganz gewöhnlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Als Schülerin an der Klosterschule Baldegg begegnete ich einem Glauben, der meinen Horizont weitete und eine Sprache fand, die ich als junger Mensch verstand. Die wiederholten Aufenthalte in Taizé haben mich eine Spiritualität des Vertrauens, der Einfachheit und der Weite atmen lassen. Welche Farbe hat dein Glaube? Je nach «Wetter» – aber sicher bunt. Braun für eine geerdete Spiritualität. Blau für einen Glauben, der die Weite und Tiefe sucht. Gelb für die Erfahrungen mit Christus, als dem Licht in meinem Leben. Rot für den Glauben, der auch inneres Feuer ist und für den Heiligen Geist steht. Grün für die lebendige Verbundenheit als Geschöpf mit allen Geschöpfen in staunender Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer. Violett für Grenzerfahrungen und Krisen. Was bedeutet dir glauben? Mir ist der Glaube das grösste Geschenk meines Lebens. Er ist mein Boden, auf dem ich stehe, mein Halt, meine Orientierung, meine Hoffnung, meine Kraftquelle und meine stille Freude. Glauben gibt einen anderen Blick auf das Leben und auf alles, was mir begegnet und geschieht. Wer ist Gott für dich? Gott ist ein lebendiges DU. ER ist mein Schöpfer, der mich so geschaffen hat, wie ich bin und mich ins Leben geliebt hat. Ich spreche ihn an in Jesus Christus oder im Heiligen Geist. Gott geht alle meine Wege mit. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Immer wieder treffe ich zur richtigen Zeit die richtigen Menschen und kommt mir zu, was ich gerade im Moment brauche. Gibt es auch Zweifel? Ich kenne Momente der Gottesnähe und Zeiten der Leere. Ich habe Fragen ohne Antworten. Wie betest du? Am liebsten bin ich in der Stille, lese in der Bibel und verweile mit einem Wort im Schweigen. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Mit Franziskus lasse ich mich hineinnehmen in das Staunen darüber, dass Gott Mensch geworden ist und sich uns Menschen verletzlich und arm gezeigt hat. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Es sind oft Worte aus dem täglichen Psalmengebet, die mich in ganz konkreten Situationen meines Lebens ansprechen, mir Gelassenheit schenken, Trost oder Zuversicht, so etwa der Vers aus dem Psalm 18: Du führst mich hinaus ins Weite. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest «Das Leben findet heute statt!» und «Jeder Morgen ist ein neuer Anfang.» Schwester Rahel Künzli, 1964, aufgewachsen mit drei Schwestern in Sursee LU. 1986 Eintritt ins Kloster Baldegg. Sie arbeitete von 1989 bis 2005 an der Schule Baldegg, zuerst in textilen Fächern und nach der Ausbildung zur Werklehrerin in diesem Fachbereich. Seit 2009 lebt und arbeitet sie in der Klosterherberge und bietet unter anderem Kurse im Bereich Handwerk und Glauben an. Glauben & Beten

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