15 Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Am 28. August 1976, an einem sonnigen Samstagnachmittag, rechtzeitig zum Klosterzvieri, begleitet von meinen Eltern und mit der Frage, ob meine tiefe innere Sehnsucht diesen Weg zu gehen, Antwort genug sei auf das «Warum». Wo bist du daheim? In Gott, in mir und in meiner Gemeinschaft. In meinen Aufgaben, in meiner Zelle und im Kloster Baldegg. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Ich war sieben Jahre alt und es war bei uns Zuhause im Treppenhaus. Ein «Mann Gottes» in einer langen braunen Kutte verabschiedete sich. Zu meiner Mutter sagte er: «Frau Brändli, wämmer vier so herzigi Chind hät, sött mer eis em Liebgott schänke.» Diese Worte haben mich getroffen. Welches von uns würde Mutter verschenken? Regula? Zu klein, zudem trug sie noch Windeln. Felix oder Edelbert?? Eher peinlich mit ihren Flausen im Kopf. Mich? … Ich!!! Wer ist dir Vorbild? Viele meiner Mitschwestern sind mir Vorbild, besonders jene, die ihren Weg der Nachfolge in Liebe und auf das Wesentliche gerichtet gehen. Wer lehrte dich glauben? Ich habe nicht «glauben gelernt», es wurde mir geschenkt, und ich durfte durch meine Eltern in einen lebendigen und frohmachenden Glauben hineinwachsen. Welche Farbe hat dein Glaube? Eine «Klangfarbe», zu vergleichen mit einem Grundton oder Urton. Auf diesem Urton spiele ich meine Lebensmelodie. Was bedeutet glauben? Die Gewissheit, dass wir in allen Lebensumständen in Gott sind. (Ob wir es glauben oder nicht.) Wer ist Gott für dich? Dafür Worte zu finden macht mich «fast sprachlos». Der Versuch einer Antwort: «Gott der Dreifaltige, der Liebende, der ewig Seiende ist mir Daseinsgrund.» Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Als junge Schwester lernte ich eine betagte Schwester kennen. Ihr Leben war geprägt von Freude, Liebe und Gottvertrauen. «Wenn ich alt bin möchte ich auch so sein.» Darauf antwortete sie: «Dänn muesch hütt scho afange!» Gibt es auch Zweifel? Ein lebendiger Glaube lässt auch Zweifel zu. Dann bin ich aufgefordert, meine Lebenssituation zu überprüfen und mich neu zu orientieren. Wie betest du? Beten heisst für mich in Beziehung zu Gott treten. Mit der Gemeinschaft bete ich das kirchliche Stundengebet. Wichtig sind mir meine persönlichen Gebetszeiten. Meine liebsten Gebete sind spontan. Sie lassen mich immer wieder neu auf Gott ausrichten. Ich nenne sie «Kompassgebete». Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Von Franziskus wird gesagt, dass er vom Beter zum Gebet geworden ist. Diese «Verwandlung» berührt mich und beeinflusst mein Beten. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Es ist der Psalm 139. «Herr, du kennst mich … Du weißt um mich … Du bist vertraut mit all meinen Wegen … Du legst deine Hand auf mich … zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen …» Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Nicht auf grosse Taten warten, auch kleine Zeichen verändern. Verschenke ein liebes Wort, eine freundliche Geste oder dein Herzenslachen. Schwester Theres Brändli, 1953, aufgewachsen mit 3 Geschwistern in Wolfhausen ZH. 1976 Eintritt ins Kloster Baldegg. Sie arbeitete mehrere Jahre als Werklehrerin an der Schule Baldegg und als Montessoripädagogin im Kinderhaus und in der Montessoriausbildung. Seit 2013 bietet sie unter anderem Kurse im Bereich Werken und Religionspädagogik für Kinder an. Glauben & Beten
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