Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Als ich 12 Jahre alt war erzählte ein Uznacher Missionar von Afrika. Da erwachte in mir ein Ruf. Als 18-jährige arbeitete ich im Kinderalbula bei den Baldegger Schwestern in Davos. Sr. Luzina in der Küche war für mich ein Engel in Menschengestalt. Sie war so voller Güte und Liebenswürdigkeit. Da wusste ich, ich will Missionarin werden und trat am 8. Sept. 1970 ins Kloster ein. Wo bist du daheim? Ich komme aus Samnaun und liebe alles, was zu einem Bergkind gehört. Die erste Lawine vergesse ich nie, weil wir deswegen erst anfangs Sommer die Kartoffeln anpflanzen konnten. Schlimm war, dass mein Papa deswegen ausgelacht wurde. Doch hatten wir Ende September die grössten und besten Kartoffeln im Dorf. Vaterfürsorge und Vatervertrauen sind für mich ganz wichtig. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Ich weiss nicht mehr wie alt ich war, als Frauen während einer Beerdigung wegen meiner zwei gehörlosen Brüder sich fragten: Wer hat wohl gesündigt? War es der Vater oder jemand in seiner Verwandtschaft? Kam die Gehörlosigkeit von Mutters Seite? Die Frage nach Schuld war für mich als Kind nicht verständlich, Gott war für mich Liebe, die heilt und segnet und nicht straft. Wer ist dir Vorbild? Meine Grossmutter und meine Eltern. Wir waren eine Familie, in der Gott, Kirche und der Pfarrer «alles» waren. Mit dem Pfarrer hatte ich seit ich denken kann Schwierigkeiten, sogar lachen war bei ihm schon fast eine Sünde. Wer lehrte dich glauben? Ein Grundstein wurde im Elternhaus gelegt – auf ganz natürliche Weise: Danken fürs Essen, fürs Gelingen, fürs Behütetsein und für die kleinen Freuden im Alltag. Bitten um gutes Gedeihen von Saat und Früchten, oder dass ein krankes Tier im Stall gesunden möge. Zwei «Klostertanten», der Dorfpfarrer, der uns tolle Erlebnisse ermöglichte, die franziskanischen Schwestern im Altersheim, die mir verschiedenste Arbeiten zutrauten, die Glaubensgespräche, die kritisch-religiösen Auseinandersetzungen und Feiern während der Zeit an der Schule Baldegg, die Gastfreundschaft des Klosters in der Mutterhauskapelle – die Aufzählung kann ich bis zum heutigen Tag weiterführen. Für mich ist Glauben ein nie endender Prozess. Welche Farbe hat dein Glaube? Gelb-orange: Lichtfarbe für den Glauben, die das Dunkel durchbricht! Was bedeutet dir glauben? Ja-Sagen zu Jesus. Er hat uns Menschen die frohe Botschaft gebracht, dass Gott sein Vater und auch unser Vater ist und dass er uns liebt. In diesem Glauben darf ich ein Werkzeug seiner Liebe sein. Wer ist Gott für dich? Gott ist für mich Lebensfülle, Liebesfülle, Lichtfülle in vertrauter Begegnung, liebender Beziehung, heilender Berührung. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? In meinem Alltag in Papua Neuguinea erlebe ich die göttliche Vorsehung sehr konkret. Ich werde häufig in kritische Situationen gerufen. Oft geht es darum, einer Frau das Leben zu retten. Rundherum herrscht Verwirrung, Ärger, Durcheinander, plötzlich entspannt sich die Situation: ein Zeichen der liebenden Vorsehung. Gibt es auch Zweifel? Ja, ich erlebe auch Zweifel. Ich muss jedes Mal neu lernen, damit umzugehen, auf das Herz zu hören und positive Ratschläge anzunehmen. Wie betest du? Mein Beten beruht auf einer freundschaftlichen Beziehung, die immer auf den Freund hört und ihm restlos vertraut. Ich bete mit seinem Wort, das er mir im täglichen Schriftwort und in den Psalmen schenkt. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Franziskus lebte das Evangelium für mich ganz realistisch; die Liebe leben durch Verzeihen und Heilen, um so Gerechtigkeit und Friede im Alltag wahr werden zu lassen. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Auch du hast einen einmaligen Auftrag zu erfüllen. Entdecke in allen Menschen das Gute. Sr. Lorena Jenal, 1950, aufgewachsen in Samnaun GR mit vier Brüdern. Nach dem Klostereintritt Ausbildung zur Heimerzieherin und Einsatz in Kinderheimen. 1978 Sprachaufenthalt in England. Seit 1979 Missionseinsatz in Papua Neuguinea in der Familienpastoral. Heute leitet sie das von ihr für gefolterte Frauen aufgebaute House of Hope. Für den mutigen Einsatz gegen Gewalt und Hexenverfolgung erhielt sie 2018 den Weimarer Menschenrechtspreis. 17
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