8 Kloster Baldegg Trauen hat immer etwas mit Wagnis zu tun. Sei es, dass man sich selbst etwas zutraut, sei es dass man das Wagnis eingeht, sich auf zwischenmenschliche Beziehungen einzulassen und sich auf ein Du hin zu öffnen. Immer gilt es dabei einzuschätzen, ob man dem andern vertrauen könne, oder ob ihm eventuell auch Übles zuzutrauen sei, sodass man sich vor ihm in Acht nehmen müsste. Trauen kann anderseits aber gerade in der heutigen Gesellschaft auch heissen, dass man auf die Errungenschaften einer hochentwickelten Technologie baut und sich voll auf Wissenschaft und Technik verlässt. Dabei setzt man sich unter Umständen Gefahren aus, vertraut aber darauf, dass alles sicher funktionieren werde, vom Wirkstoff des Medikamentes bis hin zum Flug im automatisch gesteuerten Flugzeug. Man wagt sich in eine Grauzone vor, dorthin wo Selbststeuerung und Selbstkontrolle nur noch begrenzt möglich sind, wo Risiken eingegangen werden müssen, wo letztlich auf Kräfte gebaut wird, die ausserhalb unseres Einflussbereiches stehen. Diese Entwicklung nahm ihren Anfang bereits in der Zeit des Humanismus und der Renaissance. Galt vorher Gott als absolut zentraler Orientierungsmittelpunkt, brachte der Anbruch der Neuzeit ein neues Menschen- und Weltverständnis. Mit dem damit aufbrechenden neuen Selbstverständnis wurde der Mensch zum «Homo Faber». Dieser vertraut darauf, sich und die Welt verändern zu können, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und autonom zu entscheiden. Der damit einhergehende Machbarkeitsanspruch ging lange Zeit einher mit einem unerschütterlichen Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, die Probleme dieser Welt systematisch lösen zu können. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde dieser absolute «Zukunfts- und Machbarkeitsglaube» vermehrt hinterfragt. Der Mensch, der sich getraut hatte, sein Geschick in die eigene Hand zu nehmen, stellte fest, dass er damit in Grenzbereiche vorstiess. Dort aber wurde er auch mit der ethischen Frage konfrontiert, ob denn letztlich jedes Wagnis eingegangen werden dürfe. Das grenzenlose Vertrauen auf die eigenen Kräfte und Fähigkeiten beinhaltet nämlich auch die Forderung, verantwortlich zu handeln. Angesichts dieser Situation aber besteht auch die Möglichkeit, dass der Mensch überfordert wird, dass er Schuld auf sich lädt oder sogar scheitert. In dieser komplexen Situation muss die Haltung des «Sich Trauens» somit als ambivalenter Prozess verstanden werden. Er umfasst einerseits das Wagnis, neue Grenzen auszuloten und sich auf das Unbekannte einzulassen, anderseits aber auch das Bewusstsein der eigenen Beschränktheit, Verwundbarkeit und Verantwortlichkeit. Gerade diese Erkenntnis aber erweckt im scheinbar völlig rationalen und säkularisierten Menschen vermehrt die Sehnsucht nach Spiritualität und Transzendenz. Es geht dabei letztlich auch um den Wunsch, seine menschlichen Grenzen auf andere Art zu ergründen und existentiellen Sinn zu finden. Solches Tun aber setzt wiederum das Vertrauen voraus, dass es etwas gebe, welches unsere menschliche Begrenztheit übersteigt. Damit aber gelangen wir auf Prof. Dr. Christiane Blank, Zofingen Vom Trauen
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