15 Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Nach der Schule arbeitete ich vier Jahre in der Klosterküche Baldegg. Irgendwie liess mich der Gedanke «Baldegger Schwester» zu werden, nicht mehr los. An einem wunderschönen Herbsttag 1974 bin ich dann mit meinem Auto ins Kloster gefahren. Wo bist du daheim? Zur Zeit ist meine Heimat in der Klosterherberge. Hier lebe ich in einer kleinen Schwesterngemeinschaft, wo wir gemeinsam arbeiten und beten. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Wir bewirtschafteten einen Bergbauernhof. In den Sommerferien mussten wir Kinder zünftig anpacken. Nach dem letzten «Heufuder» setzten wir uns jeweils im Schatten des Heuwagens zu einem feinen Zobig hin. Alle nebeneinander: die Eltern, die Brüder in ihren von der Mutter genähten weissen Hirtenhemden und wir Mädchen. Wir hatten einen sehr schönen Blick auf den Zürichsee, den Ricken, Speer und Säntis. Dieses Zusammensein war gemütlich, friedlich, froh und oft wurde noch ein «Juchzer» in Gottes freie Natur hinaus gejagt. Wer ist dir Vorbild? Meine gute Mutter: Tag und Nacht war sie für die grosse Familie da, und dies ohne Ferien. Ihr Arbeiten, Sorgen und Beten sind mir stets vor Augen. Wer lehrte dich glauben? Unsere Mutter war eine gläubige Frau. Sie war immer besorgt, dass wir am Sonntag rechtzeitig zur Kirche gingen. Der Kirchweg zu Fuss betrug eine Stunde. Welche Farbe hat dein Glaube? Schwierig zu sagen! Am ehesten die Farben der vier Jahreszeiten. Jede Zeit hat Licht und Schatten. Was bedeutet glauben? «Wer glaubt ist nie allein! Du Herr wirst mit uns sein, mit deiner Kraft, die Leben schafft. … du Jesus bist allen Menschen nah …» Dieses Lied sagt es. Wer ist Gott für dich? Gott ist der Schöpfer aller Dinge, des ganzen Universums, aller Menschen. Dankbar nehme ich jeden Tag aus Seiner Hand. Bei Ihm bin ich geborgen, Ihm kann ich vertrauen. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Wir Baldegger Schwestern sind Schwestern von der «Göttlichen Vorsehung». Im Wort «vorsehen» schaut jemand für uns vor. Für mich, für dich. Für morgen und übermorgen. Gibt es auch Zweifel? Natürlich. Bei der Arbeit, in der Kirche, oder wegen all dem Elend in unserer Welt. Wie betest du? Wir kommen jeden Tag viermal zum Stundengebet zusammen, fürbittend für die ganze Welt. Da schöpfe ich Kraft, nehme Abstand von der Arbeit und spüre, dass ich nicht allein unterwegs bin. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Schon als Kind liebte ich die Natur. Ich freute mich an den Blumen, den Wiesen und Wäldern – ohne dass ich Franziskus kannte. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? «In dir sein, Herr, das ist alles, was ich mir erbitte». Damit habe ich alles erbeten, was ich brauche für Zeit und Ewigkeit. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Aus dem Glauben leben können ist ein grosses Geschenk. Es gibt dem Leben Sinn. Es lohnt sich, ein Leben lang danach auszuschauen. Wenn es einem geschenkt wurde, es hüten, pflegen, bewahren («dran bleiben»). Schwester Erna-Maria Züger, 1947, aufgewachsen mit sechs Geschwistern in Altendorf SZ. 1974 Eintritt ins Kloster Baldegg. Als Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin trug sie die Verantwortung für die Hauswirtschaft an der Schule Baldegg, im Alters-, Pflege- und Behindertenheim St. Josef in Susten/ Leuk und seit der Eröffnung 2009 im Klosterkafi und in der Klosterherberge. Glauben & Beten
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