15 Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Am 24. Mai 1968. Ich dachte schon als Kind ans Kloster. Eine Tante von mir war Klosterfrau. Eigentlich wollte ich in die «Missionen» wie man damals sagte. In fremde Länder zu armen Menschen. Wo bist du daheim? Daheim bin ich jetzt im Kloster in Baldegg in meinem Alltag. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Unser Vater lehrte uns Kinder jassen. Wir spielten immer zu viert. Am liebsten hatte ich Vater als Spielpartner. Er hatte immer ein zufriedenes Gesicht. Man merkte bei ihm nicht wie bei uns Kindern, ob er gute oder schlechte Karten hatte. Sein Gesicht hat mir Halt und Vertrauen gegeben. Ich glaube, es hat mich geprägt: Es ist gut so, wie es ist. Wer ist dir Vorbild? Vorbilder oder Menschen, die mir halfen und helfen mein Leben zu gestalten durch ihr Leben oder Texte von ihnen. Ich habe immer solche Menschen, immer wieder neue. Lange war es Dom Helder Camara, dann der Apostel Paulus, dann der Autor Jörg Zink, heute Papst Franziskus. Wer lehrte dich glauben? Unsere Familie war gläubig. Wir beteten und gingen in die Kirche. Aber richtig glauben hat mich das Leben gelehrt. Welche Farbe hat dein Glaube? Er ist wie ein Stern – gelb oder golden. Was bedeutet glauben? Vor Gott leben, mit Gott leben, Vertrauen. Wer ist Gott für dich? Ein Vater. Er ist allmächtig. Aber nicht im menschlichen Sinn. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? «Vorsehung. Da sieht jemand in Liebe etwas Gutes für mich vorher.» (Jürgen Heinen aus Sonntag Nr. 33/2015) Das erlebe ich täglich. Ich denke oder plane für mich: Heute muss ich unbedingt z.B. jene Schwester treffen. Und ich begegne ihr ohne Verabredung. Als ich jung war, bedeutete mir dies Zufall. Heute sehe ich es anders. Gibt es auch Zweifel? Man glaubt mit dem Herzen und denkt mit dem Verstand. Es gibt vieles, das ich mit dem Verstand nicht verstehe. Wie betest du? Ich spreche mit Gott über Freude und Schmerz. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Langsam lerne ich ihn kennen. Er hatte einen ganz anderen Lebensweg als ich, darum ist er mir etwas fremd. Seine gelebte Armut bedeutet mir etwas. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Ich habe viele Lieblingsgebete oder -worte. Wenn mir eines zufällt, lerne ich es auswendig und bete es oft, bis mir wieder ein anderes zufällt. Zurzeit: Pfingstsequenz aus dem KG. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Aus dem Glauben leben können ist ein grosses Geschenk. Es gibt dem Leben Sinn. Es lohnt sich, ein Leben lang danach auszuschauen. Wenn es einem geschenkt wurde, es hüten, pflegen, bewahren («dran bleiben»). Schwester Madeleine Hänggi, 1943, aufgewachsen mit sieben Geschwistern in Büsserach SO. Lehre als PTT-Telefonistin. 1968 Eintritt ins Kloster Baldegg. Nach der Profess dreijährige Handelsschule in Bourguillon FR. Einsatz als Oberin der Schwestern in Hertenstein und in der Verwaltung in den ordenseigenen Betrieben in Hertenstein, Oberwaid St. Gallen und Baldegg. Heute sorgt sie für die Gäste in der Klosterherberge in Baldegg. Glauben & Beten
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