baldeggerjournal

2 Wir überfordern Umgeben von einem zarten Schleier Seit der Raumfahrt Mitte des letzten Jahrhunderts haben wir Fotos über die Aussenansicht unserer Erde. Für die ersten Astronauten im All muss der Anblick überwältigend gewesen sein: Vernehmen wir Alexander Gerst: «Die Erde ist nicht nur eine begrenzte Kugel, sie ist auch noch relativ klein. Das Universum besteht vermutlich zu 99,99 Prozent aus schwarzem tödlichem Nichts, und an einer Stelle gibt es diesen blauen Punkt. Das ist unsere Heimat, und die ist nicht von einer robusten Atmosphäre umgeben, sondern von einem zarten Schleier, der uns als einziges schützt.» Unsere Erde schwebt als blau-grün-gelbrote Kugel im All und umkreist mit anderen Planeten die Sonne. Sie hat für unser Leben gerade den richtigen Abstand, nicht zu nahe, sonst wäre es viel zu heiss, auch nicht zu weit weg, sonst würden wir erfrieren.Vielleicht hat sich das Leben auf der Erde auch einfach aus den vorhandenen Grundgegebenheiten entwickelt, in denen wir existieren. Mit unserem Leben sind wir eingebunden in ein grosses Ganzes und tragen alles in uns. Die Erde ist Wiege und Haus unseres Lebens. Ein Teil für alle Wie alle Lebewesen ernähren wir uns von den Gaben der Erde. Wir brauchen Sauerstoff, Wasser und Nahrung, Kleidung, ein Haus, das uns schützt, ein Auto und vieles mehr. Mit immer mehr Menschen müssen wir die Güter der Erde teilen. Und wir wissen: die einen haben alles, fast alles, andere haben wenig, fast nichts. Was teilen ganz konkret schon mental heissen kann, wurde mir einmal beim Nachtessen mit einer betagten Missionarin bewusst. Sie hätte gerne nochmals geschöpft. Sie hielt einen Augenblick inne und dann sagte sie: Das muss genügen. Ich war verwundert, denn mit ihrer Aussage meinte sie: Was ich eben gegessen habe, genügt für heute. Sie sprach eine Selbstbeschränkung aus. Da mich die Äusserung überraschte, dachte ich länger darüber nach. Mir wurde so richtig bewusst, dass uns unser Teil zusteht, nicht mehr und nicht weniger, und dass andere auch ihren Teil bekommen sollen. Doch was geschieht täglich? Nicht das Bewusstsein des Eingebundenseins ins Ganze prägt unseren Alltag, sondern das Beherrschtsein vom immer mehr, immer schneller und effizienter, immer … Damit überfordern wir uns und unseren Planeten. Zur Bewältigung der entstehenden Probleme greifen wir in komplexe Systeme ein, verändern sie und sind kaum in der Lage, Schäden zu beheben. Dazu ein Beispiel, an dem wir «nagen»: Atomkraftwerke liefern wertvolle Energie. Sie ist ein Grundpfeiler in unserem Alltag, wenn nicht alles still stehen soll. In unserem Land deckt die Atomenergie 40 % des täglichen Bedarfs. Doch wir haben ein Problem mit dem Entsorgen des radioaktiven Abfalls, ja nicht nur mit dem Entsorgen, auch mit einem Unfall in einem AKW. Fukushima hat die Gemüter aufgerüttelt. Die ansässigen Menschen in Japan und die Tiere im Meer leiden heute noch an den Folgen. Und Politik und Wirtschaft Bildungshaus Stella Matutina ringen weltweit mit dem Problem. Seit Jahrzehnten suchen wir auch in unserem Land nach einem «sicheren» Standort für den radioaktiven Abfall. Gefunden ist er bis heute nicht, und niemand will den über Jahrmillionen gefährlichen Müll. Das Geschäft mit dem Gratis Es lassen sich viele Beispiele anführen, wo wir unsere Erde überfordern. Denken wir nur an die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen wie Erdöl und dessen Verbrauch als Benzin mit den Folgen für Umwelt und Klima. Oder an das Abholzen des südamerikanischen Urwaldes und die natürliche CO2-Verarbeitung. Der Boden wird genutzt für Monokulturen, sprich Soya, und muss mit Dünger und Pestiziden fruchtbar gemacht werden. Die Bauern schaden mit den vielen Chemikalien ihrer Gesundheit und ihrem natürlichen Lebensraum, verlieren dabei ihren rechtmässigen Besitz und ihr Zuhause. Eine weitere Gefährdung ergibt sich aus der Überfischung der Weltmeere. Hier wird der natürliche Lebensraum von Tieren zerstört und mit ihm die Lebensbasis von Fischern. Weltweit wird das Wasser immer mehr zum Problem. Doch was hörte ich von Kalifornien? Ein Bauer verdient an verkauftem Wasser mehr als an angepflanztem Reis. Privatisierung des Wassers ist ein verlockendes Geschäft, das viele neue Ungerechtigkeiten bringt. Warum müssen wir an dem, was uns gratis gegeben ist, immer verdienen? Wegen des Wassermangels werden schon heute Kriege geführt. Wenn die Schnecke springt verliert sie ihr Haus und wird sehr verletzlich. So auch du: Arme überforderte sie und uns Sr. Annelis Kurmann, Hertenstein

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