baldeggerjournal

10 Die Zahl der Priester nimmt in Europa und Süd- und Nordamerika seit Jahren immer mehr ab. Allein im Bistum Basel sind rund die Hälfte aller Pfarreien ohne Pfarrer. Den Kongregationen und Orden fehlt ebenfalls der Nachwuchs. Vielerorts werden Kirchen und Klöster für säkulare Aufgaben umgepolt. Priester und Ordensleute fühlen sich in der Pflege sorgfältiger Liturgie, Seelsorge und Predigt überfordert. Die Forderung Jesu, Gottes Reich zu verkündigen, scheint in unseren Breitengraden ungenügend erfüllt zu sein. Man möchte jammern: Gott lässt uns Christen im Stich! Doch halt! Es konnten inzwischen Diakone, Laientheologen und Laientheologinnen für die Leitung von Pfarreien eingesetzt werden. Ich denke, es musste zum Priestermangel kommen, um den evangeliumswidrigen Klerikalismus abzubauen. In Klöstern mussten neue Wege und Ziele für ihre Regeln gesucht werden. Aber trotz des erfreulichen Einsatzes von Schwestern, Laien, Katechetinnen und Katecheten sind im kirchlichen Dienst grosse Lücken zu vermelden. Und es wird noch schlimmer werden – wenn die Kirche weiterhin krampfhaft die im Laufe der Jahrhunderte aufgeschichteten Gesetze und Traditionen nicht gründlich überdenkt und nötigenfalls zu verändern oder gar aufzugeben bereit ist. Provokativ hat es Papst Franziskus in seinem für die Kirche massgebenden Apostolischen Schreiben «Evangelii Gaudium» ausgedrückt: «Mir ist eine verbeulte Kirche lieber, die verletzt und verschmutzt ist, als eine die verschlossen und bequem sich an die eigene Sicherheit klammert und darum krank ist.» «Es gilt, Gott neu zu denken und der christlichen Existenz abzugewinnen, besonders durch glaubwürdige Solidarität mit den Leidenden vor den Kirchentüren.» (Bischof Joachim Wanke) Was Jesus im Evangelium fordert, wird allerdings die Kirche immer wieder schier überfordern … Kirche: und gefördert Gefordert Doch halt! Jesus fordert nicht nur. Er fördert seine Getreuen! «Fördern» – althochdeutsch fordaran – heisst voranbringen, auf neue Stufen stellen. Die Bibel und die Geschichte der Christenheit zeigen, wie Gottes Charismen neue Kräfte erwecken, die frohe Botschaft vom Reich Gottes trotz vielen Hindernissen zu verkünden und zu verwirklichen. Wie erging es Jonas, der sich überfordert glaubte, in Ninive Busse zu predigen? Im Bauch des Fisches wurde ihm die Kraft verliehen, nach Ninive zu ziehen. Als ich mich vor mehr als 40 Jahren als Pfarrer von St. Anton Luzern wählen liess, vermochte ich die Vielzahl der mir aufgetragenen Pflichten nicht zu ermessen und fühlte mich bald überfordert. Doch dann erfuhr ich Förderung von sehr vielen mitarbeitenden Frauen, Männern und Jugendlichen. Gottvertrauen und Gebet förderten in mir Mut und Kraft, die Aufgaben der grossen Pfarrei zu erfüllen suchen. Beides gehört in unser Leben: Dass wir uns den Forderungen stellen und auf Förderung vertrauen. Paolo Brenni, em. Pfarrer, Luzern Kloster Baldegg

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