baldeggerjournal

15 Glauben & Beten Warum bist du ins Kloster Baldegg eingetreten? Wahrscheinlich hat mich die Vorsehung nach Baldegg geführt. Diese Lebensform hat mich nicht mehr losgelassen. Wo bist du daheim? Grundsätzlich wo ich angenommen und geliebt bin. Es ist ein Geschenk, im Kloster ein Zuhause zu haben. Wenn ich in eine unserer klösterlichen Gemeinschaften in die Ferien gehe, dann bin ich auch dort ‚daheim‘. Ebenso, wenn ich bei meiner Familie bin. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Ich denke gerne an die Ferientage, die Stunden beim Essen, die Gespräche in der Stube und auf der Terrasse zurück. Den Geburtstag, den ‚holländischen Samichlaus‘, Weihnachten feierten wir mit schönen Ritualen. Der Vater las das Weihnachtsevangelium aus dem Kirchenbuch meines Grossvaters vor. Wer ist dein Vorbild? Meine Eltern: von ihnen habe ich so vieles gelernt, sie beschützten und stärkten mich und lehrten mich vertrauen. Auch Maria, ihre Gegenwart schenkt mir Kraft und Zuversicht. Wer lehrte dich glauben? Glauben habe ich daheim gelernt. Aber auch andere Menschen haben mir durch ihr Leben und ihr Zeugnis den Glauben nahe gebracht. Was bedeutet glauben? Das Licht ist für mich ein Symbol des Glaubens. Ich kann es anzünden, auch wenn ich wenig Freude und Hoffnung spüre. Es schenkt Helligkeit und Wärme. Welche Farbe hat dein Glaube? Diese Frage erstaunt mich. Tatsächlich hat aber auch mein Glaube eine Farbe. Er ist braun. Das Braun der Erde, die uns Leben schenkt und uns trägt und in die wir zurückkehren werden. Wer ist Gott für dich? Gott ist unser Vater. Er ist der Schöpfer aller Dinge. Er ist der Lenker dieser Erde. Er schenkt uns das Leben, jeden Tag neu. Eine Erfahrung der Vorsehung Gottes? Es sind die kleinen alltäglichen Begebenheiten, die mich an Gottes Vorsehung erinnern: Menschen, denen ich im richtigen Moment begegne, etwas, das mir zur rechten Zeit geschenkt wird, ein Gedanke, der mich an etwas Wichtiges erinnert. Gibt es auch Zweifel? Die Krankheit eines geliebten Menschen, ein Unfall, Menschen, die in Armut, Not und Krieg leben, das Erleben der eigenen Unzulänglichkeit, das Leiden am Versagen anderer Menschen: Da ist mein Glaube stark gefordert. Wie betest du? Ich bin dankbar für das gemeinsame Gebet in unserer Kapelle. Ich fühle mich dort getragen, auch wenn das Beten schwerer fällt. Stille und die Natur verbinden mich ebenfalls mit Gott und den Menschen. Welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Der Rosenkranz hilft mir, mich vom Alltag etwas zu distanzieren oder meine Anliegen Maria und Jesus zu übergeben. Die Lauretanische Litanei bete ich gerne als fürbittendes Gebet für andere Menschen. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Franziskus ist mir Vorbild. Mich beeindrucken seine Treue zur Kirche, seine Naturverbundenheit und seine Demut in den Beziehungen. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Zwei? Im Korintherbrief sind es drei: «Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.» Schwester Bernadette Lüchinger, 1965, aufgewachsen mit drei Geschwistern in Weinfelden; Ausbildung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin. 1989 Eintritt ins Kloster Baldegg. Zusatzausbildung: eidg. Fachausweis Finanz- und Rechnungswesen. Berufliche Einsätze in den Bereichen Betriebs- und Hauswirtschaft im Kloster Baldegg sowie in weiteren ordenseigenen Betrieben Glauben & Beten

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