baldeggerjournal

14 - - - - Original Message - - - - Von: «Kathrin Kathrin Kaufmann-Lang» <kleinerote@bluewin.ch> An: «Sr. Felizia Baumgartner» <sr.felizia@klosterbaldegg.ch> Gesendet: Montag, 1. Juni 2015, 21.16 Uhr Betreff: Re: Wie schaffst du das? mail@klosterbaldegg.ch - - - - Original Message - - - - Von: «Sr. Felizia Baumgartner» <sr.felizia@klosterbaldegg.ch> An: «Kathrin Kaufmann-Lang» <kleinerote@bluewin.ch> Datum: Freitag, 29. Mai 2015, 17.30 Uhr Betreff: Wie schaffst du das? Als Lehrerin für Zeichnen und Kunstgeschichte unterrichtete Sr. Felizia Baumgartner ab 1963 an der Schule Baldegg. Sie leitete als Direktorin von 1979 bis 2005 die Schule. Heute lebt sie im Bildungshaus Stella Matutina in Hertenstein. mail@klosterbaldegg.ch Liebe Schwester Felizia Da hast du mich aber auf dem falschen Fuss erwischt … ich bin grad ziemlich überfordert. Gestern Abend habe ich zu Urs gesagt: Gut haben wir Kinder … sie halten uns still und leise oder fordernd und weinend den Spiegel vors Gesicht. Ja, der Alltag hält Herausforderungen für uns alle bereit, denen wir uns schlussendlich nur stellen können. Herausforderungen werden plötzlich zu Überforderungen, dann, wenn wir es eigentlich lieber nicht hätten. Ich erfahre Überforderungen oft als deutlichen Hinweis an mich: jetzt ist es oder jetzt wird es zu viel. Was ich dann mache? Kurz innehalten … mit Kindern manchmal gar nicht so einfach … aber Innehalten muss ja nicht stillsitzen sein, sondern in Kopf und Herz eine Pause einlegen und einiges frisch sortieren und strukturieren und mich innerlich der Herausforderung stellen. Schonungslos. Mir scheint es, gerade in diesen Momenten kann ich etwas, was ich sonst schlecht kann: Verzichten. Ach, das ist so was Unmögliches, weil es im ersten Schritt für mich persönlich oftmals als Versagen ausschaut. Es ist unangenehm eine Sitzung, ein Nachtessen, einen Ausgang, eine Probe abzusagen. Doch dieser Verzicht bewirkt etwas. Denn eine Überforderung braucht eine Notbremse, und das bin ich mir und meiner Familie schuldig. Weisst du, grundsätzlich denke ich, ist es ohne Überforderung gar nicht möglich, ein Leben in der Spanne von Familie, Beruf und öffentlichen Tätigkeiten zu führen. Wichtig ist mir, dass eine Überforderung nicht konstant anhält. Aussteigen aus der Überforderung muss ich selber, und das braucht immer einen klaren Entscheid, aber Mittragen tun viele … und das hilft, dass bei uns Überforderung plötzlich auch stille Freude ermöglicht. Dann, wenn die Kinder uns mit ihrer Lebensfreude beglücken, wenn Bemühen um Studierende Lernen möglich macht oder einfach das Leben wieder klar, froh und beschwingt verläuft. So freue ich mich, dich bald wieder einmal in der Stella Matutina zu treffen. Wir fahren alle so gerne Schiff … Ganz herzliche Grüsse an dich und die Mitschwestern. Kathrin Liebe Kathrin Als du beim Besuch in Hertenstein von deinem Alltag erzähltest, kam ich recht ins Nachdenken und Staunen. Du hast dich bereits als Seminaristin an der Schule Baldegg für viel Ausserschulisches engagiert. Wie aber schaffst du das heute: Ehefrau, Mutter von drei Kindern, Haushalt, Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule, Freiwilligenarbeit in der Pfarrei, ohne überfordert zu sein? Mit vielen ehemaligen Baldegger Schülerinnen würde ich es gerne von dir vernehmen. Herzliche Grüsse, Sr. Felizia Kathrin Kaufmann-Lang besuchte von 19911996 das Primarlehrerinnenseminar in Baldegg. Nach einigen Jahren Unterricht an der Primarschule Studium der Erziehungswissenschaft an der Universität Zürich. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Ebikon und unterrichtet in Stellvertretungen an der Pädagogischen Hochschule.

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