13 Lebenswelt, in die er gestellt ist. Was sagt der Philosoph dazu? PH Philosophie muss aufs Ganze gehen. Sie stellt die zutreffenden Fragen: Wer bin ich? Was soll ich? Was kann ich? Was darf ich? Wer bin ich? Da sind zuerst die Erinnerungen. Sie schauen mich an, wenn ich Orte meines Lebens aufsuche. Ich bin meine Erinnerungen, rückblickend; ob freudig oder traurig, ich bin sie; aus diesem Reservoir schöpfe ich. Vorausblickend kommen Wünsche, Pläne und Entwürfe zum Vorschein; auch jetzt, noch im Alter, wichtige Energien. Lebenstragend im besten Sinne sind praktische Interessen. Wer gerne singt, gerne liest, wer Freude hat an seinem beruflichen Können, an seiner Werkstatt oder am Garten; wer Gastfreundschaft pflegt, überhaupt Freundschaften, wird zuversichtlich vorausschauen. Aus dem Gestrüpp des Allzuvielen herauszufinden ist nicht leicht. Es braucht Überzeugungen: im Persönlichen, Familiären, Beruflichen; im Gesellschaftlichen, Politischen, Kirchlichen; klar bekommen, was mir wichtig ist. Das Leben bleibt ein dauerndes Hin und Her; ohne Kompass verliere ich mich im Vielerlei. Bleiben wir an der Frage: Wer bin ich? Ein paar heftige Abneigungen werden bei mir zu finden sein, wunde Punkte auch und eventuell Alzheimer als Schreckbild; und – nicht zuletzt – ein paar solide Lebenstechniken. Wer bleibe ich? Das Leben fliesst unablässig, unheimlich vielfältig. Was wichtig ist, tritt hervor; tritt zurück und wieder hervor und ist bereit zu antworten auf die Fragen: Wer bin ich? Was soll ich? Was kann ich? Was darf ich? SH Deine philosophischen Überlegungen erhellen die Richtung. Gerade dann, wenn Leben und Empfinden auseinander driften, wenn die an uns gestellten Forderungen unsere verfügbaren Ressourcen übersteigen, wir uns so selber abhanden kommen, fühlen wir uns überfordert. Dann stellen sich diese Fragen not-wendend. Zugegeben: es braucht Kraft und Mut, sich ihnen immer wieder zu stellen. Ein menschliches Gegenüber mit klarer Distanz und verlässlicher Empathie kann nötig werden. Verändern lässt sich eben nur, was sich mir zeigt und was ich gelten lasse, selbst, wenn es schmerzt. Die vielen unbemerkten Anpassungen, das bequeme Klein-Beigeben, das müde Mitschwimmen im Mainstream, die gute Miene zum schlechten Spiel, all das hat seinen Preis. Meine Erinnerungen, meine Interessen, Wünsche und Pläne, vor allem meine Überzeugungen und Gesinnungen kann ich nicht ungestraft übergehen. Sie bergen meine Vitalität, meine Schaffens- und Liebeskraft. Sie wollen weder unter- noch überfordert sein. Das aber hängt zuerst und zuletzt von mir selber ab. Ich muss immer wieder klären, was ich will und nicht will, was ich kann und nicht kann, wer ich bin und nicht sein will. Ich muss JA oder NEIN sagen können. Und immer fordernder wird das NEIN, die Widerstandskraft, eine Schlüsselqualifikation unserer Zeit. Ohne sie kein gutes Leben! Zum Glück: da ich als Mensch auf Beziehung hin geschaffen bin, muss ich die Antworten auf die entscheidenden Fragen zwar selber, aber nicht allein finden. Es gibt Menschen die mir freundschaftlich verbunden sind. Ihnen gilt es, Sorge zu tragen. Und – ich vertraue meinem Gott, der in allem, was mir begegnet, gegenwärtig ist.
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