3 Liebe Leserin, lieber Lesser Anspannung sei nützlicher als Ausspannen, meinte der Kirchenlehrer Gregor von Nazianz. Nun, er starb 390 n. Chr. Würde er das heute noch sagen, wenn er den Stress aushalten müsste, von dem alle und überall reden? Selbst Bischof Felix Gmür fragt sich, ob dieser Stress noch normal sei. Ob er einmal mit Gregor von Nazianz über die Zeitkonzepte Kairos und Chronos disputieren müsste, die bereits im alten Griechenland bekannt waren? Sind sie in Balance, sollte kein Stress entstehen, findet Bischof Felix. Aber auch ihm gelingt die Balance nicht immer. Wenn gar nichts mehr hilft, steigt er aufs Velo und radelt los. Möglich, dass er auf Nationalrat Nicolò Paganini trifft, der das Velofahren auch als Balanceregler nützt? Kirche und Politik gemeinsam auf der Suche nach Balance? Velofahren ist nicht jedermanns Sache. Tanzen wäre die beste Entspannung, so las ich kürzlich. Wem das zu anstrengend ist, der lasse sich auf den «Göttlichen Tanzkurs» ein, Seite 14. Geeignet für jene, denen es nicht ums Tanzen ist, weil ihr Herz vor Schmerz wie gelähmt ist. Auch das Hören der Bach Kantate 103 wäre ein probates Mittel bei Überanspannung, so Sr. Renata. Letitia Ineichen beschreibt im Austausch mit ihrer ehemaligen Seminarlehrerin Sr. Hildegard, dass die Musik von der Hebung und Senkung, der Anspannung und Entspannung lebt. Sr. Hildegard sucht eher nach der Goldene Mitte. Wo liegt diese bei der Arbeit? Sr. Karin erlebt in ihrem Pflegealltag viel und grosse Anstrengung. Ihr verhelfen die Natur, das Innehalten am Abend und das Dankbarsein zu der nötigen Entspannung. Der Alltag in den Handwerksstätten ist für Sr. Rahel ein anderer: Nicht selten kommen die Kursteilnehmenden etwas gestresst in ihre handwerklichen Kurse. Wenn es ans Werk geht und sie ihnen einen Schweissbrenner in die Hand legt spürt sie, wie die Anspannung nochmals wächst. Umso mehr freut sie sich, wenn beim konzentrierten Tun langsam Entspannung eintritt, der Gegenstand immer mehr Form und Gestalt annimmt und sich eine Art meditative und schöpferische Stimmung ausbreitet. Lieber Leser, liebe Leserin Die Sommerzeit lädt auch Sie zum Entspannen und Faulenzen ein. Verschaffen Sie sich aber trotzdem hie und da eine Anspannung. Die Leseratten unter den Schwestern verraten Ihnen, welche Bücher sie dafür lesen. Sr. Theres genügt ein Krimi. Herzlich grüssen Sie Ihre Baldegger Schwestern Editorial Vom Anspannen und EntspannenInhalt 4 Ein Lotto-Sechser – und dann «Nichts mehr tun»? Nicolò Paganini 5 Chronos und Kairo Bischof Dr. Felix Gmür 6 Handwerkliches Tun ist schöpferische Meditation Sr. Rahel Künzli 7 Entspannung in Zeiten der Anspannung Sr. Karin Zurbriggen 8 Zwei Meinungen – ein Thema Geglücktes Leben dank Mitte und Mass Von Schreibtisch zu Schreibtisch: Sr. Hildegard Willi und Dr. Letitia Ineichen 10 Lesen entspannt Sr. Beatrice Kohler, Sr. Boriska Winiger, Sr. Hildegund Kunz Sr. Theres Brändli, Sr. Pia Widmer 12 Cantate domino Trauer verwandelt sich in Freude Sr. Renata Geiger 13 Franziskanische Inputs Lieber Bruder Franziskus Sr. Nadja Bühlmann 14 Psalmen Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt Sr. Renata Geiger 15 Glauben & Beten mit Sr. Katja Müller 16 Psychologische-theologische Antworten Ich kann nicht mehr entspannen. Prof. Dr. Christiane Blank 17 Keller’s Reisen Die letzte Reise David Keller 18 übrigens ... 19 Zwei Bilder – ein Leben
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