13 Mein Dienst als Generaloberin In den Ferien besuchte ich mit einer Mitschwester die Kirche eines Klosters. Anschliessend ergab sich ein spontanes Gespräch mit einer Schwester, welche im Garten arbeitete. Wir sprachen über ihre Tätigkeit, über die schöne Lage und freuten uns an den sonnigen, herbstlichen Tagen. Plötzlich fragte uns die Schwester: «Wie heisst denn jetzt eure Frau Mutter?» Das grosse Erstaunen dieser Schwester, weil nun die Generaloberin von Baldegg vor ihr stand, weckte in mir Fragen. Was ist denn daran das Besondere? Ist es der Dienst oder das Amt? Ist es die Ehre oder die Verantwortung? Drei Gedanken leiten mich, wenn ich über meinen Dienst als Generaloberin nachdenke. Beten und vertrauen Hören und begleiten Schenken und beschenkt werden Beten und vertrauen: Ein wichtiger Dienst der ganzen Gemeinschaft ist das Gebet, auch das stellvertretende Gebet. Durch diesen Dienst bin ich mit allen Schwestern verbunden, und ich weiss, sie alle sind mit mir verbunden. Diesen Dienst kann jede Schwester tun, ob sie voll im Arbeitsprozess drinnen steckt, oder ob sie leidend und betagt ist. Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, vertraue ich ganz besonders auf das Gebet meiner Mitschwestern und auf ihr treues Tragen von Krankheit oder Behinderung. Hören und begleiten: Ich versuche im Dienst als Generaloberin den Weg mit den Schwestern zu gehen, auf sie zu hören und sie in allen Situationen zu begleiten. Das heisst auch, die Fähigkeiten, die Kräfte und die Grenzen der Mitschwestern kennen lernen. Wir alle dienen der Gemeinschaft, der Kirche, der Welt und den vielen Menschen in Not, wo immer wir im Alltag stehen. Schenken und beschenkt werden: Ich darf den Schwestern meine Zeit schenken. Gewiss, dies heisst auch sich stören lassen, etwas liegen lassen und dann einfach offen sein. Ich darf die Sorgen, Mühen und Freuden der Mitschwestern teilen. Jede ist dankbar für ein gutes Wort, für ein offenes Ohr, für Verständnis und Vertrauen. Auch ich werde oft von den Mitschwestern beschenkt, sei es durch ein freundliches Wort, eine kleine Aufmerksamkeit, einen lieben Dienst. Ein besonderes Geschenk ist es, mit den Schwestern zu feiern, so wie wir es am Fest der Jubelprofess wieder erfahren konnten. Als Generaloberin bin ich auch auf die Hilfe der andern angewiesen. Da bestätigt sich, was der Heilige Antonius gesagt hat: «Der Mensch soll im Mitmenschen besitzen, was er nicht selbst in sich hat.» Es ist schön, dass Mitschwestern Talente besitzen, welche mir nicht geschenkt wurden. So sind wir alle Gebende und Empfangende. Zurück zur Frage «Was ist denn das Besondere an diesem Dienst?» Es ist eine begrenzte Zeit, in der ich vermehrte Verantwortung für die Gemeinschaft auf mich nehme. Das Wort, das ich spreche, hat jetzt mehr Gewicht: sei es ein Lob, sei es ein Rat, sei es ein Hinweis oder einfach eine persönliche Meinung. Auch ein Wort des Vertrauens, der Anerkennung ist wichtig. Aber bei all meinem Tun bleibe ich auch in diesem Amt eine Schwester unter Schwestern. Sr. Zita Estermann, Baldegg Kloster Baldegg
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