baldeggerjournal

12 Kloster Baldegg gabe, seine Begabungen, Ausbildung, Arbeitskraft einbringen. Viele Jahre durfte ich eine Arbeit tun, die mich forderte und mit Freude erfüllte. Sie gab meinem Leben Sinn. Je älter ich werde, umso wertvoller finde ich die alltäglichen, einfachen Dienste. Ich spüre, wie ich auf die Dienste meiner Mitschwestern angewiesen bin. Das macht mich dankbar Gott und den Menschen gegenüber. Sr. Waltraud Renner Dienen heisst einander Leben geben Als Kind hörten wir dieses Wort nicht. In unserer Grossfamilie war es ganz selbstverständlich, dass wir einander unzählige "Dienstleistungen" erbrachten, damit wir es gut hatten. Dann stand in der Sekundarschule die Berufswahl an. In der Zeitschrift "Unsere Führerin" las ich: «Willst du den Ärmsten dienen ...» So fand ich den beruflichen Weg in die psychiatrische Krankenpflege. Da lernten wir die Motive unseres Handelns zu hinterfragen. Aus dieser Zeit kristallisierte sich in mir die Überzeugung, dass dienen heisst: einander Leben geben. Dies ist bis heute meine starke Triebfeder und macht mir Freude. Sr. Thomas Scherer Dienen heisst für mich lieben Es gibt für mich Dienste, die mir einfach aufgetragen sind, durch meine tägliche Aufgabe, die für mich Pflichterfüllung sind. Diese Dienste sind nicht schwer, wenn ich mich bemühe, sie in rechter Absicht zu tun. Es gibt für mich Dienste, die ich tun oder lassen kann. Wenn ich freiwillige Dienste angehe und tue, erlebe ich innerlich Erfüllung und Genugtuung. Ob ich dabei Dankbarkeit erfahre oder nicht, ist nicht so wichtig. Mein liebster Dienst ist mein Alltag. Meine betagten und kranken Mitschwestern in unserem Pflegeheim können sich in ihren persönlichen Anliegen, mit ihren Bedürfnissen und Sorgen an mich wenden. Kleine oder grössere Dienste, in mitschwesterlicher Liebe erwiesen, Zuhören und Verständnis entgegenbringen, schenkt ihnen Zufriedenheit, Beruhigung, neue Zuversicht und Freude. Sr. Adrienne Amherd Heute diene ich den Bienen im Kloster-Bienenhaus Vor 50 Jahren diente ich dem Gesetz. Pflichttreue war (m)ein oberstes Prinzip. Dieses Gesetz machte nach und nach einem Lebendigen Platz. Lehrmeister waren die Menschen, nicht zuletzt die Kinder. Diese sind einfach da. Sie sind absichtslos. Und wenn wir ihnen dienen, ist es selbstverständlich. Ihren Dank zeigen sie durch ihr Werden. Lehrmeisterin war und ist ebenfalls die Natur. Jetzt diene ich den Bienen im Kloster-Bienenhaus. Mein Dienst ermöglicht ihnen, ihren Dienst gut zu leisten. Sr. Christianne Muff Mir war das Wort «Dienen» eher unsympathisch Es hiess für mich Abhängigkeit und Knechtschaft, Sklave oder Knecht sein. Mit der Zeit haben diese Vorstellungen sich verändert, sie sind facettenreicher geworden. Dazu hat mir das Evangelium verholfen mit Beispielen wie: «Ich aber bin in eurer Mitte wie einer der dient» (Lk 22,27) oder «Wenn einer dich bittet, eine Meile mitzugehen, dann gehe zwei» (Mt 5,3-4). Heute heisst dienen für mich «Zuliebetun». Sich nicht vordrängen, den andern die Lorbeeren gönnen, zurückstehen, denken: «Hauptsache das Gute geschieht», egal welcher oder welche «Heilige» es tut. Den andern zum Erfolg verhelfen und sich daran freuen. Ein Problem, eine Frage ernstnehmen, Zeit nehmen, nicht messen, vergleichen und mit Ratschlägen zurückhalten. Ehrliche Komplimente machen, Gutes sehen an den Mitmenschen und es ihnen sagen. Andere aufwerten, sich nicht mit fremden Federn schmücken. Dankbar sein und staunen über Gottes Vielfalt. Das alles sind für mich christliche Dienste, die zu den alltäglichen Aufträgen und Pflichten hinzugekommen sind. Sr. Riccarda Hörler Dienen heisst Dasein für andere Das habe ich daheim von der Mutter gelernt. Sie war immer da für uns zehn Kinder. Es war für uns selbstverständlich, einander zu helfen. Jedes war ein Glied in der Kette. So war das Dienen für mich im Kloster nichts Neues, aber nicht immer selbstverständlich. Der Dienst bei den über 40 Waisenkinder in Dar es Salaam hat mich voll in Anspruch genommen, aber auch beglückt. Die glücklichen Gesichter der Kleinen gaben Kraft, auch den Härten des Alltags die Stirn zu bieten. Später warteten andere Aufgaben in Tanzania, an Kranken im Spital, an Schülerinnen, an Gästen im Spiritual Centre und jetzt daheim in Baldegg bei den Mitschwestern. Im Dasein für die andern sehe ich noch immer meine Lebensaufgabe. Sr. Laurentia Stadelmann Dienen kann ich nur im «aufrechten» Gang Meine frühen Erinnerungen an das Wort dienen sind ganz alltäglich und von unterschiedlichster Bedeutung. So wurde unser Grossonkel, der Chorherr, immer in der guten Stube bedient; das wollte unsere Mutter so und nicht anders. Meine Brüder durften bei der Messe dienen, dafür habe ich sie benieden. Später mussten sie im Militär abverdienen, da gab es nichts zu beneiden. Und erst wenn die alten Schuhe ausgedient hatten, gab es neue. Oder wenn die Messer bei Tisch zum Schneiden nicht mehr dienten, mussten sie eben neu geschliffen, also wieder tauglich gemacht werden. Als Kinder haben wir früh gelernt, mitanzupacken, Aufgaben zu übernehmen, uns dienstbar zu zeigen und einander keine Bärendienste zu erweisen. Also, dienen kann doch nur bedeuten: mit dem, was mir gegeben ist und ich mir angeeignet habe, zum eigenen und zum Wohle anderer freimütig beizutragen und dafür gerade zu stehen. Dienen kann ich nur im «aufrechten» Gang. Sr. Hildegard Willi

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