15 Glauben & Beten Glauben & Beten Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Das war 1985. Gemeinsam mit anderen Frauen wollte ich mithelfen, mit meinem Leben etwas von der christlichen Botschaft sichtbar zu machen. Ich spürte eine Sehnsucht in mir, mit Gott mein Leben zu gestalten. Wo bist du daheim? Einerseits bei Menschen, bei welchen ein Klima des Vertrauens, des Wohlwollens für mich erfahrbar ist, und andererseits in der unberührten Natur. Da bin ich meinem Ursprung, meinem Gott nahe. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Als Kind lauschte ich mit Andacht dem Läuten der Kirchenglocken. Ich ahnte, dass mich dieser Klang auf etwas Grosses, etwas Schönes hinweisen wollte. Als Jugendliche trafen mich die Worte von Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Einsiedeln. Er rief uns mit Nachdruck zu: «Ihr seid die Zukunft der Kirche!» Wer ist dir Vorbild? Der heilige Bruder Franziskus. Wer lehrte dich glauben? Meine Mutter, meine Kindergärtnerin, meine Religionslehrerin, die mich auf die erste Kommunion vorbereitete. Später auch Mitschülerinnen, mit welchen ich über Gott und die Welt philosophierte. Heute ist es das Leben selbst mit seinen Schönheiten und Widerwärtigkeiten, welches mich glauben, hoffen und lieben lehrt. Welche Farbe hat dein Glaube? Da denke ich an die ockerbraunen Herbstfarben, erdig, reif. Und wenn das Sonnenlicht einfällt – helles Gold. Was bedeutet glauben? Glaube heisst für mich, in Beziehung stehen mit Gott, mit meinen Mitmenschen, mit der Schöpfung, mit mir selbst. Wer ist Gott für dich? Gott ist das, was mehr ist – das, was über das Sichtbare, Erfahrbare, Machbare hinausgeht. Das Schöne, das Gute, das Wahre. Er ist das «Mehr» in meinem Leben, dem ich mich öffnen oder verschliessen kann. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? In einer ernsten Krise traf ich «rein zufällig» einen Menschen, der mir half, die Entscheidungen zu treffen, die für mich damals unbedingt not-wendend waren. Dass ich genau diesem Menschen begegnen durfte, ist für mich ein Gottesgeschenk. Gibt es auch Zweifel? Ja, es gab auch Zweifel. Und sie waren dann am stärksten, wenn ich mich innerlich gegen etwas wehrte. Es war, als ob mein innerer Widerstand den Zugang zum Vertrauen versperrte. Wie betest du? Am liebsten mache ich es wie Jesus. Er stieg auf einen Berg, um zu beten und um mit Gott allein zu sein. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Seine Ehrfurcht vor der Schöpfung und seine Liebe zum Schöpfer und seinen Geschöpfen sind für mich Lebensprogramm. Wie er möchte ich einfach sein im Denken und Handeln – einfach leben! Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? «Bei ihm – meinem Gott – ist die Quelle des Lebens.» Er vermag mein Leben immer wieder zum Fliessen zu bringen wie ein Bergbach während der Schneeschmelze. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Suche das «Mehr», das Grössere in deinem Leben. Sei dankbar. Schwester Romana Pfefferli, 1963, aufgewachsen mit vier Brüdern und zwei Schwestern in Wangen bei Olten liess sich zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin ausbilden und trat 1985 ins Kloster ein. Hier trug sie die Verantwortung für die Hauswirtschaft an der Schule Baldegg und unterrichtete an der Höheren Hauswirtschaftlichen Fachschule. Heute leitet sie das Kur- und Ferienhaus Bergruh in Amden.
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