baldeggerjournal

15 Glauben & Beten Glauben & Beten Warum bist du ins Kloster eingetreten? Ein Unfall im Alter von achtzehn Jahren hat meine Zukunftspläne durchkreuzt. Dieses starke Erlebnis liess mich dem «Gott der unfassbaren Liebe» begegnen. Ihm wollte ich mein Leben in totaler Hingabe schenken. Wo bist du daheim? In der Bibel lesen wir: «Unsere Heimat ist im Himmel» (Phil 3,20) und A. Silesius sagt: «Schau, der Himmel ist in dir». Wenn ich mit allem, was war und ist eins werde, dann erfahre ich «Himmel» und bin daheim. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Meine Mutter kam an einem kalten Wintermorgen von der Frühmesse mit schneeweissen, starren Fingern. Angstvoll fragte ich, warum sie so früh am Morgen in die Kirche gehe. «Weisst du, der liebe Gott gibt mir immer wieder neue Kraft und Liebe für die Aufgaben in der Familie; ich brauche die heilige Messe.» Wer ist dir Vorbild? Wichtig sind mir zwei Vorbilder: Das meines Vaters. Er hat zeitlebens an das Gute im Menschen geglaubt und uns das auch vorgelebt. Und jenes der heiligen Faustina: sie hat uns Gottes unergründliche Barmherzigkeit nahe gebracht. Wer lehrte dich glauben? Die Eltern. Später war es die Noviziatsleiterin, die mir zu einem persönlichen Gottesbild verhalf. Heute sind es die alltäglichen Situationen, die mein «Glaubensleben» vertiefen. Welche Farbe hat dein Glaube? Rot: wie die Liebe, die das Leid überwindet und heilt, die Neuanfang und Leben schenkt. Weiss: wie das Licht, das alle Farben in sich vereint und damit volles Leben in Fülle ermöglicht. Was bedeutet glauben? Glauben bedeutet für mich: «Ganz-Sein», Leben aus der Liebe Gottes. Wer ist Gott für dich? In Jesus Christus ist Gott für mich im Auf und Ab des Alltags das «DU» meines Lebens. Er führt mich zu den Menschen. Ihm kann ich alles sagen. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Wie Maria habe ich Gottes Vorsehung und wunderbare Führung in Momenten völliger Ungewissheit und in scheinbar aussichtslosen Situationen erfahren. Gibt es Zweifel? Ja, ich kenne Zweifel, nie aber Zweifel an Gottes Vorsehung und Liebe! Wie betest du? Ich spreche mit meinem Gott. Manchmal sind es kurze Stossgebete, Psalmen, spontaner Dank oder Lobpreis. Das Stundengebet in der Gemeinschaft, das schweigende Hören auf Gottes Wort in der Meditation und die Eucharistiefeier sind für mich wichtige Gebetsformen. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Die franziskanische Grundhaltung der persönlichen Einfachheit und Ehrfurcht vor der Schöpfung wurden mir bereits in der Kindheit mitgegeben. Staunen, Respekt, Freude und Dankbarkeit prägen meine Beziehungen. Dazu gehört auch der verantwortungsvolle Umgang mit den Nahrungsmitteln. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Wie einen roten Faden erkenne ich Gottes Zusage in meinem Leben: « Es genügt dir meine Gnade» (2 Kor. 12,9). Was du den Menschen sagen möchtest «Was bleibt, ist die Liebe», sie überwindet Feindseligkeit, heilt Verwundungen, schenkt Zukunft. Schwester Emma-Maria Heini, 1958, aufgewachsen mit 4 Brüdern und 1 Schwester in Ruswil, besuchte in Baldegg das Kindergärtnerinnenseminar. Nach ihrem Eintritt 1982 ins Kloster Menzingen leistete sie verschiedene Einsätze als Kindergärtnerin. 1997 trat sie ins Kloster Baldegg über und orientierte sich auch beruflich neu. Seither arbeitet sie mit in der Pflege und Betreuung von Menschen, erst im Pflegeheim Baldegg, seit 2009 im Schwerstbehindertenheim St. Antonius in Hurden.

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