7 Mit der Übernahme des Kurhauses Oberwaid wollten Gabi und Heinrich Thorbecke, dass die «Oberwaid» ihren Platz in St. Gallen behält. Ist die Oberwaid für Sie beide und die Bevölkerung der Stadt denn so etwas wie die OLMA oder die St. Galler Bratwurst? Im weitesten Sinn schon, denn alle kennen die «Oberwaid». Sie gehört einfach zur Stadt St. Gallen. Wir haben viele Briefe erhalten und von vielen Menschen gehört, dass sie es wunderbar finden, dass wir das Kurhaus Oberwaid von den Baldegger Schwestern übernehmen und weiterführen. Gönnen Sie sich nach diesen überaus strengen Jahren des Aufbaus auch eine Kur in der Oberwaid? (lacht) Nein, nein, das könnte ich nie. Unmöglich! Da hätte ich nie eine Kur. Ich würde die ganze Zeit etwas sehen, da und dort und denken, das müsste man auch noch machen. Aber Heinrich, mein Mann, war einer der ersten Patienten nach der Eröffnung der Oberwaid. Überhaupt: Heinrich liebt die Oberwaid. Er ist sehr oft hier und hat seine besondere Freude an der Gestaltung der wunderschönen Parkanlage. Er entdeckt immer wieder etwas, das noch verschönert werden kann. Wer kommt in die Oberwaid? Die Oberwaid ist besonders gut geeignet für Gäste, die wegen eines Spitalaufenthaltes Nachsorge und Therapie benötigen. Dafür sind wir bestens ausgerüstet. Die Therapieangebote können auch von ambulanten Patienten genutzt werden. Unser Kurhaus ist aber auch sehr geeignet für Menschen, die aufs Gewicht schauen müssen, an Erschöpfungszuständen leiden oder Schlimmeres. Wir haben übrigens einen ausgezeichneten Küchenchef, der wirklich auf die individuelle Situation eingeht und auch den Gästen, die aufs Gewicht schauen müssen, feine Sachen anbietet. Alle unsere Angebote sind auf der Homepage zu finden. Wenn ehemalige Gäste nach «Vertrautem» in der «neuen Oberwaid» suchen, was finden Sie? Beispielsweise den Ort der Stille mit dem farbigen Glasfenster der alten Oberwaid, den Baldegger Saal und den Theodor Hahn-Raum, die Sandsteinplatten aus der Krypta und natürlich die Grotte, die nach wie vor sehr besucht wird. Für das Kreuz haben wir einen neuen Standort gefunden auf dem Feldweg. Und vielleicht das Wichtigste: Viele Gäste stehen in der Lobby und sagen spontan: «Wenn man da hineinkommt, dann ‚fährt man so hinunter‘, es ist eine besondere Ruhe hier». Diesen Leuten sage ich: Als ich früher in der Oberwaid in die Empfangshalle kam, erging es mir genau gleich. Damals habe ich mir gesagt, wenn ich nur das von den Schwestern übernehmen kann, diese Atmosphäre. Wenn jetzt jemand sagt: «Hier kann man richtig ‚abefahre‘, es ist eine besondere Ambiance hier», oder «ich fühle mich wie in einer andern Welt», dann muss ich jedes Mal fast weinen. Es gibt Leute, die sagen, das ist ein Kraftort hier. Mag sein. Vielleicht ist es halt ein spezieller Ort, weil die Schwestern hier so lange wirkten. Es hat mich übrigens schon gewundert, dass andersgläubige Gäste auch mit Kerzlein zur Grotte gehen. Und zu jammern, gibt’s auch etwas? Eigentlich nein, denn ich bin dankbar, dass wir schon so weit sind. Ich bin auch dankbar, dass wir in Herrn Weber einen tollen Direktor und wirklich ausgesprochen freundliche Mitarbeitende haben. Ich bin zuversichtlich.
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