17 Nein, ganz ohne Angst ist die Lehrabschlussprüfung schon nicht gegangen. Aber ich war selber erstaunt, wie ruhig ich vorher war. In der Berufsschule erzählten die andern, dass sie schon wochenlang nicht mehr hätten schlafen können. So war das bei mir nicht. Auch in der Nacht vor der Prüfung schlief ich nämlich ohne Problem. Mein Chef war anscheinend viel aufgeregter als ich. Jedenfalls sagte er es. Am Morgen des Prüfungstages kam ich relativ entspannt in die Küche des Klosterkafis. Als dann aber um halb acht Uhr die mündliche Prüfung anfing, war ich plötzlich so unglaublich nervös; ich glaube, wie noch nie in meinem ganzen Leben. Warum? Ich kann es nicht sagen. Vor lauter Nervosität fand ich nicht einmal mehr die Worte. Ein richtiges Blackout. Der Experte hat es schon gemerkt und mir gesagt, ich müsse nicht so aufgeregt sein. Eigentlich hätte ich zu den Prüfungsfragen viel mehr gewusst zu sagen, aber ich brachte es nicht heraus. Darum bin ich jetzt ein bisschen enttäuscht. Beim Kochen wurde ich immer entspannter. Am Schluss war dann alles wieder ganz normal. Das Praktische habe ich schon gut gemacht. Natürlich habe ich den einen oder andern Bock geschossen, sagte mein Chef. Aber eigentlich sind es nur kleine Böckli, nichts Schlimmes. Ich gehe davon aus, dass ich bestanden habe. Im Moment habe ich grad ein wenig genug von Schule und Lernen und suche mir darum eine Stelle. Am liebsten wieder etwas, wo ich eine geregelte Arbeitszeit habe. Wie hier in der Klosterherberge. Etwas Ferien mache ich dann auch, aber daheim. Ich muss jetzt zuerst ein wenig sparen. Denn seit anfangs Februar habe ich ein Auto. Es kostet halt viel, so Sommer- und Winterpneus, Versicherungen und Benzin. Aber es ist schon super, wenn man ein Auto hat. Die Lehre ist rüdig schnell vorbei gegangen. Am Anfang war es eine Riesenumstellung. Vor allem den ganzen Tag stehen. Daran habe ich mich jetzt gewöhnt, dafür kann ich fast nicht mehr einen ganzen Tag auf dem Stuhl hocken. Wenn ich den Kolleginnen von meiner Arbeit erzähle, dann wollen sie immer wissen, ob mein Chef eine Klosterfrau sei und wie das so sei mit den Schwestern. Ich sage dann, dass ich einen ganz normalen Chef habe. Schwestern würden aber mithelfen, zum Beispiel beim Abwaschen. Darüber sind sie immer erstaunt. Und damit ist das Thema wieder abgeschlossen.Wenn ich mit andern vergleiche, habe ich es hier wirklich gut gehabt. Mit meinem Chef hatte ich eigentjobs@klosterbaldegg.ch lich auch nie Probleme. Er hat mir sehr viel gezeigt, so konnte ich gut lernen, auch beim Backen. Das war nämlich ein Hobby von mir, genau wie das Kochen. Damals habe ich mir gedacht: am besten mache ich mein Hobby zum Beruf. Jetzt werde ich wieder mehr Volleyball trainieren, das ist ebenfalls ein Hobby von mir. Ich muss auch, denn die vielen süssen Sachen werden langsam zu einem Problem. Ich habe halt rüdig gern Süsses. Es kommt nicht einmal darauf an, was es ist, aber süss muss es sein. Ob es auch Highlights oder Tiefpunkte gegeben hat in den drei Jahren? Eigentlich ist bei mir alles schön normal verlaufen. Ich habe auch nie den Gedanken gehabt, die Lehre aufzugeben. Natürlich gab es Tage, an denen ich nicht so gut drauf war, wenn ich noch etwas müde war vom Ausgang oder so.Aber sonst bin ich immer mit Freude zur Arbeit gekommen. Es sind mir auch nie gröbere Fehler passiert, zum Beispiel alles versalzen oder das Mass total verwechselt. Was ich besonders gerne koche? Da fällt mir jetzt grad nichts ein. Aber was ich ganz sicher in- und auswendig kann, das sind die Klosterspätzli. Die habe ich – ich weiss nüd wie mängisch – schon machen müssen. Wenn alle um mich herum hetzen, dann kann ich schon noch einen Zacken zulegen, aber eigentlich bin ich normalerweise ganz ruhig. Mein Chef bleibt ruhig, auch wenn viel läuft. Er hat mir auch schon gesagt, dass ich noch ein wenig zulegen kann in der Kommunikation, also etwas mehr reden und so. Aber ich bin eher ein ruhiger Typ. Schon in der Schule haben sie mir immer wieder gesagt, ich soll au amol öppis säge. Eigentlich kann ich es schon, aber es kommt immer auf die Leute an, die um mich herum sind; so unter den Kolleginnen geht‘s problemlos. Ich schaffe aber daran, manchmal geht es besser, manchmal weniger. Aber ich werde wohl mein ganzes Leben lang diese Art behalten. Was war da noch für eine Frage, die ich noch nicht beantwortet habe? Vielleicht kann ich ja noch ein wenig über sie nachdenken. jobs. Jasmin Habermacher macht das Hobby zum Beruf
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