15 Glauben & Beten Meine Urgrossmutter, la Bisnonna Carmela. Mit 38 Jahren hatte mein Urgrossvater einen Hirnschlag: 20 Jahre lebte er im Rollstuhl. Bisnonna Carmela sorgte für ihn und für die sieben Kinder. Nicht ein Mal – so hat man mir erzählt – hat sie sich beklagt: Stark war ihr Vertrauen auf Gott. Wer lehrte dich glauben? Meine Eltern und meine Grossmutter. Was bedeutet glauben? Mein Leben anschauen können und spüren, dass tatsächlich Gott nie aufgehört hat, da zu sein. Welche Farbe hat dein Glaube? Die Farben eines Regensbogens: Wasser und Licht … Wasser um den Durst zu stillen, Licht um tiefer zu sehen … Wer ist Gott für dich? Vater … Und mit Franziskus: «Gott, Du Zuwendung, Du Liebe, Du Weisheit, Du Demut, Du Geduld, Du Milde, Du Sicherheit, Du Ruhe, Du Mass, Du Stärke, Du unsere Hoffnung … Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes Jede Begegnung, auch die «unangenehme», betrachte ich – manchmal ein bisschen später – als Vorsehung. Gibt es auch Zweifel? Von Natur her bin ich wie Papa, optimistisch. Aber ob des schrecklichen Leids vieler Menschen stelle ich mir ab und zu die Frage: «Gott, warum lässt Du das geschehen?» Warum bist du ins Kloster Baldegg eingetreten? Warum? Um freier zu werden. Mein Vater hatte als Arzt viel mit Ordensleuten zu tun. So hatte ich als Kind regelmässig Kontakt mit Schwestern und Patres in Spitälern, Waisenhäusern und Altersheimen. Mehrere von ihnen schienen mir so frei ... ihre Verbundenheit mit Gott war stark und spiegelte sich im Alltag. Das hat mich fasziniert. Wo bist du daheim? Gibt es einen Ort, den wir «daheim» nennen können? Wenn ich an die Millionen Menschen denke, die kein «Daheim» haben, die sich entwurzelt und verloren fühlen? Wie froh bin ich, wenn es mir gelingt, jemandem ein wenig «Daheim» schenken zu können … Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte Ich war 10 Jahre alt als das geschah. Ein junger Familienvater war in Lebensgefahr. Nach der Operation blieb mein Vater vier Tage im Spital am Bett dieses jungen Papas. Erst als mein Vater sah, dass er nicht mehr in Lebensgefahr war, ist er heim gekommen. Ich habe die tiefe Freude und den friedlichen Blick, den er uns gab, nie mehr vergessen. Diese Erfahrung hat mich immer begleitet: das Leben der Anderen «retten», nicht zerstören, auch nicht mit Worten. Wer ist dir Vorbild? Glauben & Beten Wie betest du? Mehr als Worte zu formulieren, schweige ich und probiere zu hören. Wie bei einer Tankstelle: faire le plein de confiance! Ich wiederhole oft ein Gebet von Frère Christoph, (er ist einer der sieben Mönche von Tibhirine, die am 21. Mai 1996 ermordet wurden): «Avec toi il faut s’attendre à tout qui peut n’être qu’un rien du tout grand amour. Il faut risquer le Tout dans les tout petits riens de tous les jours. Il me reste au vrai tout de toi à vivre ici aujourd’hui». Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? «Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt» (1 Petr 3,15). Dieser Satz begleitet mich seit der Profess täglich. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Seit meiner Taufe auf den Namen Francesca (Papa wählte diesen Namen für mich, weil er Franziskus liebte) «begleitet» mich Franziskus. Ich bin mit ihm «aufgewachsen». Die Liebe zur Natur, einfach leben und immer wieder einander sagen können: «Der Herr gebe dir den Frieden!», all das ist mir wichtig. Schwester Chiara Francesca Pico, 1948, aufgewachsen mit ihrem Bruder Rinaldo in Bellinzona TI, Ausbildung zur Lehrerin und Zusatzstudium in Französisch und Pädagogik, Unterricht in Bellinzona, Lausanne, Basel, Zug, Baar (Blinde und sehbehinderte Jugendliche). 1990 Eintritt ins Kloster Baldegg, Unterricht in Bourguillon und in der Gouglera, Ausbildung zur Pastoralassistentin, seit 2008 Mitarbeit in den Pfarreien der Stadt Fribourg und im Wallfahrtsort Bourguillon.
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