15 Glauben & Beten trauen, auch wenn man Gott nicht unmittelbar sieht, aber doch hofft und spürt, dass er da ist … Welche Farbe hat dein Glaube? Mein Glaube gleicht einem klaren Fenster, durch das ich eine ganze Palette von Farben sehen kann. In diesen Farben und Stimmungen entdecke ich Gottes Anwesenheit. So in einer dunklen Winternacht, wenn alles unter einer dicken hellen Schneedecke liegt. Oder im frischen Grün und den zarten Farben der Blüten. In den bunt leuchtenden Farben des Sommers oder der goldenen Herbstpracht. Wer ist Gott für dich? Leben, Licht, Liebe, Weg, Wahrheit, Kraft, Schönheit, Freude, Frieden, Glück, Hoffnung … Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes Ich frage mich oft: Warum ist es genau so gekommen? War es Gottes Einwirken? Hat Gott mein Leben schon im Voraus so gedacht und gesehen, mich geführt? Gibt es auch Zweifel? Natürlich. Wenn ich nicht ganz «bei mir zu Hause bin», beginne ich an der Gegenwart Gottes zu zweifeln. Dann gibt es nichts anderes als immer wieder heimkehren oder «umkehren». Wie betest du? Zuerst versuche ich ruhig zu werden, meine «innere Mitte» zu finden. Meist lasse ich mich tragen von einem kurzen Satz aus der Bibel. Ich wiederhole ihn Warum bist du ins Kloster eingetreten? Warum? – ja das weiss ich eigentlich selber nicht so genau! Ich war irgendwie neugierig, wo Gott wohnt. Ich wollte dem Geheimnis von Gott auf die Spur kommen. In mir lebte eine Art «Freude an Gott». Das gab mir Kraft. Wo bist du daheim? Mein «Daheimsein» beschränkt sich nicht auf einen räumlichen Ort. Ich glaube, dass Gott in mir wohnt. So bin ich dort in meinem innersten Raum zu Hause. Dies schenkt mir Frieden und Geborgenheit. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte Mein Vater erlitt sehr früh eine Hirnembolie mit einer kompletten Aphasie. Er konnte sich sprachlich nicht mehr mitteilen, manchmal kaum mit ja oder nein. Er konnte jedoch ein «Vater unser» beten, gut verständlich und fehlerfrei. Das Gebet, die Beziehung zu Gott war wohl ganz tief verinnerlicht. Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Wer ist dir Vorbild? Meine Eltern. Hier im Pflegeheim sind es oft die betagten und kranken Mitschwestern, die ich pflege. Wer lehrte dich glauben? Den wichtigsten Platz diesbezüglich hatten sicher meine Eltern. Später haben viele Mitschwestern meinen Glauben beeinflusst, mitgeprägt und gestärkt. Was bedeutet glauben? Etwas gut heissen, etwas lieb haben, verGlauben & Beten immer wieder und nehme ihn mit in meinen Arbeitsalltag. Am Abend schreibe ich ihn in mein Tagebuch. Ich danke Gott für den Tag, erzähle ihm von meinen Sorgen, Ängsten, Freuden, von Menschen, die mir begegneten und von ihrem Leid, bitte um Verzeihung, um Kraft und Hoffnung und versuche, vertrauensvoll neu zu glauben. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Das Bibelwort «Die Freude an Gott ist meine Stärke.» und das Gebet von Franziskus: «Höchster glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erkenne und erfülle.» Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? In meiner Liebe zur Natur, zur Schöpfung. Ich versuche, dem Schöpfer allen Lebens einen Platz in meinem Leben zu sichern und dem Geheimnis des Lebens mit Ehrfurcht und Wertschätzung zu begegnen. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Dass die Freude an Gott allen Stärke und Kraft werde im Alltag! Dass alle Menschen ihr «inneres zu Hause» und die Geborgenheit in Gott finden und daraus Kraft, Freude, Licht und Zuversicht erwachsen. Schwester Annja Henseler, 1961, aufgewachsen mit vier Geschwistern in Udligenswil, Ausbildung zur Arztgehilfin, 1986 Eintritt ins Kloster Baldegg, Ausbildung zur Krankenschwester, Fachausbildung für Unterricht in Pflege, Unterricht an der Hauspflegeschule in Hertenstein, seit 2004 im Pflegeheim in Baldegg tätig in der Pflege, seit 2006 Stationsleitung.
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