17 Im Oktober 1985 habe ich hier im Kloster meine Arbeit als Maler begonnen. Auf die Stelle bin ich durch ein Inserat in der Barnipost gestossen. Ich habe einfach gedacht, ich schaue einmal, wie das da im Kloster geht. Und seither hat es mir immer gut gefallen. Ich bin zufrieden, so wie es jetzt ist. Natürlich wäre es anders, wenn ich Kundenmaler wäre. Das habe ich früher gemacht, als ich in Emmen in einer Malerei arbeitete. Eine Wohnung nach der andern habe ich gestrichen, ganze Quartiere. Hier im Kloster gibt es vor allem Unterhaltsarbeiten zu erledigen. Zimmer und Fenster frisch streichen und Korridore und Treppenhäuser. Jetzt bin ich grad im Pflegeheim an der Arbeit. Sr. Eveline sagt mir jeweils, was in welchem Zimmer zu machen ist. Da gibt es immer wieder Überraschungen. Letztes Mal meinte sie, dass nur ganz wenig zu machen sei. Aber es war gewaltig, was nachher alles gemacht werden musste. Das sieht man erst, wenn man gut hinschaut. Beim Radiator war auf einer Seite Rost, das kann man nicht sein lassen. Als ich die Decke genau anschaute, entdeckte ich viele kleine braune Flecken. Ich musste schliesslich alles neu grundieren und malen. Am Schluss kontrolliere ich jeweils alles noch einmal. Und wenn dann alles fein sauber und schön ist, dann freue ich mich und denke: «Jetzt hat die Schwester wieder ein schönes Zimmer.» Ich höre es nachher auch von den Schwestern, dass sie Freude daran haben. Wenn ich spüre, dass sie zufrieden sind, mache ich meine Arbeit gerne. Aber ich muss schon sagen, es hat sich in diesen mehr als 25 Jahren sehr viel verändert. Früher, da war noch die Schule, das Gelbe Haus, das Wohnheim, der Südbau. In den langen Sommerferien war ich oft ganz alleine in diesen grossen Gebäuden der Schule und habe dort Schulzimmer und Fenster gestrichen. Wenn ich nicht fertig geworden bin in den Sommerferien, habe ich in den Herbstferien einfach dort weitergearbeitet, wo ich im Sommer aufgehört habe. Jetzt ist das alles weg, die Schule gehört ja dem Kanton. Aber Arbeit habe ich immer noch genug. Seit einiger Zeit helfe ich mit beim Wäschetransport und Speisetransport. Das gibt Abwechslung. Als es darum ging, beim Transport mitzuhelfen, da sind die Oberinnen gekommen und haben mich persönlich gefragt, ob ich das machen würde. Ich habe das schön gefunden. In meinem Malerberuf hat sich auch vieles verändert. Als Maler bist du schon immer jobs@klosterbaldegg.ch noch Handwerker, man macht auch heute noch alles von Hand. Aber im Sektor Farbenherstellung hat sich vieles verändert wegen der Umwelt. Es hat weniger Lösungsmittel in den Farben, es geht heute alles vorschriftsmässig. Bei den Zweikomponentenfarben gibt es immer noch solche, die sehr aggressiv sind. Aber dafür gibt es spezielle Masken. Diese Farben sind etwas widerstandsfähiger, die braucht man fürs Lackieren oder für Böden. Es gibt Maler, die haben Berufskrankheiten bekommen, Ekzeme und Allergien und solches. Und andere haben zu viel Durst bekommen beim Schaffen; solche habe ich auch kennen gelernt. Aber das hat sich gebessert im Verlauf der Jahre. Mir geht in letzter Zeit immer wieder durch den Kopf, dass es am wichtigsten ist, wenn man am Morgen gesund aufstehen und zur Arbeit gehen kann. Natürlich auch, dass man den Lohn hat und leben kann. Ohne Lohn könnte man ja nicht existieren und für die Familie sorgen. Ich bin froh, wenn ich auch die nächsten zehn Jahre hier arbeiten kann. Ich bin jetzt 55. In meinem Alter wird es schon schwierig, wenn man noch wechseln möchte. Wenn man Arbeit hat, dann läuft die Zeit auch gut, und es chunt einem nie langwilig. Wallisertütsch spreche ich noch immer, meine drei Kinder hingegen gar nicht, sie sind hier in Rain aufgewachsen. Mit Wallisern rede ich Wallisertütsch, die sind dann immer überrascht, dass ich das nicht verlernt habe. Ein paar Wörter aus dem Luzernerdialekt habe ich aber auch angenommen. Rüdig zum Beispiel. Ich selber bin in Visperterminen aufgewachsen. Das ist dort, wo der höchstgelegene Weinberg Europas ist und wo der berühmte Heidawein herkommt. Dort gibt es schon viel mehr Sonne als hier. Wie ich dazu kam, trotzdem in der Innerschweiz zu leben? Ich machte die RS in Emmen und habe gedacht, ich könnte ja auch hier arbeiten. Zu jener Zeit gab es gar nicht viele Möglichkeiten in Visp und Visperterminen, überhaupt im Oberwallis. In den ersten Jahren hier hatte ich schon etwas Heimweh, so bin ich immer gerne heimgegangen. Aber ganz zurück will ich nicht, mir gefällt es hier, es ist alles tipptopp. jobs. Roland Heinzmann muss genau hinschauen
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=