baldeggerjournal

6 trost@klosterbaldegg.ch Kloster Baldegg Gott sagt von sich selbst, ich bin der «Ichbin-da». Und mein Glaube sagt mir, dass Gott mir näher ist als ich selbst, dass er jeden Menschen liebt und begleitet und bei uns bleibt bis ans Ende der Welt. Ich kann also zu jeder Zeit, in jeder Situation, mein ganzes Leben lang ungehindert mit Gott in Verbindung treten. Wir nennen das «beten». Das Beten geschieht in ganz verschiedenen Formen. Es kann Jubel und Dank, Trauer und Enttäuschung, Rettung und Schmerz, Wut und Trost ausdrücken. In den alttestamentlichen Psalmen kommt auf unerschöpfliche Weise die betende Beziehung des Menschen zu Gott in allen Situationen des Lebens zum Ausdruck. Da viele Menschen in schwierigen Momenten des Lebens bei andern Menschen Trost und Hilfe suchen, ist es verständlich, dass auch das weltweite Netz des Internets dazu benützt wird, Not und Leid, aber auch Freude und Glück mitzuteilen und auf Anteilnahme zu hoffen. Das Kloster ist eine gesuchte Anlaufstelle für Menschen, die Trost und Hilfe brauchen und suchen. Der Kontakt wird heute nicht mehr nur durch Briefe, durch persönliche Gespräche an Ort und Stelle oder via Telefon hergestellt. Die Verbindung geschieht auch per E-Mail. Wie oft erreichen uns Botschaften wie die folgende: «Liebe Schwestern, menschlich gesprochen weiss ich nicht mehr, wie es weitergehen soll. Die einzige Erfahrung der letzten Zeit war, dass es weitergegangen ist. Ich bitte um euer Gebet und um Worte des Trostes und des Vertrauens, damit ich das Vertrauen in Gott nicht verliere.» Gerne beantworte ich solche Hilferufe und versuche, die richtigen Worte des Trostes zu finden. Und ich lade die Mitschwestern ein zum fürbittenden Gebet für die entsprechenden Menschen. Es gibt Bitten um das tröstende und helfende Gebet, die namenlos ankommen. Die meisten Hilfesuchenden aber wollen nicht anonym bleiben und lassen uns neben der E-Mail-Adresse auch HandyNummer und Postanschrift wissen. Oft werden wir über eine Verbesserung der Situation oder über eine sich nicht verändernde Lage auf dem Laufenden gehalten. Das hält das Anliegen vor Gott online! Hie und da ist es sehr schwierig, die richtigen Worte des Trostes und der Anteilnahme zu finden. «Ich möchte Ihre Gemeinschaft inständig um das Gebet für meine Frau bitten, die ihre Familie mit vier Kindern wegen eines andern Mannes verlassen und ihren Glauben über Bord geworfen hat.» Gottlob sind nicht alle elektronischen Gebetsanliegen so tragisch wie dieses. Sie stammen auch nicht alle aus der Schweiz, sondern oft aus Deutschland und Österreich. «Bitte beten Sie dafür, dass sich meine zukünftige Ehefrau blitzartig von ganzem Herzen unsterblich in mich verliebt, was lebenslang anhalten möge.» Es ist schön, in einer so vielfältigen und vernetzten Welt via Computer Trost spenden zu können durch Worte der Anteilnahme und des Verstehens. Es ist besonders schön, Trost spenden zu können durch das Gebet, das schon immer seinen Weg zu Gott drahtlos gefunden hat. Sr. M. Martine Rosenberg, Baldegg Die heutige Welt der Computer und die Vernetzung im Internet ruft mir etwas in Erinnerung, das schon immer drahtlos funktioniert hat: die Verbindung zu Gott.

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