14 Unterwegs zum Gott allen Trostes Baldegger Missionen Die Familie ist die kleinste aber wichtigste Zelle der Gesellschaft. Da geht es um die Beziehung zwischen Frau und Mann, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Kindern und Eltern. Alle Familien sind Veränderungen, Anforderungen und Überforderungen ausgesetzt. In immer neuen Situationen sollten die richtigen Entscheide getroffen werden. Darum ist das Helfen und Trösten in meinem Umfeld eine Kunst, die täglich neu gelernt werden muss. Trost spenden in Ehekrisen, in der Drogen- und Alkoholszene, in Erziehungsschwierigkeiten, in Konflikten aller Art, bei Missverständnissen, Streit, Misstrauen, Auseinanderleben … Hier die richtigen Worte und Gesten des Trostes finden, ist wie eine Quelle, die die Herzen aufrichtet, den Geist belebt, die Sehnsucht der Seele beflügelt. Trost ist keine billige Angelegenheit, kein Verniedlichen der Schwierigkeit, kein Wegreden der trostlosen Lage. Trost führt in neue Möglichkeiten, öffnet neue Horizonte, schafft eine Atmosphäre der Hoffnung, so dass der Mensch wieder aufatmen kann. Echter Trost gibt Sicherheit, schafft Klarheit, schenkt Energie. Echter Trost weist auf den Sinn hin, der auch in den schwierigsten Situationen verborgen liegt. Die Trostlosigkeit ist nie das Letzte. Ich erinnere mich an das Erlebnis mit dem mächtigen Sippenführer Sia. Er kam durch die Sippenkämpfe in eine tiefe Trostlosigkeit hinein, in Angst, Depression, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Die Buschkriege kosteten vielen Menschen das Leben und brachten ihn an den Rand der Verzweiflung. Er hatte elf Frauen und etwa 50 Kinder. Eines Tages kam er zu mir und sagte in befehlendem Ton, wie es seine Art und wie er es gewohnt war: «Ich will, dass du mich zur Taufe führst, weil ich Gott brauche.» Für uns beide begann ein langer Weg des Suchens und Hinterfragens, der Auseinandersetzung und der Herausforderung. Ein langer Weg von fast elf Jahren führte in die endgültige Entscheidung für die Taufe. Für die Taufe als Schritt hinein in den Reichtum des Evangeliums. Für die Taufe als Weg, weg von Manipulation und Ausbeutung, missbrauchter Macht, politischen Vorteilen und schmutzigem Geld. Keine seiner elf Frauen wurde ungerecht entlassen. Mit jeder Frau suchten wir im Gespräch, wie ihre Bedürfnisse respektvoll berücksichtigt werden konnten. Einige von ihnen starben auf dem langen Weg der Verwandlung. Andere zogen endgültig zu ihren erwachsenen Kindern und kamen zusammen mit Sia in den Taufunterricht. Mit ihnen allen und mit der Glaubensgemeinschaft wurde jene Frau gewählt, die mit Sia den Lebensbund der Ehe schliessen sollte. Sia wurde auf den Namen Abraham getauft, ein symbolischer Name für seinen einmaligen Weg, der von der Trostlosigkeit hinüber führte in ein Leben in Fülle. Nach Jahren durfte ich Abraham auf seinem Sterbeweg begleiten bis zur Begegnung mit dem «Gott allen Trostes». Einer der Söhne Abrahams arbeitet heute mit mir in der Familienpastoral. Er ist ein grosser Trostspender für die vielen Menschen, die bei ihm Hilfe suchen. Trösten ist nie ein Schnellverfahren. Es braucht Einfühlungsvermögen, Geduld und Vertrauen. Für mich ist es eine wunderbare Aufgabe. Trost spenden gehört zu meinem Alltag im Südlichen Hochland von Papua Neuguinea. Es ist meine Hauptaufgabe in der Familienpastoral. Sr. Lorena Jenal, Mendi, Papua Neuguinea
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