baldeggerjournal

4 Sr. Beatrice Kohler, Baldeggg Weihnächtliches Wachen und Träumen Ich mag unsere Mutterhaus Kapelle sehr. Sie bewegt mein Herz durch ihre Schlichtheit und Klarheit, auch mit der Anordnung der Elemente und Materialien zueinander. In den Kunst- und Kultgegenständen kommen mir die wesentlichen Glaubensaussagen entgegen. Im Licht der wechselnden Tages- und Jahreszeiten zeigt sie mir neue Facetten und Bilder meines gläubigen Suchens und Findens. Wenn im Chorraum die gotische Krippe aufgestellt ist und viele Kerzen die Kapelle in ein warmes Licht tauchen, dann ist Weihnachten. Die Goldwand reflektiert tausendfach das einfallende Licht und wirft es auf die Betenden. Josef hat in seinen Träumen die nächsten Handlungsschritte erkannt: dass er Maria nicht im Stich lässt, weil sie schwanger ist, dass er mit Maria und Jesus die Flucht ergreift, um sie vor Herodes zu schützen, dass es Zeit ist, wieder in die Heimat zurückzukehren. In der Figur unseres Krippen-Josefs entdecke ich einen liebevollen, wachen Blick. Marias offene Arme bezeugen, dass sie ausgerichtet ist auf das, was sich ereignet. Ob es zupackende, zärtliche oder hingebende Hände sind, interpretiere ich je nach Situation. Für mich kommt in unserer Krippen-Maria Dienmut zum Ausdruck: sie ist bereit für das Geheimnis, das ihr anvertraut ist. Krippe, Kreuz, Altar Sie sind sichtbare Zeichen, hörbare Sprache, verstehbare Worte Gottes. In ihnen offenbart sich Jesus Christus. Ohne Jesus bleibt Gott für den Menschen unerreichbar. Er ist die Sprache, die Gott konkret zu uns spricht. Franziskus verweist mit seinem Leben, mit seinen Worten und Zeichen auf das Dreigestirn: Menschwerdung, Kreuz und Eucharistie. Sie sind die Gestalten der Demut Gottes, in denen Gott sich den Menschen zeigt. Trauen wir der Verheissung, dass Gott sich auch uns zeigt, hier und heute in unserem konkreten Alltag? In unserer eigenen Menschwerdung, in den Kreuzen, die wir tragen, in unserer Verbindung durch die Eucharistie? Gott wird Mensch Gott wird Kind – klein, arm, schwach, bedürftig. Er wird in Windeln gewickelt in eine Futterkrippe gelegt. Das Stroh gibt ihm Herberge, Wärme, Geborgenheit. Wir müssen uns beugen und kleinmachen, wenn wir ein Kind in die Arme nehmen um es zu bergen. Es bedarf unserer uneingeschränkten Zuwendung. Ein neugeborenes Kind anblicken lässt uns alle Schutz- und Abwehrmechanismen ablegen. Wir werden verletzlich. Das Wort des Vaters – Jesus – hat diese Menschlichkeit und Gebrechlichkeit angenommen. Auf das Kreuz schauen Im Gebet vor der Kreuzesikone in San Damiano fühlt sich Franziskus vom gekreuzigten Jesus angesprochen. Mit der Zeit erst erkennt er seinen tieferen Auftrag: die Kirche als das Haus Gottes bei den Menschen innerlich zu erneuern. Diese innere Nähe Jesu zu Franziskus ist das eigentliche Geschenk dieses tiefen Erlebnisses vor dem Kreuz von San Damiano. In meinem Schauen auf das Kreuz Christi wird mir bewusst, dass Jesus tat, was die Treue zu Gott ihm abverlangte. Jesus wollte sein Kreuz ebenso wenig wie ich meines will. Was wir in der Nachfolge Jesu wählen, ist Gott treu zu bleiben. Das Kreuz versinnbildlicht den Preis, den wir dafür bezahlen: «Dein Wille geschehe» - wie wir im Vater unser beten. Über die mögliche Erfahrung aus diesem Gebet steht im Philipperbrief 4,4-7: Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch! Lasst alle Menschen eure Freundlichkeit spüren. Der Herr ist nahe. Sorgt euch um Mensch werden will Gott mitten unter uns. Kind werden will Gott, damit wir lernen, was wahre Grösse bedeutet. Wohnen will Gott in den Zelten und Ställen, damit wir aufbrechen, um ihn dort zu finden und zu ehren. (vgl. Paul Weismantel) «Als Franziskus … an der Kirche San Damiano vorbeiging, wurde ihm im Geiste gesagt, er solle zum Beten hineingehen. Er betrat die Kirche und begann innig vor einem Bild des Gekreuzigten zu beten, das ihn liebevoll und gütig ansprach, indem es sagte: ‚Franziskus, siehst du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? Geh also hin und stelle es mir wieder her!‘ Zitternd und staunend sprach Franziskus: ‚Gerne, Herr, will ich es tun.‘ Er meinte nämlich, das Wort beziehe sich auf jene Kirche San Damiano, die … bald einzustürzen drohte. Jene Anrede erfüllte ihn jedoch mit so großer Freude und erleuchtete ihn mit so hellem Licht, dass er Christus den Gekreuzigten, der zu ihm gesprochen hatte, wahrhaft in seinem Herzen fühlte.» (Gef 13,6–10)

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