15 Glauben & Beten Welche Farbe hat dein Glaube? Ich möchte es eher so sagen: Mein Glaube verleiht meinem Leben Farbe und Lebendigkeit. Ich kann mir das Leben ohne Glauben an Gott nicht vorstellen. Was bedeutet glauben? Glauben ist für mich ein persönliches, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mensch und Gott. Wer ist Gott für dich? Gott ist für mich Anfang, Mitte und Ziel meines Lebens. Er ist das Du, das mich stets begleitet und dem ich mich immer anvertrauen kann. Er ist das Licht, das mir den Weg erleuchtet, und die Kraft, die mir immer neue Zuversicht und Hoffnung schenkt. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Die meisten Erfahrungen der Vorsehung Gottes in meinem Leben sind nicht spektakulär, vielmehr leise und unscheinbar. Andere sind für mein Leben wegweisend geworden und lassen mich voll Dankbarkeit sagen: «Gott hat es gut gemacht»: So meine Geburt in eine liebevolle Familie hinein, die glückliche Kindheit und Jugend zusammen mit meinen Geschwistern, die berufliche Ausbildung, die mich zu den Baldegger Schwestern führte etc. Gibt es auch Zweifel? Wer kennt sie nicht? Aufkommende Zweifel sind eine Anfrage an mich, wie ich Gott in meinem Leben Raum und Zeit schenke. Warum bist du ins Kloster Baldegg eingetreten? Im Internat in Hertenstein und Baldegg lernte ich die Baldegger Schwestern kennen. Ihre Lebensweise hat mich beeindruckt. Vom Geheimnis der Berufung angerührt, wurde ich damals selber ergriffen vom Wunsch, mein Leben Gott zu weihen. Wo bist du daheim? Ich fühle mich an zwei Orten daheim: Einerseits in der klösterlichen Gemeinschaft in Baldegg. Andererseits empfinde ich eine starke Verbindung zu meinem Zuhause, wo ich aufgewachsen bin. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, erlitt meine Grossmutter einen Schlaganfall. Meine Eltern entschieden sich, sie in unsere Familie aufzunehmen und sie zu pflegen. Ihre Gegenwart prägte unser Familienleben. Dankbar für jede Kleinigkeit, konnte sie ihrer Freude Ausdruck geben. Sie war eine gläubige Frau und hat viel gebetet. Ihre lebensbejahenden Wesenszüge haben mich beeindruckt. Wer ist dir Vorbild? Meine Eltern und meine betagten Mitschwestern. Beide sind mir ein lebendiges Beispiel für gelebte Treue und Hingabe: Meine Eltern in ihrer Berufung zu Ehe und Familie, meine Mitschwestern in ihrer Berufung zum Ordensleben. Glauben & Beten Sie sind für mich auch Ansporn zu tieferem Suchen. Wie betetst du? Am frühen Morgen und am späteren Abend halte ich in der Stille Zwiesprache mit Gott. Viermal am Tag versammeln wir uns zum gemeinsamen Stundengebet in der Kapelle. In der warmen Jahreszeit gehe ich abends oft ins Freie, in den Wald, übers Feld oder durch den Garten, wo ich gerne den Rosenkranz bete – oder einfach so mit Gott verbunden bin. Und während der Arbeitszeit gibt’s spontan einen Dank, eine Bitte, ein Segen, ein Ausdruck der Freude über gelungene Arbeit. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Wenn ich mich in der Natur aufhalte, ist mir Franziskus besonders nahe. Ich kann oft nicht anders, als mit ihm Gott loben und Gott danken für seine wunderbaren Werke, seine unendliche Phantasie und die Schönheit, die er allem verleiht. Ein Wort, das dich durch das Leben begleitet? «Gott, in dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir.» Apg. 17,28 Wir sind ganz von Gott umgeben und von ihm erfüllt, ob es uns bewusst ist oder nicht. Dieses Wort aus der Apostelgeschichte begleitet mich seit vielen Jahren und erfüllt mich mit tiefer Freude und Dankbarkeit. Schwester Chantal Bernet, 1963, aufgewachsen mit zwei Geschwistern in Luthern, Ausbildung zur Kindergärtnerin, Einsatz in Grossdietwil, 1984 Eintritt ins Kloster Baldegg, weitere Tätigkeit als Kindergärtnerin in den Gemeinden Hochdorf und Frick. Heute arbeitet sie im Verwaltungsbereich des Klosters mit.
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=