15 Glauben & Beten Mein Glaube hat die Farben der vier Jahreszeiten. Manchmal ist er grün, hoffnungsvoll und lebendig wie der Frühling. Manchmal ist er gelb, beschwingt und leicht wie der Sommer. Manchmal ist er bunt und verliert die Blätter wie der Herbst. Manchmal ist er weiss, aber auch trüb und düster wie der Winter. Was bedeutet glauben? Glauben heisst für mich: Gott zutrauen, dass er mein Leben und das der ganzen Menschheit im Griff hat. Wer ist Gott für dich? Er ist für mich der Partner, der mein Herz erobert hat und mit mir durch dick und dünn geht. Was kann ich da anderes tun, als ihm jeden Tag neu danke zu sagen! Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Mein Vater war schon schwer krank, als ich vor meinem Klostereintritt stand. Er sagte damals zu mir: «Du musst nach Baldegg gehen und darfst dich durch nichts aufhalten lassen.» Ein paar Wochen später ist er gestorben. Gibt es auch Zweifel? Ja, in allen Lebensphasen und auf jedem Warum bist du ins Kloster Baldegg eingetreten? Dazu fällt mir der Vergleich mit einem Puzzle ein: Viele verschiedene Teile fügen sich zu einem Ganzen zusammen. Ich habe von Gott und von Menschen viele kleine Zeichen bekommen, die mich nach und nach zur Entscheidung für das Kloster geführt haben. Daran glaubte und glaube ich. Wo bist du daheim? Aufgewachsen bin ich in Haslen im schönen Appenzellerland. Eine Mitschwester schenkte mir einmal ein Zitat: «Heimat ist in Gott. Gott ist überall.» Das ist Daheimsein! Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Unser Vater hat jeden Abend mit Weihwasser das Kreuzzeichen in alle vier Himmelsrichtungen gemacht. Das hat mich immer beeindruckt. Wer ist dir Vorbild? Es gibt viele Vorbilder für mich. Das sind all jene, die in meinem Herzen verankert sind. Von allen kann ich viel lernen. Welche Farbe hat dein Glaube? Glauben & Beten gewählten Weg gibt es ab und zu Zweifel. Das ist auch bei mir so. Wie betest du? Wenn ich alleine bete, versuche ich still zu werden, in mich hineinzuhorchen um dort Jesus zu begegnen. Im Stundengebet mit den Mitschwestern, beim gemeinsamen Beten und Singen fühle ich mich getragen von der Gemeinschaft und der ganzen Weltkirche. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Franziskus hat seine Berufung in der Nachfolge Christi vertrauensvoll in die Hände Gottes gelegt und sie radikal und konsequent gelebt. Ich staune immer wieder darüber. Ein Wort, das dich durch das Leben begleitet? Es ist ein Wort von Frère Roger von Taizé. Er sagt: «Wende dich Jesus zu und vertraue seiner frohen Botschaft.» Zwei Dinge, die du der Leserschaft des BaldeggerJournals sagen möchtest? «Irgendwo brennt für jeden ein Licht! Und die Worte Jesu: «Fürchte dich nicht!» Schwester Regula-Maria Mazenauer, 1963, aufgewachsen in Haslen AI, zusammen mit ihrem Zwillingsbruder und fünf weitern Geschwistern, Haushaltlehre, 1984 Eintritt ins Kloster Baldegg, Ausbildung zur Familienhelferin in Hertenstein, berufliche Einsätze im Bildungshaus Hertenstein, im Heim St. Antonius in Hurden und seit 1991 in der Gästebetreuung des Kur- und Ferienhauses Bergruh in Amden.
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