11 Landschaft, über den Dächern nachts, in der Menschenmenge, in den Fragen …, er ist überall». Und doch gibt es Orte, wo er spürbarer ist. Meist genannt werden San Damiano, Portiuncula, Rivotorto und La Verna. San Damiano Äusserlich gesehen eine kleine dunkle Kapelle mit angebautem Kloster und kleinem Kreuzgang. Bescheiden, unten am Rande der Stadt. Für Franziskus und Klara und für alle, die sich mit ihnen auf den Weg machen, ein Ort von grosser Bedeutung. Hier wurde Franziskus vom Gekreuzigten angesprochen, der von da an sein Leben prägte, und der ihm den Auftrag gab, seine Kirche aufzubauen. Hier schrieb Franziskus nach einer Zeit innerer und äusserer Leiden seinen Sonnengesang. Hier lebte Klara mit ihren Schwestern, zwar mit Blick auf die Stadt, aber in Stille und Abgeschiedenheit, ein Leben der Armut und des Gebets. Hierher kommen jedes Jahr Tausende von Pilgern, angesprochen von dieser Einfachheit, fasziniert von den Gesängen der abendlichen Vesper. Portiuncula Wenn wir von Assisi aus ins Tal hinunterblicken, fällt unser Blick zuerst einmal auf die mächtige Basilika Santa Maria degli Angeli. Nichts verrät uns, dass sie in ihrem Innern eine Kostbarkeit verbirgt, die kleine Kapelle Portiuncula, erbaut vielleicht schon im 4. Jahrhundert von Einsiedlern, die aus Palästina kamen. Zur Zeit des heiligen Franz gehörte sie den Benediktinern vom Subasio. Sie war verlassen, von niemandem betreut; eine arme, kleine, alte Kirche. Franziskus hatte sich wohl im Wald, der die Kapelle umgab, eine Hütte errichtet und mit den Restaurierungsarbeiten begonnen. So wurde die Portiuncula zur Lieblingskapelle des Heiligen. Hier entdeckte Franziskus im Jahre 1208 beim Hören des Evangeliums seine Lebensform. Hier wurde in der Palmsonntagsnacht 1211 die junge Klara in die franziskanische Gemeinschaft aufgenommen. An diesen Ort kehrten die Brüder immer wieder zu gemeinsamen Beratungen zurück, und am 3. Oktober 1226 starb Franziskus hier im Kreise seiner Brüder. Rivotorto Nicht weit von der Portiuncula entfernt, an der Strasse nach Spoleto, liegt das Kloster von Rivotorto. Es wird wenig besucht. Wir sind die einzigen Pilgernden an diesem Ort. Hier in der Nähe war zur Zeit des heiligen Franz ein Spital für Aussätzige, und hier hatte Franziskus wohl die für sein Leben wegweisende Begegnung mit dem Aussätzigen. Rivortorto war eine wichtige Station auf dem Umkehrweg des Heiligen. In San Damiano begegnete er dem Gekreuzigten auf Augenhöhe, bei Rivortorto stieg Franziskus selber vom Pferd hinunter und begab sich auf die gleiche Ebene wie der Aussätzige. Beide Begegnungen prägten von nun an das Leben des Heiligen. La Verna Abgelegen in der Toskana liegt der Berg La Verna, den Franziskus 1213 vom Grafen von Chiusi geschenkt erhielt, damit er einen idealen Platz für Gebet und Busse habe. An einem wolkenverhangenen Tag machen wir uns auf nach Norden. Es ist kühl und regnerisch auf dem Berg, und eine Teilnehmerin meint im Blick auf das «Bett» des Franziskus: «Es ist gut, dass es so ist, so können wir ein wenig nachvollziehen, wie Franziskus hier oben gefroren hat.» Franziskus war oft in La Verna, zum letzten Mal im Herbst des Jahres 1224. Dabei wurde das, was er seit der Begegnung mit dem Gekreuzigten in San Damiano im Herzen trug, auch nach aussen sichtbar. Franziskus empfing die Wundmale. Wir gehen beeindruckt und still von diesem Ort fort und hören bei der Wegfahrt die Abschiedsworte des heiligen Franz vom Alvernaberg, die alle Teilnehmenden sehr berühren. Vier Orte, die für das Leben von Franziskus und Klara wegweisend waren, sind den Teilnehmenden der diesjährigen Reise besonders nahe gegangen. Was nehmen sie davon mit in den Alltag? Kennen lernen: etwas für mein Leben aus der Begegnung mit Klara und Franziskus Etwas ist aus allen Antworten zu lesen: Die Teilnehmenden unserer Assisi-Reise wünschen sich, dass das, was sie in dieser Woche kennen gelernt haben, weiterwirkt in ihrem Alltag. Santa Chiara ist mir als Frau vielleicht näher als Franziskus. Ich möchte im Alltag an sie denken «im Sinn ihrer Wandlung von äusseren Werten hin zur Entwicklung ihres inneren Reichtums». Sie gibt mir Mut, im Alltag für meine eigene Überzeugung einzustehen. Wie Franziskus und Klara möchte ich offen sein für Unerwartetes, auch dann, wenn es meinen Plänen und Vorstellungen widerspricht. Ich möchte Veränderungen, auch wenn ich sie anfänglich nicht verstehe, zulassen. Vieles gäbe es dazu noch zu sagen, aber ich glaube, eine Teilnehmerin hat all das Erlebte auf den «franziskanischen Punkt» gebracht, wenn sie schreibt: «Vor allem ist mir bewusst geworden, dass wir das Wesentliche immer von Gott empfangen, dass er uns immer wieder ergreift, wenn wir uns ergreifen lassen.» Wenn Sie Franziskus und Klara und Assisi gerne kennen lernen möchten, haben sie dazu Gelegenheit bei unserer nächsten Reise nach Assisi. Termin: 5. – 11. Juni 2010. Weitere Informationen bei: Sr. Renata Geiger, Tel: 041 914 18 00 sr.renata@klosterbaldegg.ch www.klosterbaldegg.ch
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