12 die verschiedenen Lappen: Vlieslappen in kräftigem Rot, Blau und Gelb. Jede Farbe ist für ein bestimmtes Reinigungsobjekt bestimmt. Rot für die WCs, also ja keine Verwechslung! Dann die schönen Mikrofasertücher in Pastellfarben. Weiter gibt es Nasswischtücher und Feuchtwischtücher. Natürlich gehören dazu die passenden Geräte und Eimer. Ich lernte Materialien kennen: unseren dunklen geölten Holzboden, die Kunststeinböden, Linoleum, Chromstahl, Sanitärporzellan. Alles will gereinigt und gepflegt werden. Wie? Mit welchem Reinigungsgerät? Nass, feucht oder trocken? Welches Reinigungsmittel und wieviel? Es ist etwas Schönes, diese Dinge kennen zu lernen. Sie gehören auch zu unserer Welt und sind wichtig. Sr. Rahel Künzli Nein – da war von meiner Seite her zu Beginn keine grosse Sympathie für die himmlischen Wesen auf dem Tabernakel in unserem neuen Gebetsraum. Wie so viele andere Einrichtungsgegenstände in der Klosterherberge erinnern sie uns an den langjährigen Einsatz unserer Schwestern in St. Gallen. Für die Engel wurde also die Klosterherberge als neuer Aufenthalts- und Wirkungsort ausgewählt. Zu aufdringlich, zu «laut», zu dominant wirkten die Engelwesen aus Metall anfänglich auf mich. Eigentlich hätte mich ein schlichter Tabernakel mehr angesprochen. Doch alles Wegwünschen half nichts. Inzwischen sind hundert und mehr Tage vergangen. Im täglichen Beten verbringen wir einige Zeit vor dem Tabernakel. Langsam, aber sicher finden die Engel einen Platz in meinem Herzen. Eigentlich schauen sie ganz freundlich und liebenswürdig in die Welt. Sr. Kerstin Rast Einst wurde in diesen Räumen gerüstet, gekocht und gebacken, sterilisiert, gedörrt und eingefroren. Heute sind hier unsere Handwerkstätten. Hier darf ich tätig sein. Die einstigen Produkte waren für das leibliche Wohl bestimmt. Die heutigen handwerklichen schenken Lebensfreude und Selbstvertrauen. So ist den beiden Produkten gemeinsam, dass sie eine Kraft- und Lebensquelle sind. Für mich ist es ein Geschenk, die wachsende Freude beim Werden eines Produktes mit den Kursteilnehmenden zu teilen. Und wenn Werke von bleibendem Wert entstehen wie etwa ein «Lebensbuch» oder «Papas Rezepte» – ein vom Vater selbst verfasstes und selbst gebundenes Kochbuch als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter – ist das auch für mich ein unvergessliches Erlebnis. Sr. Madeleine Hänggi Gäste unserer Herberge kennen lernen, das ist etwas Schönes. Ich lernte in den letzten Wochen aber noch viel anderes kennen, besonders bei der Reinigungsarbeit: Zum Fensterputzen lernte ich das Einwaschgerät kennen. Ich muss es mit dem richtigen Überzug ausstatten. Es gibt den Fensterrechen und die Teleskopstange. Mit dieser kann ich hoch oben die Spinnennetze wegputzen. In der Natur bewundere ich diese aber als Kunstwerke. Und erst Mich freut die Erfahrung, dass meine anfängliche Antipathie gewichen ist und ich glaube, dass dies mit der Geduld der Engel zu tun hat. Vielleicht möchten Sie sich selber ein Bild von unseren Engeln machen – dann besuchen Sie unsere Klosterherberge oder unsere website www.klosterbaldegg.ch/index.php?id=72. Sr. Reintraut Chastonay Die Klosterherberge ist schön geworden, aber meine Erinnerungen an das alte Kloster sind noch gross. Ich bin die einzige Schwester, die vor dem Umbau hier gelebt hat. Der Wechsel vom Alten zum Neuen war für mich wirklich nicht leicht. Alles ist für mich anders: das Haus, die Arbeit, die Schwestern. Jeder Tag ist anders. Doch langsam kommt es schon. Die Idee der Klosterherberge finde ich gut. Ich habe zwar nicht so häufig direkten Kontakt mit den Gästen, aber ich spüre, sie haben das Bedürfnis zum Gespräch. Sie wollen irgendwie Freiheit und Nähe gleichzeitig. Am meisten freue ich mich, dass die Mitarbeitenden der Stiftung Brändi nun auch im Klosterkafi essen. Sie fühlen sich wohl. Ich bediene sie sehr gerne. Es ist schön, dass in unserer Klosterherberge auch Menschen mit Behinderungen Platz haben. Sr. Gabrielle Meier Nie hätte ich gedacht, dass unsere «Haltestelle für das Leben» mir einmal so viele Fragen bescheren würde: Können wir à la carte essen? Haben Sie einen inspirierenden Raum für die Klausurtagung? Könnten wir in der Mutterhauskapelle des Klosters eine Andacht halten? Was empfehlen Sie unserer Wandergruppe zum Zvieri? Hundert Tage in der Klosterherberge Klosterherberge
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