baldeggerjournal

15 Baldegger Missionen Auch die Lehrer und Lehrerinnen sind grob zu den Kindern. Die Eltern stehen immer auf der Seite der Lehrpersonen. In dieser eher traurigen Situation sehe ich meine wichtigste Aufgabe in einer gewaltlosen Schulführung. Mit der Methode von Maria Montessori auf allen Stufen versuchen wir, Vertrauen zu schaffen. Das führt zu Offenheit und Lernfreudigkeit. Verängstigte Kinder getrauen sich zu sprechen. Wir entdecken und fördern Begabungen. Das Kind übernimmt Verantwortung für sich und die andern. Wir leben an unseren Schulen in einer für Afrika heilen Welt ohne Schlagstock, erweisen einander Respekt, anerkennen das Anderssein von Stämmen, Sippen In Tanzania gibt es viele Kinder und junge Menschen. Sie sind der Reichtum der Eltern, weil sie später für Vater und Mutter sorgen. Die Eltern verfügen über ihre Kinder. Diese haben wenig Freiheit. Sie sind vielerlei Gewalt ausgesetzt, haben oft Angst und müssen hart arbeiten. Die Knaben sind immer noch jene, die verwöhnt werden. Die Mädchen werden weniger gefördert und müssen mehr arbeiten. Auf dem Land ist es in dieser Beziehung noch schlimmer als in der Stadt. Wenn ein Bub geboren wird, ist die Freude grösser als bei einem Mädchen. Das ist auch eine beliebte Ausrede des Mannes, wenn er seine Familie verlassen will. Er kann es mit der Begründung tun, er müsse eine neue Frau suchen, damit ein Knabe geboren werde. Die Mütter sind mit ihren Kindern gerechter als die Väter. Doch Mütter und Väter haben meistens wenig Gespür für einen psychologischen Umgang. Im Schlagen ihrer Nachkommen sieht man keinen Unterschied zwischen Vater und Mutter. Sr. Denise Mattle, Mwanza Kinder in Tanzania Ich habe die Kinder in meinen fast dreissig Jahren in diesem Land ein wenig kennen gelernt. Ein wenig nur, denn in Afrika kennt man nie etwas ganz. Vieles bleibt immer unverständlich, geheimnisvoll. Ich begegne den Kindern in den Montessori Kinderhäusern, den Montessori Training Centres und den Montessori Schulen, die ich mit Hilfe von vielen Menschen aufbauen konnte. Ich unterrichte und baue und saniere und helfe in den verschiedensten Nöten des Lebens. Auch Strassenkinder gehören zu meinem Alltag. und Religionen. Durch die Lehrerinnen und Lehrer, die wir ausbilden, tragen wir unsere Kultur auch in andere Schulen. So sollte sich allmählich im ganzen Land etwas zum Guten wenden. Doch dazu braucht es viel Zeit. Wenn Leute zu uns auf Schulbesuch kommen, nehmen sie die besondere Atmosphäre sofort war. Eine der ersten Fragen ist jeweils: Warum streiten diese Kinder nicht? Die Kinder sind fröhlich und gehen in dieser gewaltfreien Umgebung gerne in die Schule. Sie nehmen dafür lange Wege auf sich. Die Kinder motivieren mich zum täglichen Einsatz für sie. Ich hoffe, dass ich noch viel für sie tun kann. Baldegger Schwestern als Montessori-Pionierinnen in Tanzania 1969/1970 wurden in Tanzania die Schulen verstaatlicht. Nur die Kindergärten konnten weitergeführt werden. Sr. Salvina Kaufmann, eine Baldegger Schwester, seit 1938 in Tanzania als Lehrerin im Einsatz, lernte zu jener Zeit eine Engländerin kennen, die am Montessori Training Centres in London arbeitete und in Dar es Salaam einen Kindergarten nach der Pädagogik der italienischen Ärztin Maria Montessori gründen wollte. Mit Unterstützung dieser Fachperson eröffnete Schwester Salvina 1970 den ersten Montessori Kindergarten in einem Armenquartier von Dar es Salaam. Schon im Frühjahr 1972 begann sie mit der Ausbildung von Montessori Kindergärtnerinnen in Dar es Salaam. 1981 fand sie in Schwester Denise Mattle eine junge Nachfolgerin aus dem Kloster Baldegg. Mit Begeisterung, Ausdauer und Mut steht Schwester Denise heute immer noch in ihrer vielseitigen Aufgabe. Durch sie und ihre Schülerinnen sind weitere fünf Montessori Training Centres entstanden, so dass nun in den verschiedenen Teilen des Landes Kindergärtnerinnen ausgebildet werden können. In Mwanza am Viktoriasee hat Schwester Denise, unterstützt von der Bevölkerung, neben dem Training Centre und den Kindergärten eine Primar- und Sekundarschule und auch ein Lehrer- und Lehrerinnenseminar ins Leben gerufen.

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