baldeggerjournal

14 Kinder- und Jugendzeit oder überhaupt ihres Lebens ist. Ein kurzes Einspiel klärt dann die letzten Positionsfragen und der erste Match kann losgehen. Die Stimmung ist heiter und locker. Bald wird gegenseitig offenbar, wo die Lücken am grössten und damit die Torchancen die besten sind. Nicht immer sind die schnellen und zielsicheren Schüsse jene, die zu einem Tor führen. Im übertragenen Sinne kann man nämlich übers Tor hinausschiessen. Leider sind auch Eigentore nicht zu vermeiden. In solchen Momenten ist gegenseitige Aufbauarbeit nötig, vor allem wenn man im Hintertreffen liegt. Auch strategische Fragen bezüglich Positionswechsel vom Stürmer zum Goalie oder umgekehrt sind dann in Windeseile zu klären. Das Spiel am Töggelikasten hält alle ganz schön in Trab: reagieren, offensiv sein, verteidigen, antreiben, bei einem Treffer jubeln, Tore einkassieren, lachen und einfach fröhlich sein … Der Treffpunkt «Töggelikasten» ist für mich ein Geheimtipp. Sr. Eliane Brühlmann Leute aus nah und fern kommen und möchten das neue Klosterkafi kennen lernen. «Das ist anders als im früheren, provisorischen Kafi: So neu, so hell, so grosszügig; der Blick in die Berge, auf den See, ins Dörfli Baldegg. Doch eines ist geblieben: die Schwester im Service!» Im neuen Klosterkafi gibt es nun Plätzchen und Nischen mit runden Tischchen und Korbsesseln, einladend zum Entspannen. Ich freue mich, dass ich wieder im Klosterkafi arbeiten darf. Dabei denke ich häufig an den Satz der heiligen Theresia von Avila: «Tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust bekommt in dir zu wohnen.» Schon ein Glas Bio-Apfelsaft von unserem Klosterhof kann wohltuend sein. Aber auch mit meinem TreffPunkt-Angebot PILATES kann ich mithelfen, «dem Leib Gutes tun». Dabei leite ich die Teilnehmenden zum sanften Muskeltraining an. Diese Kombination von verschiedenen Arbeitseinsätzen gefällt mir. Sr. Erna-Maria Züger Der Anfang war beileibe kein «Zuckerschlecken»! Von früh bis spät galt es Neues zu lernen. Denn wer von uns wusste, was mit HerbergeZeiten, HerbergeKaffee, HerbergePost, HerbergeAlltag gemeint war? Wer von uns hätte sich vorgestellt, dass es zum Herrichten einer simplen Mahlzeit nicht mehr nur eine Pfanne braucht, sondern Geräte mit klingenden Namen wie «Hold-o-mat», «air-o-steam» oder «paco jet»? Oder dass ich im Klosterkafi Fremdsprachenkenntnisse benötige? Die Kaffeemaschine macht nämlich aus gewöhnlicher Kuhmilch «latte macchiato» oder «lattino flavour». Wenn das die Kühe wüssten! Nebst diesen neumodischen Dingen gibt es auch altmodische. Zum Glück! Unser Arbeitseinsatzplan besteht nämlich aus lauter Güfeli mit farbigen Köpfchen. Die sind nicht dazu da, die Schwestern, die früher am Handarbeitslehrerinnensemiar unterrichteten, nostalgisch werden zu lassen. Güfeli sind ein einzigartiges Organisationshilfsmittel. Der altbewährte «Güfeliplan» regelt unsere täglichen Arbeitseinsätze besser als unsere superschnellen neuen Computer. Aber auch diese brauchten fast hundert Tage bis sie richtig funktionierten! Sr. Andreas Rieder Meine Grosseltern hatten eine Wirtschaft. Davon und von der strengen Arbeit erzählte mir meine Mutter häufig. «Zum Glück», so sagte ich damals zu meiner Mutter, «müssen wir nicht in einer Wirtschaft arbeiten und mithelfen. Nie könnte ich wirten. Das wäre wirklich das Letzte, das ich tun möchte.» Und was ist passiert? Durch die Klosterherberge bin ich aus der Krankenpflege nun trotzdem irgendwie «ins Wirten» hineingerutscht. Dabei stelle ich zu meiner Überraschung fest, dass «Wirten» doch etwas ganz Schönes ist. Wirten, bewirten, die Leute bedienen und ihnen begegnen, das gefällt mir nun sehr gut. Ich freue mich immer, wenn ich für den Dienst im Klosterkafi eingeteilt werde. Es ist für mich eine sehr schöne Arbeit, für die ich dankbar bin. Sr. Franziska Biedermann Kürzlich ist mir an der Abwaschmaschine die Geschichte von Cäsar Ritz und seinen weltberühmten Ritz-Hotels eingefallen. Seine Gastgeber-Philosophie gefällt mir: «Dienen kommt vor Verdienen». Wenn ich an der Abwaschmaschine die Tellerbeigen vor mir sehe, dann denke ich, auch das ist ein Dienst. Er hilft mit, dass sich unsere Gäste bei uns wohlfühlen. Im Zentrum des Lebens von Cäsar Ritz stand die Freundschaft mit dem Gast. Darum tat er viele Dinge, die damals bahnbrechend waren. Er engagierte sich persönlich für seine Gäste: für Madame X ein Keilkissen, für Monsieur Y die Kirschenkonfitüre. In unserer Klosterherberge habe ich erlebt, wie wichtig diese kleinen Aufmerksamkeiten für die Gäste sind. Wenn Cäsar Ritz ein Hotel renovierte, rettete er hinüber, was Ambiance verschaffte. In der Klosterherberge finde ich auch solches: die messingfarbene Türklinke zum Klostersaal, die wir schon vor Jahrzehnten mit Sigolin putzten, die alte schwere Eichentüre, die Statue des heiligen Josef beim Eingang. Cäsar Ritz hat sein Leben als einfacher Küchenjunge aus dem Goms begonnen. Ich freue mich, dass ich auch als Siebzigjährige in der Klosterherberge noch einmal einen Anfang machen darf. Wer weiss!

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