Psychologische-theologische Antwort Bisher hat ein Lebenstraum Ihr Tun beflügelt, Ihre Energie hin auf ein bestimmtes Ziel gebündelt, Ihrem Leben Sinn gegeben. Die grosse Zukunftsvision aber ist geplatzt, das eigene Leben kann nicht mehr so weitergehen wie bis anhin. Sinn und Ziel dieses Lebens sind nicht mehr klar erkennbar. In einer solchen belastenden Situation können Ihnen die Erkenntnisse der Psychologie helfen, die Krise nicht nur zu bewältigen, sondern gestärkt aus ihr hervorzugehen. Trotz der jeweils individuell gearteten Reaktionen, haben Krisen nämlich einen ähnlichen Ablauf. Sie werden dadurch überschaubarer, auch wenn man auf unterschiedliche Weise die gleichen Phasen durchläuft und deren Abfolge nicht immer linear verläuft. Tröstlich ist: Man weiss, das oft chaotische Auf- und Ab der Gefühle ist Teil eines überschaubaren normalen Entwicklungsprozesses, und diesen kann man schaffen. Um sich selber orten zu können, ist es aber wichtig, den typischen Phasenablauf von Krisen zu kennen: • In einer Eingangsphase steht man oft unter Schock, ist wie gelähmt, fühlt sich als Opfer oder will das Ganze verdrängen. Es kann dauern, bis man bereit ist, sich der Realität zu stellen. • Nun können Phasen der aggressiven Auflehnung folgen, aber auch des Verhandelns und der Suche um Aufschub. • Erst in einer späteren Phase, jener der «Annahme», wird man fähig, die Komplexität der Zusammenhänge wahrzunehmen und auch Unabänderliches zu akzeptieren. Dabei wird oft erkannt, dass das Zerbrechen der Träume, die grosse Ent-täuschung, nicht nur Schmerz bedeuten kann. Ohne Täuschung wird klarer, was unabänderlich bleibt, was gerettet und weiterentwickelt werden kann und welche neuen Möglichkeiten sich durch die veränderten Konstellationen bieten. • Damit kann eine Phase der Kurskorrektur und Neuausrichtung beginnen: War ich auf einem Irrweg? Welches sind meine eigentlichen Bedürfnisse und Träume? Welche Ressourcen und Potentiale muss ich aktivieren, um meine neuen Lebensziele zu erreichen? Wie stehe ich zu meinem sozialen Umfeld und wie kann es zu konstruktivem Miteinander mit diesem kommen? • Die sich so eröffnenden alternativen Handlungsspielräume motivieren dann in einer nächsten Phase dazu, selbst aktiv zu werden. Man fokussiert sich auf neue Lebensziele und Träume und überwindet bisher ungelöste Probleme. So verändert sich die ursprünglich ausweglos scheinende Situation, neue Möglichkeiten eröffnen sich. • Sie weisen auf eine Zukunft, in der es gelingen kann, in einer letzten Phase nicht nur die eigenen Probleme zu bewältigen, sondern in solidarischer gegenseitiger Hilfe zu wachsen und Sinn zu finden. Wesentlich für den Erfolg eines solchen Prozesses sind verlässliche Ansprechpersonen, die nicht etwa die Probleme für uns lösen, sondern zu uns stehen. Für den gläubigen Christen, der an einen liebenden, verzeihenden und uns immer begleitenden Gott glaubt, erwächst aus diesem Glauben eine tragende und vertrauende Hoffnung, dass eine bessere Zukunft selbst über den Tod hinaus möglich sein wird.1 Mit den besten Wünschen für neue Lebensziele undTräume 1 Vgl. BLANK, C.: Kreative Lebensbewältigung in Zeiten des Umbruchs, Zürich, TVZ,2023, S. 124-150. Christiane Blank, Dr. theol., lic. phil., Dipl. psych., lehrte 25 Jahre lang als Professorin der Päpstlichen Theologischen Fakultät von São Paulo. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung neuer Kommunikationstechniken zur Konfliktbewältigung, um Strategien zur Überwindung psychosozialer Problemsituationen aufzuzeigen. 16 Mein Lebenstraum ist geplatzt! Wie gehe ich damit um?
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