Glauben & Beten 15 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Mein hörbehinderter Bruder absolvierte seine Schulzeit in der Sonderschule in Hohenrain. Dort wurde er von Ingenbohler Schwestern betreut. Die Gruppenschwester umsorgte 12 Buben. Oft besuchte ich meinen Bruder. Ich begann mich für diesen Beruf und das Leben als Ordensfrau zu interessieren. Während der Ausbildung zur Heimerzieherin spürte ich innerlich immer mehr den Ruf, meinen Lebens- und Glaubensweg im Kloster Baldegg zu wagen und beeinträchtigten Kindern in einem Heim Mutter-Ersatz zu sein. 1971 trat ich ins Kloster ein. Wo bist du daheim? Meine Wurzeln sind dort, wo ich aufgewachsen bin. Ich fühle mich auch dort daheim, wo ich angenommen und verstanden werde. Und ich bin in Gottes unendlicher Liebe und Barmherzigkeit daheim. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Als ich sechseinhalb Jahre alt war, kamen meine Zwillingsbrüder zur Welt. Und so hatte ich schon sechs Geschwister. Mutti hatte viel Arbeit, darum half ich wacker mit. Meine 15 Monate jüngere Schwester und ich durften die kleinen Brüder jeweils nach dem‹Schöppelen› auf dem Arm halten, wickeln und ins Bettchen legen. Das war mein Puppenspiel. So nahm ich früh Verantwortung für meine jüngeren Geschwister wahr. Es war ein Schock für die Familie, als einer der Zwillinge nach einer Krankheit nicht mehr richtig hören konnte und in die Sonderschule musste. Wir vermissten den Kleinen sehr. Wer ist dir Vorbild? Der Heilige Franz von Assisi. Er lebte in Einfachheit und Verbundenheit mit Gott. Er liebte die Menschen und die Vielfalt der ganzen Schöpfung. Wer lehrte dich glauben? Meine Eltern: Sie wussten sich abhängig von einer höheren Macht, und das Gebet fand im Alltag seinen Platz. Das übertrug sich auch auf mich. Im Religionsunterricht waren es aufgestellte, junge Priester, die mein Interesse für das Leben Jesu und für die biblischen Geschichten weckten. Welche Farbe hat dein Glaube? Grün: Es ist die Farbe der Hoffnung, der Zufriedenheit, des Wachsens und Gedeihens, des Lebens und des Neuwerdens (Auferstehung). Was bedeutet dir glauben? Ja-Sagen zu Jesus. Er hat uns Menschen die frohe Botschaft gebracht, dass Gott sein Vater und auch unser Vater ist und dass er uns liebt. In diesem Glauben darf ich ein Werkzeug seiner Liebe sein im Heute. Wer ist Gott für dich? Ja-Sagen zu Jesus. Er hat uns Menschen die frohe Botschaft gebracht, dass Gott sein Vater und auch unser Vater ist und dass er uns liebt. In diesem Glauben darf ich ein Werkzeug seiner Liebe sein im Heute. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Immer wieder erfahre ich, dass ich gerade zur richtigen Zeit zum richtigen Ort geführt werde, ein Geschenk der Gnade. Gibt es auch Zweifel? Ich vertraue voll auf die Geistkraft Gottes. Wie betest du? Im gemeinschaftlichen Beten schliesse ich die Not der Menschen ein. In der Meditation lasse ich mich von Jesus liebend anschauen, ich höre auf sein Wort. Durch das Verbunden-Sein mit ihm wird auch meine Arbeit zumGebet. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Ich bin aufgerufen, im Alltag bewusst Sorge zu tragen zur Um- und Mitwelt. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel . . . Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Die kleinen Dinge sind es, die das Leben ausmachen: ein Lächeln, ein freundliches Wort, ein gutes Gespräch, eine Umarmung. Seid dankbar! Sr. Claudia-Pia Steiner, 1948, aufgewachsen mit drei Schwestern und fünf Brüdern auf einem Bauernhof in Riedholz (SO). Kaufmännische Lehre, Ausbildung zur Heimerzieherin in Baldegg, Klostereintritt, 15 Jahre Einsatz als Sozialpädagogin bei sehbehinderten und blinden Kindern, 16 Jahre Schulsekretariat Baldegg, 18 Jahre Kursadministration und Buchhaltung der Stella Matutina in Hertenstein und seit 2024 Mitarbeit im Verwaltungsbereich des Klosters.
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