17 Soll ich jetzt einfach erzählen wie alles gegangen ist? Also ich bin in Willisau aufgewachsen. Nach der Schule entschloss ich mich Schreiner zu werden. Dann hatte ich schon bald das Gefühl, es gehe immer nur ums Rentieren. So bin ich auf die Idee gekommen, dass ich etwas mit Menschen zu tun haben möchte. Unser Gsellenpräses ist immer in die Oberwaid zum Kuren gegangen. Einmal hat er zu mir gesagt: «Du, Niklaus, ich hätte dir eine ganz gute Stelle, das wäre eine Lebensstelle für dich.» Ich bin dann nach St. Gallen gefahren. Dort sagte Schwester Kunigunda zu mir: «Wüsset Sie, Herr Vonarburg, Sie sind en Suubere. Wir bruchet in der Oberwaid unbedingt en suubere Therapeut.» Es gab halt damals schon allerhand für Masseure. Aber ich war ja noch Schreiner. Doch sie hatte sich bereits erkundigt wegen der Ausbildung. Ich musste noch ein Jahr warten und habe dann in Wörishofen in Deutschland Masseur gelernt. Aus Gutmütigkeit – so bin ich halt – habe ich nachher sofort mit der Arbeit begonnen in der Oberwaid. Die haben ja lange genug auf mich gewartet. Schon bald kam die Zeit, den Umbau zu planen. Das war für mich eine wahnsinnig schöne Zeit. Ich bin nämlich miteinbezogen worden in die ganze Planung der neuen Therapie. Ich durfte mehrmals mit nach Deutschland hinaus, um dort solche Einrichtungen anzuschauen. Während des Umbaus arbeitete ich in der Klinik Stephanshorn im Operationssaal. Als Hilfspfleger. Mit der Schwester im Ops hatte ich anfangs wahnsinnig Schwierigkeiten. Sie sagte immer wieder: «Jetzt habe ich das doch erklärt und jetzt haben Sie es wieder so gemacht.» Nach einem halben Jahr sagte sie dann, «Jetzt geht es». Dann ist es immer besser und besser gegangen. Schliesslich sagte sie zu mir: «Herr Vonarburg, überlegen Sie sich gut, ob sie wirklich wieder in die Oberwaid zurückgehen wollen.» Ich musste doch keine Sekunde überlegen. Ah, das wollte ich noch sagen: Nach dem Umbau hatten wir in der Oberwaid die schönste Therapie weit herum. Ich muss ehrlich sagen, mit den Baldegger Schwestern hier habe ich die ganzen 34 Jahre nie Differenzen gehabt. Bis heute nicht. Mit keiner. Ich habe nie eine gehabt, bei der ich gesagt habe, der gehe ich aus dem Weg. Ich habe immer versucht, alle gleich zu nehmen und mit allen gleich freundlich zu sein. Ich darf sagen, es hat mir immer ganz, ganz gut gefallen in der Oberwaid. Klar, der Weg nach Willisau zu meinen Eltern war immer etwas weit. Hier könnte ich noch etwas erzählen von meiner Mutter. Soll ich? Bei ihr waren vierzehn Kinder, zwei ihrer Brüder waren Pfarrer. Als ich noch jung war, hat sie etwa zu mir gesagt: «Chläus» – sie hat immer Chläus zu mir gesagt – «gäll, du wirst einmal Pfarrer.» Das bin ich aber dann nicht geworden. Sie ist dann hie und da nach St. Gallen gekommen und einmal hat sie zu mir gesagt: «Du, Chläus, jetzt habe ich gesehen, dass du hier mehr leisten kannst als ein Pfarrer.» Das hat mir dann schon ganz grosse Freude gemacht! Ich bin gewohnt zu arbeiten. Und ich habe mich auch eingesetzt. Wir hatten es immer gut im Team. Das Positive an mir ist eigentlich, dass ich jeden Morgen gern zur Arbeit gehe. Ich habe nie einen Lätsch gemacht und gesagt: «O, jetzt muess ich auch no go schaffe!» Ich habe immer eine gute Beziehung zu den Gästen gehabt. Man kennt mich halt hier. Es gab Patientinnen und Patienten, die kamen nur in die Oberwaid, wenn sie wussten, dass ich da bin. Das hat mich immer unheimlich motiviert. Ich habe von Natur aus ein frohes Gemüt und bin auch nicht einer, der aufbraust. Es bringt ja auch nichts, wenn ich auf Konfrontation gehe. Das würde den Gast nur ärgern. Ich versuche ruhig zu bleiben und zu denken, der Gast hat recht. Aber wenn er behaupten würde, der Vonarburg kommt immer zu spät, dann würde ich mich schon wehren. Aber sonst, wenn es Bagatellen sind, lohnt es sich nicht. Ich bin ein sehr geduldiger Mensch, manchmal viel zu geduldig. Ich bin halt auch etwas weich vom Gefühl her. Ich könnte es nicht unbedingt zeigen, wenn in mir etwas brodelt. Ich bin aber auch nicht der, der alles abeschluckt. Sicher nicht. Ich kann mir vorstellen, dass nach dem Neubau in der Oberwaid alles anders sein wird. Meine Zukunft ist also offen. Ich möchte weiterhin mit Patienten zu tun haben. Aber in meinem Alter ist es nicht so leicht etwas zu finden. Irgendwo wird dann schon ein Türli für mich aufgehen. Ich habe keine schlaflosen Nächte deswegen. Ein bisschen habe ich schon herumgeschaut. Aber jetzt muss ich dann wirklich dahinter. jobs. Niklaus Vonarburg ist ein sehr geduldiger Mensch jobs@baldeggerschwestern.ch
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