10 Sorge tragen zur Oberwaid baldegger kurhäuser Sr. Marie-Ruth Ziegler, Baldegg Wenn Leute bei einem Apéro stehen, sieht das auf der ganzen Welt ziemlich ähnlich aus: heiter gestimmte Menschen stossen die Gläser aneinander und wünschen sich Prosit! Fotos von einem Apéro sind darum meist launige Schnappschüsse, hie und da gibt’s darunter sogar einen Volltreffer. Solche Bilder geben Stimmungen wieder, den überraschten Blick eines unverhofften Wiedersehens, das helle Klirren der Gläser, das Gedränge vor dem wunderschön arrangierten und köstlichen Buffet oder das verlorene Herumstehen des einen oder andern Gastes. Solche Szenen zeichnen den Apéro der Normalklasse aus. So betrachtet sind auch unsere Fotos vom Apéro am 21. Mai 2007 im Kurhaus Oberwaid nichts Besonderes. Wenn man hingegen den Grund zum Anstossen kennt, verlieren diese Bilder sofort ihre langweilige Gewöhnlichkeit. Denn eine halbe Stunde vor dem Anstossen sassen die rund siebzig Leute in eigenartig dumpfer Stimmung im Fernsehraum des Kurhauses Oberwaid. Kurzfristig waren sie alle zu einer Personalinformation zusammengerufen worden. Die ungewohnte Art der Einladung liess den Spekulationen freien Lauf. Die Spannung wuchs von Stunde zu Stunde und bis zum späten Nachmittag sättigte sie buchstäblich die Luft: «Was wird uns wohl mitgeteilt? Wird die Oberwaid verkauft? Verliere ich meinen Job? Ob es wohl um die Zukunft des Kurhauses geht bei dieser Personalinformation?» So etwa wurde gerätselt. Die Verunsicherung war den Mitarbeitenden aus den Gesichtern zu lesen. Ängstliche Erwartung füllte den Raum. Verstohlen flüsterte man sich noch die eine und andere Bemerkung zu. Oder tuschelte verlegen, erkundigte sich bei der Kollegin, wer die Leute sind, die vorne am Tisch Platz genommen hatten oder für wen wohl die Blumenbouquets bestimmt sein könnten, die so schön arrangiert den Raum schmückten. Irgendwie wollten die drückende Stimmung und der festliche Blumenschmuck nicht zueinander passen. Endlich war es so weit: Schwester Zita und ich informierten die Mitarbeitenden des Kurhauses über den an diesem Tag stattgefundenen Verkauf der Oberwaid in St. Gallen. Wir erläuterten einmal mehr, warum das Kloster Baldegg seit Jahren nach einer neuen Trägerschaft Ausschau gehalten hat. Die ordensinterne Situation mit dem Fehlen von Neueintritten und dem Älterwerden der Schwestern sind sicher Gründe dafür. Daneben gibt es viele andere: die veränderten gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die Forderungen und Entscheide der Krankenkassen, die stete Entwicklung in Medizin und Therapie als wachsende Herausforderung für den Kurbetrieb, die nötigen Investitionen. Last but not least sind es auch die Gäste. Auch sie haben sich in den vergangenen Jahrzehnten merklich verändert. Die Gäste kommen im Durchschnitt älter, gebrechlicher und in ihrer Mobilität eingeschränkter ins Kurhaus Oberwaid. Dies alles ruft nach innovativen Konzepten, nach unverbrauchten Kräften, nach mutigem Erneuern. Mit diesen Hinweisen versuchten wir den Mitarbeitenden, und eine Stunde später auch den Gästen, zu erklären, warum wir Baldegger Schwestern seit Jahren nach einer guten, nachhaltigen und langfristigen Lösung für das Kurhaus Oberwaid gesucht haben. Für die Schwestern und Mitarbeitenden war diese Phase des Suchens nicht leicht. Es war eine Zeit der Einübung in das Vertrauen auf die Göttliche Vorsehung. Es freute Schwester Zita und mich sehr, den versammelten Mitarbeitenden sagen zu dürfen, dass die Vorsehung uns eine ausgezeichnete Zukunftslösung geschenkt hat. Das Ehepaar Gabi und Heinrich Thorbecke aus St. Gallen erfüllt nämlich die Wunschkriterien der Klosterleitung: Alle Mitarbeitenden behalten ihren Arbeitsplatz. Das Kurhaus Oberwaid bleibt auch in Zukunft eine private Institution im St. Gallischen Gesundheitswesen. Die traditionsreiche Geschichte des Kurhauses Oberwaid wird weiter geschrieben. Und es werden auch
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