10 Tod Williams ist vom Flughafen direkt ins Seetal gekommen, um den Bau von Marcel Breuer kennenzulernen. Er lebt in New York, hat international bedeutende Bauten realisiert wie die Barnes Collection und die Obama Library. Mit dem Architekten Marcel Breuer verbindet ihn Bewunderung, und er hat mit wichtigen Mitarbeitern des ungarisch-amerikanischen Architekten zusammengearbeitet. Zuerst wollten wir von Tod Williams wissen, wie er das «Gehen und Kommen» in seiner Reise vom geschäftigen New York ins Kloster Baldegg erlebt. Der 81-Jährige antwortet: «Ich habe die Reise schon vergessen, bin zwar etwas müde, aber ich erlebe hier eine so friedvolle und ruhige Atmosphäre, dass ich am liebsten bleiben würde.» Besonders beeindruckt ihn die Offenheit des Klosters und die Verbindung mit der Natur: «Es gibt Architekten wie meinen ersten Lehrmeister Richard Meyer, die verstehen Architektur als eine Skulptur, die man irgendwo auf den Boden setzt. Bei Marcel Breuer ist das ganz anders, er verbindet das Kloster mit der Umgebung, und er verwandelt dadurch das Innen in Aussen und das Aussen in Innen.» Besonders deutlich sieht er das bei den vier Innenhöfen, die den Bau von Marcel Breuer charakterisieren: «Diese Innenhöfe sind so wunderbar in ihrer Verbundenheit mit der Natur.» Überall im Kloster blickt man durch die grossen Fenster in diese Höfe hinein, die sich im Wandel der Jahreszeiten verändern. «Die Schwestern fühlen sich hier wohl, das ist deutlich spürbar. Das Zusammenspiel zwischen ihnen und der Architektur ihres Klosters ist sehr frei. Breuer kontrolliert die Beziehung zwischen Mensch und Natur im Gebäude nicht. Und ich bin zutiefst überzeugt, dass er sehr genau auf die Schwestern gehört und deren Bedürfnisse respektiert hat. Breuer war ein Architekt, der Probleme lösen und nicht seinen eigenen Stil durchsetzen wollte. Er wollte hier nicht mit einem ungewöhnlichen Bau auffallen, sondern er wollte dieses aussergewöhnliche Kloster «gewöhnlich» machen. So wird es zu einem lebendigen Instrument und zum Beispiel dafür, wie wir unser Leben einfach führen sollten.» Bei der Führung mit Sr. Boriska Winiger durch das Gebäude staunt er immer wieder über die Qualität des Baus, der Materialien, die handwerkliche Qualität der Ausführung und der Möbel. Er sieht im Mutterhaus des Klosters Baldegg einen Bau, der den Weg Marcel Breuers aus Europa nach Amerika und wieder zurück spiegelt: «Dieses Kloster muss für Breuer die Chance gewesen sein, zu seiner Vergangenheit als Handwerker zurückzukommen und diese mit seinem Wissen als amerikanischer Architekt zu verbinden, der viele Grossprojekte realisiert hat.» Für Tod Williams ist klar: «Dieses herausragende Kloster hat als Bau eine globale Bedeutung, und ich habe hier auch für meine Zukunft und meine eigene Arbeit Neues gelernt.» Gabriela Christen, Johannes Käferstein, Heike Biechteler Baldegg – New York retour: Der amerikanische Architekt Tod Williams Wir haben den amerikanischen Architekten Tod Williams ins Kloster Baldegg eingeladen, um mit ihm ein Gespräch zum Bau von Marcel Breuer zu führen. Sein amerikanischer Blick wird in die Publikation «Im Kloster Baldegg – Klösterliches Leben in einem Bau von Marcel Breuer» einfliessen, die im November 2024 erscheint. Johannes Käferstein und Tod Williams im Besucherhof Kloster Baldegg
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