baldeggerjournal

5 mrz: Diese Reaktion ist ein riesiges Kompliment für deine Instagram Beiträge! Denkst du, dass es bei dieser Resonanz um echtes Interesse am Klosteralltag geht? Oder ist es nicht einfach so, dass man halt gerne ins «Wohnzimmer» anderer Leute guckt? Sr. Karin: Das ist eine spannende Frage! Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Natürlich gibt es eine gewisse Neugierde. Und ein Kloster wirkt auf viele wie eine fremde, faszinierende Welt. Aber ich glaube fest daran, wenn die Menschen einmal «im Wohnzimmer» sind, bleiben sie wegen der Atmosphäre hängen. In einer Welt, die oft sehr laut, hektisch und oberflächlich ist, strahlen unsere Reels eine Ruhe und Sinnhaftigkeit aus. Die Menschen spüren, dass wir das, was wir tun, mit einer inneren Hingabe machen. Das ist mehr als nur Neugierde. Es ist vielleicht eine Sehnsucht nach Echtheit. mrz: Welche Gedanken leiten dich beim Erstellen eines Beitrags? Sr. Karin: Es gibt kein Marketing-Handbuch bei uns. Wenn ich filmen gehe, leiten mich zwei Dinge: 1. Authentizität: Ich inszeniere nichts. Ich zeige das Kloster so, wie es ist. Wenn eine Schwester lacht oder konzentriert arbeitet, dann ist das echt. 2. Die Liebe zum Detail: Ich versuche, die kleinen Wunder des Alltags einzufangen. Das sorgfältige Einpacken der Ostereier, das Licht in der Kapelle, die Handgriffe in den Handwerkstätten. Mein Leitgedanke ist: «Gott im Alltag finden.» Wenn ein kurzer Reel es schafft, dass jemand für 30 Sekunden innehält und ein Lächeln im Gesicht hat, dann hat der Beitrag seinen Zweck erfüllt. mrz: Hast du persönlich den Eindruck, nun richtig in dieser Social Media Welt angekommen zu sein? Sr. Karin: Ich würde sagen: Ich bin unterwegs. Social Media verändert sich ständig, und ich lerne jeden Tag dazu. Aber ich fühle mich inzwischen nicht mehr so fremd dort. Es ist ein Ort geworden, an dem wir Baldegger Schwestern auch präsent sein können. Die sozialen Medien sind für mich ein Werkzeug, nicht mein Lebensinhalt. Aber ja, ich geniesse es sehr, diese Brücke zwischen unserer Tradition und der modernen Welt zu schlagen. Und wenn uns dabei mehr als 14 Millionen Menschen über die Schulter schauen, dann sage ich einfach: «Danke, lieber Gott, für diese Reichweite!»

RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=