baldeggerjournal

11 Christa Wandeler-Wey, Beromünster Zu Besuch im Kloster Schon auf der Hinfahrt aus dem Michelsamt über den Lindenberg ins Seetal lasse ich die Hektik des Alltags langsam hinter mir. Beim Anblick des in der Abendsonne schimmernden Baldeggersees werden meine Gedanken ruhig und schweifen in die Vergangenheit. Während meiner Jahre im Kindergartenseminar war es jeweils am Sonntagabend Zeit, um in die Internatsschule der Baldegger Schwestern zurückzukehren. Damals ist es uns jungen Frauen nicht immer leichtgefallen, das volle Leben des Wochenendes hinter uns zu lassen und uns auf den geregelten Alltag der Klosterschule einzustellen. Heute lockt mich die wohltuende Ruhe regelmässig zurück nach Baldegg. Es ist der 22. Tag des Monats – Zeit für das Taizé-Nachtgebet. Mein Weg führt an der ehemaligen Internatsschule vorbei, hoch zum Mutterhaus. Warm und freundlich leuchten die Gebäude des Klosters im Abendlicht. Ebenso die Gesichter der Schwestern, die mich am Eingang aufmerksam begrüssen. Ich fühle mich willkommen. Die wohlwollende Atmosphäre fühlt sich vertraut an. Schritt für Schritt führt der Weg Richtung Kapelle in die Stille. Vollkommen umfangen von diesem stillen Frieden werde ich beim Eintreten in die Mutterhauskapelle. Das Licht unzähliger Kerzen erleuchtet das Gotteshaus. Die goldene Altarwand heiligt mit ihrem besonderen Strahlen den schlichten Sakralraum. Die Bankreihen füllen sich, eine erwartungsfrohe Gemeinschaft kommt zusammen. Viele suchen wie ich regelmässig diese einfache Form des Gottesdienstes, die in der Communauté de Taizé ihren Ursprung hat. Mir gefällt, dass in einem gleichwertigen Miteinander gefeiert wird. Niemand steht der Liturgie in einer exklusiven Rolle vor. Das göttliche Gold der Altarwand ist in seiner ganzen Weite uns allen in gleichem Masse zugewandt. Was würde besser in die geschwisterliche Spiritualität des Baldegger Klosters passen? Hier habe ich als junge Seminaristin eine selbstbewusste und eigenständige Frauengemeinschaft erlebt, die mich auch spirituell geprägt hat. Getragen wird das Taizé-Gebet durch die bekannten Gesänge, die ein hauseigenes Ensemble musikalisch untermalt. Die Lieder erklingen zuerst zaghaft, gewinnen in der vielfachen Wiederholung langsam an Kraft. Aufmerksam aufeinander hören, sich einstimmen in den Chor, die versammelten Stimmen zu einem mehrstimmigen Ganzen werden lassen und als gemeinsames Gebet vor Gott bringen – die Schlichtheit des Gottesdienstes ergreift mich. Die sorgsam ausgewählten und durch Schwestern vorgetragenen Gebete und Worte aus der Heiligen Schrift tragen bei zur Innigkeit der Feier. Eine lichtvolle Stimmung erfüllt die Mutterhauskapelle und die Mitfeiernden. Die berührenden Lieder klingen noch lange im Innersten nach. Ich beschliesse den Abend in stiller Zufriedenheit. Es bleibt der hoffende Wunsch, dass die im Taizé-Gebet erlebte geschwisterliche Spiritualität des Klosters Baldegg spürbar in die Gemeinschaft der Pfarreien, in unsere christliche Kirche ausstrahlen wird.

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