baldeggerjournal

Psalmen Lassen, weglassen, überlassen, verlassen, unterlassen, zulassen, entlassen, auslassen, beiseitelassen, sich einlassen und loslassen – all das kann mir Angst machen und ist doch zugleich mein erster Schritt in die Freiheit. Diese Erfahrung macht das Volk Israel. Aber es ist ein langer Weg und der beginnt mit Mose. sich ein-lassen Der Weg beginnt mit einem brennenden Dornbusch. Ein Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt. Mose schaut genau hin und beobachtet, dass da etwas anders ist als sonst. Er spürt, dass da mehr dahinterstecken muss, als das, was er auf den ersten Blick sieht. So kommt es zur Begegnung zwischen Gott und Mose. Gott spricht mit ihm. Lässt ihn erkennen, was er mit ihm vorhat. Gibt ihm einen Auftrag, schenkt ihm eine Vision. Und das verändert alles. Nichts ist mehr so wie vorher. Aus dem Hirten mit Vorstrafe wird einer, der sein Volk in die Freiheit führen soll. Aber dazu muss Mose sich auf Gott ein-lassen, denn es ist ein Auftrag, der eigentlich seine Kräfte und Möglichkeiten übersteigt: Mose soll das Volk Israel aus der Knechtschaft Ägyptens herausführen. Er hat viele Einwände, er bringt seine Zweifel und seine Unfähigkeiten deutlich zur Sprache. Gott aber gibt nicht nach, er verspricht ihm seine Hilfe und nennt ihm seinen Namen: «Ich werde da sein!» Im Vertrauen auf diesen Namen lässt sich Mose auf Gott ein und wird bereit, diesen übermenschlichen Auftrag auszuführen. los-lassen Nach vielen Schwierigkeiten seitens des Pharao verlässt das Volk Israel Ägypten. So berichtet uns Psalm 114. «Als Israel aus Ägypten auszog, * das Haus Jakob aus dem Volk mit fremder Sprache,» Psalm 114,1 Israel lässt die Sklaverei, das Lebensbedrohliche, die Unheilssituation los. Auf einem Weg, den niemand sich vorstellen kann, entkommt es endgültig der Sklaverei. Und doch muss das Volk nach der Befreiung aus der Sklaverei lernen, Ägypten loszulassen, um ins verheissene Land zu gelangen. Aber so einfach ist das nicht. Die Flucht scheint zu scheitern. Von hinten rücken die Truppen des Pharao heran, vor ihnen liegt das Wasser, in dem alles unterzugehen droht, worauf sie vertraut und sich verlassen und eingelassen haben. Da greift Gott ein und rettet, denn er ist ein Gott, «der da ist». «Das Meer sah es und flüchtete» Ps 114,3 Aber der Weg geht weiter durch die Wüste und führt von einer Vertrauenskrise zur andern. Das Volk hat Angst umzukommen, weil ihm das Nötigste fehlt. Es sehnt sich zurück nach den «Fleischtöpfen Ägyptens». Los-lassen ist nicht einfach. Immer wieder stellt sich die Frage, ob Mose wirklich derjenige sei, der es anführen soll. Und noch schwieriger wird es, weil der Gott, auf den es sich eingelassen hat, sich nicht fassen lässt. Doch Israel erfährt immer wieder neu die Zuwendung dieses Gottes. Er schickt ihnen das Manna, Brot vom Himmel, es regnet Wachteln und Wasser fliesst aus dem Felsen. Vor allem aber schenkt er ihnen das Gesetz, eine Anleitung dafür, wie sie sich im verheissenen Land zu verhalten haben. «…da wurde Juda Gottes Heiligtum, * Israel das Gebiet seiner Herrschaft.» Ps 114,2 So gibt ihnen Gott jeden Tag neu, was sie zum Leben brauchen und sie erfahren, Gott ist da, wo sein Wille erfüllt wird. Je länger sie unterwegs sind spüren sie, dass das sich Einlassen auf diesen Gott das Loslassen leichter macht. ein-lassen und los-lassen Und da zeigt sich auch, wer der Gott, auf den sie sich einlassen und für den sie alles loslassen, in Wahrheit ist, er der heisst: «Ich werde da sein!» So ist es verständlich, dass in unserem Psalm alles hüpft und tanzt. Es ist Ausdruck der Freude darüber sich ein-gelassen und los-gelassen zu haben. «Vor dem Angesicht des Herrn tanze, du Erde, * vor dem Angesicht des Gottes Jakobs.» Ps 114,7 Sich ein-lassen ermöglicht los-lassen 13 Sr. Renata Geiger, Baldegg

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