baldeggerjournal

5 Gesellschaft kein Bedürfnis verspürt, diese Praktiken zu lernen, dann ist es schwierig. Die Suche nach Spiritualität und Meditation findet heutzutage häufig in fernöstlicher Meditation oder Yoga statt, und richtet sich eher auf das Ferne als das Nahe. Wenn ich Menschen erzähle, dass wir ähnliche Formen der Meditation im Buddhismus wie im Christentum haben, staunen sie. Und ich stelle fest, dass etliche Menschen auch über den Weg in die Ferne wieder zu unseren westlichen Praktiken zurückkommen.» Zum Schluss unseres Gesprächs kommen wir auf das Generalkapitel im Kloster Baldegg zu sprechen, den Anlass, warum Sr. Gabriele in Baldegg ist. Was bedeutet dieser klösterliche Rhythmus von sechs Jahren und wie gehen die Baldegger Schwestern dieses Innehalten und Neuplanen an? Sr. Gabriele ist erstaunt über die Vitalität der Ordensgemeinschaft, die trotz dem teils hohen Alter Kraft und Energie findet, um ihr Leben zu gestalten und sich den grundlegenden Fragen des Gemeinschaftslebens zu stellen: «Die Schwestern sind weder langsam noch eingerostet. Auch wenn sie teilweise mit dem Rollator fahren, sind sie im Geist flexibel und stellen sich den Fragen: Was ist gut für uns, wie verstehen wir unsere Weisungen, wie können wir diese in die Zukunft übersetzen? Diese Kultur des Innehaltens und des Nachdenkens macht sie fähig, sich über die notwendigen Veränderungen auszutauschen und diese anzugehen.» Die Geschwindigkeit im Kloster und in der Gesellschaft sind dabei für Sr. Gabriele nicht die gleichen: «In einer Gemeinschaft wie einem Kloster zu leben, hält jung und beweglich. Das Ordensleben und das Gemeinschaftsleben haben etwas Forderndes und halten fit bis ins hohe Alter. Mich überrascht immer wieder, wie überlegt und geistig wendig die Schwestern miteinander diskutieren. Wir sind da mit einer guten Geschwindigkeit unterwegs, weil alle aufeinander achten und sich anpassen.» Das Generalkapitel dauert fast zwei Wochen, es ist ein aufwändiger Prozess, der die grossen Glaubensfragen, aber auch Fragen der Zukunftsplanung aufwirft. Es ist der Raum, in dem die Spiritualität und das Ordenslebens hinterfragt und durchdacht werden, die das alltägliche und das geistliche Leben prägen: «Das Gute als Gemeinschaft in die Welt zu tragen. Das ist das Wichtige am Generalkapitel als geistlicher Prozess. Gott in die Welt tragen durch mein Leben und mein Handeln. Im Kapitel reibt man sich aneinander, es geht aber nicht um Geld und Macht, es geht nicht um den Sieg einer Partei oder um Ansehen, sondern um das Gute.» Wie kann man sagen, dass ein Generalkapitel gelingt, frage ich zum Abschluss unseres Gesprächs. Das spürt man einfach, sagt Sr. Gabriele: «Über alle Differenzen hinweg versucht jede Schwester sich so einzubringen, dass das Gemeinschafts- und das Ordensleben in den nächsten sechs Jahren gut weitergehen kann. Da spielt es keine Rolle, wenn man mit unterschiedlichen Perspektiven ins Generalkapitel kommt, der Austausch und das gemeinsame Finden von Lösungen sind wichtig. Und man merkt am Schluss, dass Zufriedenheit und Frieden im Raum sind.» Gabriela Christen

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