7 Nicolò Paganini, Nationalrat, Abtwil SG Mit Freizeitinseln gegen den Stress Wenn das Redaktionsteam des Baldegger Journals vermutet, dass die Balance zwischen Beschleunigen und Innehalten gerade für Mitglieder des Eidgenössischen Parlaments eine besondere Herausforderung darstellt, so liegt es damit richtig. Das schweizerische politische System ist ja theoretisch auf den Milizgedanken hin ausgerichtet: Jedes Parlamentsmitglied übt sein Mandat neben einer hauptberuflichen Tätigkeit aus. Aber eben, das ist graue Theorie und hat mit der Wirklichkeit nicht mehr viel zu tun. Die Parlamentsarbeit ergibt, je nachdem, in wie vielen Kommissionen man Einsitz hat, bestimmt ein Pensum im Umfang von 50 bis 60 Prozent. Dazu kommen die Arbeit in verschiedenen Parteigremien, die Wahlkampagnen oder auch die dauernde Verfügbarkeit für die Medien. Persönlich musste ich 2019 nach eineinhalb Jahren Zugehörigkeit zum Nationalrat erkennen, dass eine volle operative Tätigkeit als Führungsperson in einem Unternehmen neben dem politischen Mandat nicht möglich ist. So habe ich jetzt Aufgaben übernommen, in denen ich als Verbandspräsident oder Mitglied eines Verwaltungsrats strategisch führen kann. Bei mir liegt der Schlüssel für die Balance zwischen Stress und Erholung in einer guten Planung auf ein bis zwei Jahre hinaus. Das gilt für die Planung der Freizeit genauso wie für die Sitzungen der verschiedenen Gremien. Je mehr ich zum Beispiel Sitzungen der Verbände am gleichen Tag in Bern abhalten kann, desto weniger Reisezeit benötige ich und desto mehr freie Zeitfenster ergeben sich vorher oder nachher. Während einer Session gibt es keine Erholung, sind die Tage vollgepfercht mit Terminen. Umso wichtiger ist es, nach den Sessionen freie Tage einzuplanen, um mich zu erholen und um den Austausch nicht nur mit der Familie, sondern auch mit Freundinnen und Freunden zu pflegen. All dies droht wegen der häufigen Aufenthalte in Bern nämlich zu kurz zu kommen. Wenn ich diese Ferien- oder Freizeitinseln nicht rechtzeitig plane, kommen sie am Schluss auch nicht zustande, weil die Agenda bereits wieder voll ist. Es mag unromantisch klingen, aber bei mir steht schon mal «Katrin» in der Agenda, und dann ist diese Zeit auch wirklich für mich und meine Frau reserviert. Für das Abschalten in den Zeiten dieser «Inseln» helfen mir schon kleine Freuden: Ein gutes Gespräch bei einem kühlen Bier mit einem langjährigen Freund, eine Wanderung mit meiner Frau, ein sonntägliches Essen mit meinen Kindern, ein Skitag in den Bergen, einige Stunden Vertiefung in ein gutes Buch. Je älter ich werde, desto mehr achte ich darauf, genügend zu schlafen. Das fällt mir in der betriebsamen Hektik der Bundesstadt natürlich schwerer als zuhause in der Ostschweiz oder gar in den Ferien in den Schweizer Alpen. In wenigen Wochen werde ich meinen 57. Geburtstag feiern können. Mir bleiben also noch acht bis zehn berufliche «Vollgas-Jahre». Diese möchte ich nutzen, um in all meinen Engagements etwas zu bewegen: für die Schweiz, für die Verbände und für die Unternehmen, in denen ich engagiert bin. Mit meinen «Freizeitinseln» möchte ich für eine Einteilung meiner Kräfte sorgen, so dass ich dann auch im nächsten Lebensabschnitt fit bin für ehrenamtliche Engagements und den Genuss all dessen, was das Leben dann hoffentlich für mich noch bereithält.
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