baldeggerjournal

Psalmen Erinnern Sie sich an diesen sehr alten Werbeslogan? Er weist uns darauf hin, dass Stress und Entspannung, Beschleunigen und Innehalten, keine Fragen ausschliesslich von heute sind, sondern schon vor über hundert Jahren ein Thema waren. Die Werbemacher von damals benützten das Wissen um die Notwendigkeit, ab und zu herunterzufahren, Pause zu machen, innezuhalten, um nachher wieder zu beschleunigen – oder wie es in der Werbung heisst «mit neuem Schwung weiterzumachen.» Diese Balance zwischen Beschleunigen und Innehalten, weg von dem ständigen «zu viel, zu schnell und zu laut», ist offenbar ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Schon vor mehr als 2000 Jahren erzählen Psalmensänger von gleichen Erfahrungen. Sie berichten von Stresssituationen, von Druck, Konflikten, Ungerechtigkeiten und feindlichen Angriffen. Schauen wir auf einen Ausschnitt aus Psalm 62. Da erleben wir zuerst einmal Stress pur. «Wie lange rennt ihr an gegen einen Einzelnen, / stürmt alle heran wie gegen eine fallende Wand, * wie gegen eine Mauer, die einstürzt? Ja, sie planen, ihn von seiner Höhe zu stürzen; * Lügen ist ihre Lust. Sie segnen mit ihrem Mund, * doch in ihrem Herzen fluchen sie.» Ps 62,4-5 Der Psalmbeter ist aufgeregt, sein Puls beschleunigt sich und er spricht deutliche Worte. Alles, was ihn stresst, was ihn unruhig macht, aber auch alles, was er an Unwahrhaftigkeit und Falschheit erlebt, wirft er Gott hin. Er lässt zu, was in ihm ist an Angst, aber auch an Wut. Er findet Worte für seine Gefühle und Gedanken. Die rissige Mauer ist ein Bild für das Leben selbst, seine Brüchigkeit und Zerbrechlichkeit. Solange alles gut läuft, beschleunigen wir immer mehr. Doch dann kommt wie aus dem Nichts ein Unheil und alles gerät ins Wanken. Das Leben bekommt Risse. In einem eindrücklichen Bild beschreibt der Beter seine Ängste und Gefühle. Seine Sicherheit bröckelt wie eine Mauer, die vom Ansturm der Feinde tiefe Risse bekommt und einzustürzen droht. Und dann steht da, unerwartet, mitten in der Klage, das kleine hebräische Wort Sela. Seine Bedeutung ist bis heute ein Rätsel. Die Exegeten sind sich nicht einig, was es wirklich aussagt. Es könnte an eine musikalische Pause, eine Denkpause erinnern oder es ist einfach eine Einladung sich zu besinnen. Auf jeden Fall zwingt es den Beter zum Innehalten. Ich nehme an, dass der Psalmist selbst es verstanden und nachgedacht hat. Was wirklich geschehen ist, wissen wir nicht. Wir erfahren nur, dass sich durch das Innehalten im Beter etwas verändert hat, denn er fährt mit folgenden Worten weiter: «Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; * denn von ihm kommt meine Hoffnung. Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; * darum werde ich nicht wanken.» Ps 62, 6-7 Die Pause beim Sela lässt den Psalmisten zu sich kommen. Dieses Innehalten hat seine Sicht verändert. Er schaut nicht mehr auf seine Feinde, die mächtig sind, aber auch nicht mehr auf sich selbst, auf seine Schwäche, seine Ängste und auf seine Unruhe. Sein Blick fällt auf Gott. Er fühlt sich bei Gott geborgen. Seine Seele kommt bei ihm zur Ruhe. Er ist zuversichtlich. Wer zuversichtlich ist, vertraut darauf, dass Gott ihn hört und auf seiner Seite steht. Er ist tief in seinem Inneren davon überzeugt, dass es Veränderungen zum Guten geben wird: «Er wird nicht mehr wanken.» Innehalten verändert so vieles, damals und heute. Warum anrennen? Sela innehalten zur Ruhe kommen auf Gott vertrauen! «Mach mal Pause – Coca Cola!» 13 Sr. Renata Geiger, Baldegg

RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=