Ein Permakultur-Garten in Hertenstein 9 Seit Frühjahr 2024 befindet sich der Garten der Stella Matutina in Hertenstein «under construction». Unter der Leitung von Etel Keller, Agronomin ETH, Permakultur Designerin i.A. und Vorstandsmitglied des Vereins Permakultur-Landwirtschaft und der Mitarbeit von Freiwilligen entstand aus dem bereits etwas verwilderten Garten ein kleines Paradies. (mrz) Mit Freiwilligen aus Weggis hast du die Verantwortung für die Neubewirtschaftung des Gartens übernommen. Welche Ziele hast du dir bezüglich der Permakultur gesetzt? Tatsächlich wusste ich damals nicht, mit welchen Leuten ich eine Gartengruppe bilden kann. Die Halbinsel ist ja nicht gerade im Dorfzentrum. Insgesamt hat sich die Gruppe jedoch auf fast eine ideale Weise zusammengefügt und man ergänzt sich mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen. Wir geniessen die Arbeit im Garten und natürlich auch das Entspannen. Der Badeplatz ist der Lohn: wer hier arbeitet, darf unten baden gehen. Selbst habe ich mir erträumt, dass sich die Biodiversität erhöht und ein Garten entsteht, der nicht nur Gemüse produziert, sondern auch Blumen hervorbringt. Ich hoffte sehr, dass es hier Mäusewiesel, Dachs und Fuchs geben wird. Inzwischen haben wir nicht nur sie, sondern bereits Mauersegler, die regelmässig vorbeischauen, ebenso wurden Stieglitze, Blaumeisen, Zaunkönige und der Gartenrotschwanz gesichtet. Schnecken haben wir übrigens auch, zu Beginn in rauen Mengen. Du bringst Fachwissen und viel Erfahrung mit: Kann mit der Permakultur nur erfolgreich sein, wer diese Anbauweise studiert hat? In der Schweiz hat die Permakultur im Bereich der essbaren Gärten bereits eine gute Erfolgsgeschichte. Um Permakultur in der Landwirtschaft erfolgreich anzuwenden, braucht es aber darüber hinaus schon eine agronomische Grundbildung. Denn Landwirtschaft bedeutet Betriebsplanung, Bodenaufbau und die Zusammenstellung konkreter Pflanzengesellschaften. Gärten können organisch wachsen, Landwirtschaft braucht Strukturen, langjähriges Anbauen, Hegen und Pflegen mit dosiertem Einsatz von Maschinen, aber vor allem auch mit Manpower. So wirft Permakultur Ertrag ab. Ich habe Gärten und kleine Bauernbetriebe gesehen, die wahnsinnig komplexe Systeme sind und die einen Ertrag abwerfen, über den ich nur staunen konnte. Warum ist die Permakultur Bestandteil des geplanten «Haus der Zukunft»? Die Selbstversorgung des Hauses der Zukunft mit Salat, Gemüse, Kräutern, Beeren und Obst ist sinnvoll und machbar. Es kann ja nicht das Ziel sein, hier Getreide anzupflanzen. Und mit drei bis vier Hektaren Land könnte man als Alternative lediglich zwei, drei Kühe ernähren. Im Haus der Zukunft sollen darüber hinaus aber auch ganz konkrete Weiterbildungskurse und Praktika angeboten werden. Man kann mit Permakultur auf Chemie vollständig verzichten und gleichzeitig den Boden aufbauen, und die Kreislaufwirtschaft und Artenvielfalt fördern. Die ökologisch wertvolle Selbstversorgung mit regionalen Produkten fördert die Resilienz, einheimische Sorten und Pflanzen und ermöglicht kurze Wege. Permakultur ist eine Form der regenerativen Landwirtschaft und ihre drei Grundprinzipien – Sorge zur Natur, Sorge zum Menschen und faires Teilen ‒ machen aus meiner Perspektive Sinn. Was bedeutet dir dieser Aufbruch? Ich bin sehr gespannt auf die Aufgabe der landwirtschaftlichen Gestaltung des ganzen Areals. Wenn verwirklicht wird, was angedacht ist, zum Beispiel auch Renaturierungsmassnahmen, dann wird diese unglaublich schöne Landschaft am Vierwaldstättersee noch schöner. Es ist für mich ein grosses Privileg, die Halbinsel Hertenstein in eine «essbare Landschaft» und in einen «blühenden Garten» entwickeln zu dürfen.
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