9 Schöpfung und die nachhaltige Bewirtschaftung der baulichen Infrastrukturen durch die Baldegger Schwestern. Die Sorge für die Natur ist ein zentrales Element franziskanischer Spiritualität, die das Kloster auf seinem Weg in die Zukunft noch stärken wird. Sieht man sich heute den Südteil des Baldegger Sees an, so hat das Kloster in der franziskanischen Tradition immer Sorge zum Land und zur Natur in der Umgebung des Klosters getragen. Heute stellen die Schwestern das Ufer des Baldegger Sees der Naturschutzorganisation Pro Natura zur Verfügung, die dort einen Naturlehrpfad realisiert hat. Dank diesem über Jahrhunderte sorgsamen und grosszügigen Umgang mit der Natur steht heute der Bevölkerung hier das grösste Naturschutzgebiet des Kantons Luzern zur Verfügung. Auch die unverbauten Hügel oberhalb des Baldegger Sees gehören zum Kloster, dienten lange Zeit der Selbstversorgung der Schwestern und ihrer Schülerinnen und werden heute als biologische Landwirtschaft betrieben. Im aktuellen Nachdenken über die Zukunft des Klosters spielt dieser Umgang mit der Natur eine grosse Rolle: Das Nachdenken über regenerative und nachhaltige Landwirtschaft ist dabei ein zentrales Thema für das Kloster, das in der Zukunft weitergeführt werden soll. Zukunftsträchtige Nachhaltigkeit findet sich im Kloster Baldegg nicht nur im Umgang mit der Natur, sondern auch mit den Gebäuden des Klosters. Besonders deutlich wird diese im Marcel Breuer-Bau des Mutterhauses, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert: Ein Bau, der sich in den letzten fünfzig Jahren sozusagen nicht verändert hat, sämtliche damals verwendeten Materialien wurden und werden mit Sorgfalt gepflegt, und die Räume mit ihren baulichen Ausstattungen, Möblierungen, Kunstwerken und Textilien werden noch heute als Kirchen- und Wohnbauten täglich genutzt. Das Denken in Kreisläufen in Baldegg beschränkt sich aber nicht nur auf die materielle Welt, sondern ist auch zentral für die Spiritualität der Baldegger Schwestern. Die Stundengebete werden im Ablauf des Tages und im Zyklus des Kirchenjahres gebetet, und diese Rituale mit ihrem taktgebenden Rhythmus für das geistliche und das Alltagsleben können als Beispiel für gelebte Achtsamkeit in unserer schnellen und hektischen Welt dienen. Wenn es den Baldegger Schwestern gelingt, ihre Geschichte in dieser Philosophie der Zirkularität weiterzugeben und diese in Partnerschaften aus Gesellschaft, Bildung und Kultur weiterzuleben wird diese Geschichte der franziskanischen Gemeinschaft keine von Auf- und Abstieg sein, sondern eine Erzählung vom Kreislauf der Geschichte und von ineinander verflochtenen Kreisen, die sich um Spiritualität, Sorge um die Natur und den nachhaltigen Umgang mit der Welt dreht.
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