13 Mädchen auf dem Lande, Pflege und Betreuung für Kranke und Alte, Förderung geistig und körperlich Behinderter. Darauf antwortete die Gründergeneration mit einem Aufstieg. Das war vor bald 200 Jahren. In unseren Breitengraden erfüllt heute der Staat diese Aufgaben. Kirche und Klöster sind auch heute für die Menschen ihrer Zeit da. Sie entspringen keiner menschlichen Strategie, sondern der Inspiration des Heiligen Geistes und unserem Engagement, in einer lebensdienlichen Weise den Glauben zu leben und mit andern zu teilen. Was heisst das für uns als franziskanische Gemeinschaft heute? Ich bin überzeugt, Menschenbildung ist heute notwendiger denn je. «Was ist der Mensch?», ist die entscheidende Frage unserer Zeit. Sie will mit gelebtem Leben beantwortet werden und braucht Orte wie Klöster, – ohne Berührungsangst mit der Welt, in der wir leben. Aber wie soll das geschehen? «Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreisst der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche», sagt Jesus. (Mt 9,17). SI Das Bild vom neuen Wein in neuen Schläuchen spricht mich an. Ob es daran liegt, dass wir im Kloster Fahr Weinbau betreiben und aktuell gerade Wümmet ist? Daher weiss ich, was es heisst und wie lange es dauert, bis neuer Wein ausgeschenkt werden kann. Im Weinberg gibt es das ganze Jahr Arbeit, angefangen vom Schneiden der Reben im Winter, danach das «Läublen» im Frühsommer, die Weinlese im Herbst und schliesslich die Kelterung und Reifung im Fass. Was können wir von diesem Bild-Wort Jesu lernen? Ich denke, wir müssen einräumen, dass wir in den Klöstern zurzeit weder den neuen Wein noch die neuen Schläuche haben. Vielleicht sind wir zu stark damit beschäftigt, die alten Schläuche zu flicken und auszubessern, statt dem Neuen vertrauensvoll Raum zu geben. Dies führt mich zu einem Bild, welches uns der heilige Benedikt in seiner Regel nahelegt: die DemutsLeiter. Demut wird häufig auf Unterwürfigkeit, Erniedrigung oder Selbstaufgabe reduziert. Das entspricht nicht der Sicht des frühen Mönchtums. Benedikt will uns ermutigen, einen Weg zur Selbsterkenntnis und Selbstannahme zu entdecken. Das lateinische Wort humilitas hat mit Humus (Erdboden, Boden, Erde) zu tun. Es bedeutet nicht «am Boden liegen» oder «sich in Grund und Boden schämen». Vielmehr lädt dieser Zusammenhang zu einer geerdeten Selbsteinschätzung ein. Könnte die Demut nicht ein Schlüssel sein für unser Leben in der Nachfolge Jesu? Auf einer Leiter kann man auf- und absteigen. Benedikt sieht darin die Stufen auf dem Weg zu Gott. Die erste Stufe, so sagt Benedikt, ist die wichtigste: In der Gegenwart Gottes zu leben, und zwar zu allen Zeiten und an allen Orten! Ob wir auf- oder absteigen: Gott ist da! SH Deine Gedanken klingen hell in mir, – nicht ohne Dissonanzen. Das Verlangen nach Harmonie und Wohlklang und das Disharmonische gehören eben zum Menschsein. Beim Absteigen zeigt es sich deutlich. Das hat wesentlich mit Demut zu tun, dem eigentlichen Schlüsselwort für gelingende Transformation. Demut meint nichts anderes als auf den erdigen Boden der Tatsachen kommen, sich von Gott in allem finden lassen und ihn in allem und allen finden. Damit sind wir beim innersten Kern allen spirituellen Suchens unserer Zeit. Es begegnet uns auf Weg und Steg. Der düsteren Prognose «Mit der Kirche und den Klöstern geht es nur noch abwärts», könnten Klöster als GmbH, «Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung», wirksam begegnen. Wie? Indem sie sich als Orte gelebter Spiritualität verstehen; als Orte, wo die gestopfte Agenda einem lebensdienlichen Rhythmus Raum gibt; wo das beschädigte Leben heilen und das Zerfetzte ganz werden kann; wo die Stimmen der Zeit und jene des eigenen Herzens gehört werden; wo das Gute, Schöne und Wahre erfahrbar ist. Spiritualität meint doch schlicht jenes grundlegende Selbst- und Weltverhältnis, in dem wir Menschen der Sehnsucht nach einem Letzten und Ersten, einem Höchsten und Tiefsten, Raum und Gestalt geben. Dabei geht es mehr um Sein als um Tun, weniger um Belehrung als um Beziehung, um Anteil nehmen und Anteil geben, um beherzte Gastfreundschaft und gefeierte Liturgie, um erfüllte Stille, kurz um gelebtes Da-Sein. Aus solchem Miteinander von Kloster und Welt, von Gott und Mensch, könnten suchende Frauen mit ihren je eigenen Lebenserfahrungen bei uns eine neue Form von «Kloster auf Zeit» finden. Bald feiern wir Weihnachten. Gott wird Mensch. Er steigt vom Himmel auf die Erde. Das ist der bedeutsamste Abstieg aller Zeiten. Er bringt Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit, Gott und
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