baldeggerjournal

Zwei Meinungen – ein Thema 14 Mensch wieder zusammen. Weihnachten ermutigt uns, der lebenslänglichen Aufgabe unseres Menschwerdens im steten Auf und Ab treu zu bleiben, um einst endgültig aufzusteigen. SI Deine Wortschöpfung «GmbH – Gemeinschaft mit begründeter Hoffnung» gefällt mir sehr. Sie überrascht und regt an, tiefer zu graben. Mit Weihnachten – dem Kommen Gottes in unsere Welt – bekommt unsere Hoffnung Grund. Gott setzt ein Zeichen der Hoffnung. Aber was ist Hoffnung? Wir hoffen auf dies oder jenes, so zum Beispiel auf schönes Wetter, auf Genesung in einer Krankheit, auf eine erfolgreiche Prüfung. Wie können wir Hoffnung beschreiben? Paulus schreibt an die Christen in Rom: «Hoffnung aber, die man erfüllt sieht, ist keine Hoffnung» (Röm 8,24). Wenn wir von Hoffnung sprechen, da haben wir, wenn wir ehrlich sind, oft ganz klare Vorstellungen, wie etwas ausgehen soll. Oder wir hoffen, dass etwas so bleibt wie es ist und sich nicht verändert. So ist «Hoffnung» nicht, sagt uns Paulus ganz klar. Das ist keine Hoffnung, das sind Wünsche, manchmal sogar ganz «fromme» Wünsche. Vaclav Havel, der ehemalige tschechische Staatspräsident, sagte einmal: «Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.» Und der brasilianische Bischof, Dom Helder Camara, formulierte es noch pointierter: «Hoffnung, die das Risiko scheut, ist keine Hoffnung.» Wagen wir es, unserer Hoffnung Raum zu geben für das Risiko, für das Überraschende in unserem persönlichen Leben, für unsere klösterlichen Gemeinschaften und auch für unsere Kirche. Lassen wir uns vom Weihnachtsgeheimnis inspirieren: Gott ging das Risiko ein. Er ist hinabgestiegen in unsere Welt! Darin gründet unsere Hoffnung! SH Aber auch solche Hoffnung ist verletzlich. Sie will immer neu genährt werden. Gerade die heutige Tageslesung liess es mich erfahren. Paulus erinnert seine Leute: «Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt» (Phil 2,13). Solche Begründung schützt vor Überforderung. Begründete Hoffnung bedarf zudem der Gemeinschaft mit andern. Ein unübersehbares Merkmal unserer Zeit ist die Vereinzelung – mit der Gefahr der Vereinsamung. Und diese ist schmerzhaft, ansteckend, sogar tödlich, wie der Hirnforscher, Arzt und Psychiater Manfred Spitzer, kürzlich wissenschaftlich belegt hat. «Klöster auf Zeit» könnten eine hilfreiche Antwort auf solche Zeichen der Zeit sein, – nicht ohne Risiko. Auch Gott ging das Risiko ein, Mensch unter Menschen zu werden. Es lohnt sich noch heute. Und schliesslich: Begründete Hoffnung lebt vom langen Atem. Die begnadete Lyrikerin Hilde Domin sagt es in ihrem Gedicht: «Nicht müde werden» so: Beim Besuch meiner Schwester im Altersheim Sömmerli in St. Gallen kommt mir ein Herr im Rollstuhl entgegen. «Sie sind eine Baldegger-Schwester?» Herr Kull hat nach dem Besuch der Sekundarschule das damals übliche Welschlandjahr im Institut Les Côtes in Le Noirmont (JU) verbracht, wo die Baldegger Schwestern für die Küche sorgten. Morgens arbeitete der 16-Jährige in der Küche und nachmittags in der Landwirtschaft. In grosser Freude und Wertschätzung erzählt Herr Kull: «Die Schwester Libina hat mir meinen Lebensberuf vermittelt. Ich dachte eigentlich, den Verkehrsbereich zu wählen. Doch Schwester Libina hat in der Küche meine Begabung entdeckt und mir den Auftrag gegeben, meinen Eltern zu schreiben, sie sollen für mich eine Lehrstelle als Koch suchen; und Koch bin ich geworden. 60 Jahre lang habe ich den Beruf mit Freude ausgeübt. Schwester Libina Arnold hat dies erwirkt!» Herr Kull denkt mit grosser Dankbarkeit an diese stämmige, grosse Schwester. Ihr Bild steht noch heute auf seinem Pult. Jesus Christus hat Petrus berufen, Menschenfischer zu werden. Sr. Libina liess den jungen Ostschweizer seinen Beruf finden. Wir alle verdanken unseren Beruf und unsere Berufung Menschen, die uns Gott auf den Weg geschickt hat. Sr. Christianne Muff ZweiMinutenPredigt «Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.»

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