baldeggerjournal

Glauben & Beten 16 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Am 3. Oktober 1967 bin ich ins Kloster Baldegg eingetreten. Nach einer Zeit von Zweifeln und Fragen nach dem richtigen Ort, kam ich zur Überzeugung, dass Gott mich in Baldegg haben möchte. Wo bist du daheim? Ich bin in Baldegg, bei meinen Mitschwestern, daheim. Ich fühle mich auch in der Kirche beheimatet. Dies, obwohl Gemeinschaft und Kirche nicht fehlerlos sind. Aber auch ich bin es nicht. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte? Im Alter von 7 Jahren war ich acht Wochen im Spital Sursee. Ich hatte eine komplizierte Blinddarmoperation. Das war mein erster Kontakt mit den Baldegger Schwestern. Von ihnen wurde ich liebevoll betreut und gepflegt. Es war Frühling. Als ich wieder nach Hause gehen durfte, waren die Bäume im frischen Grün und die Wiesen blühten. Dieses Bild des neuen Lebens in der Natur trage ich immer noch in mir. Wer ist dir Vorbild? Verschiedene Mitschwestern, die mich auf meinem Ordensweg begleitet haben und mit denen ich zusammenarbeiten durfte, sind mir Vorbilder. Ich staune auch immer wieder über Mitschwestern, die ihre Altersgebrechen mit grosser Selbstverständlichkeit tragen und sagen: «Ich bin bereit, zu gehen.» Wer lehrte dich glauben? Meine Eltern, meine Geschwister und meine Lehrerinnen und Lehrer lehrten mich an Gott zu glauben. Auch das Mitfeiern der religiösen Feste in der Pfarrei schenkte Freude am Glauben. Der gemeinsame, lange Fussweg zur Kirche war für alle ein selbstverständliches Zeugnis vom Glauben. Welche Farbe hat dein Glaube? Mein Glaube ist bunt, hell. Was bedeutet dir glauben? Der Glaube ist ein Geschenk. Im Verlaufe unseres Lebens muss der Glaube wachsen. Dabei braucht es Geduld wie beim Gleichnis vom Feigenbaum im Evangelium. Nochmals umgraben und vertrauen, dass die Früchte wachsen, damit wir glauben können, dass wir von Gott geliebt und geführt werden. Wer ist Gott für dich? Gott ist der, der mich kennt, der mich liebt, der mir hilft, der mich erlöst hat. Dies gilt aber nicht nur für mich, sondern für alle Menschen. Gott ist aber auch der, den ich nie ganz verstehen kann. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Im Verlaufe meiner Ordensjahre wurde mir bewusst, dass Gott uns alle zusammengeführt hat, dass jede Schwester ein Geschenk der Vorsehung ist. Wir werden gegenseitig beschenkt durch die verschiedenen Fähigkeiten der Schwestern, ergänzen einander und lernen auch, mit den Grenzen jeder einzelnen Schwester umzugehen. Gibt es auch Zweifel? Zweifel gehören zu jedem Glaubensleben, denn Dunkelheiten gehören zum Leben wie die Nacht zum Tag. Wie betest du? Mit der Gemeinschaft bete ich das offizielle Stundengebet der Kirche. Persönlich kann ich auch einfach Da-Sein vor Gott in Stille. Auch Bibeltexte können zum Gebet werden. Im Alltag ist das Beten oft auch ein Stossgebet, wenn ich irgendwie auf Hilfe angewiesen bin. Wie zeigt sich der Einfluss von Franziskus in deinem Leben? Ich versuche einfach zu leben, was aber gar nicht immer so einfach ist. Der heilige Franziskus lehrt uns auch, zur Schöpfung Sorge zu tragen, sie zu lieben. Das soll mir immer wieder Ansporn sein. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? «Herr, auf dich vertraue ich. In deine Hände lege ich mein Leben.» In diesen Refrain, den wir jeweils beim Nachtgebet singen, kann ich alles hineinlegen; nicht nur mein Leben, sondern auch mein Sterben, meinen Dank, meine Sorgen, meine Fragen, meine Zweifel und meine Fehler. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Jetzt, da wir vor dem Weihnachtsfest stehen, wünsche ich den Menschen neue Freude am Glauben und grosse Dankbarkeit für die Menschwerdung Gottes. Sr. Zita Estermann, 1944, aufgewachsen in Grosswangen mit zwei Schwestern und zwei Brüdern. 1962 – 1965 Handarbeitslehrerinnenseminar in Baldegg, anschliessend je ein Jahr Unterricht in Wauwil und Grosswangen, 1967 Klostereintritt. 1969 – 1975 Unterricht in der Umgebung von Baldegg. Anschliessend Leiterin des Kurhauses Oberwaid in St. Gallen und Oberin der Schwestern. Ab 2005 Generalassistentin und seit November 2011 Generaloberin in Baldegg.

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