baldeggerjournal

5 Portugal. 1905 wurde er in Hamburg gebaut. Er ist 134 Meter lang und befördert jetzt 387 Passagiere und 141 Angestellte. Dieser Dampfer erlebte manchen Sturm und lag lange Zeit in Reparatur. … Seit Tagen ist Br. Daniel seekrank. Auch ich fühle mich schwach auf den Beinen. Schwester Balduina nimmt mich in Pflege. Der Zustand von Br. Daniel verschlimmert sich, so dass der Schiffsarzt mit 13 Injektionen "Penicillin› Abhilfe schafft. Der Patient ist jetzt wieder wohlauf und bekommt Appetit.» Am 23. November ist es im Schatten 38 Grad. Viele verbringen die Nacht auf Deck. Bunte Vögel bringen Kunde vom nahenden Land: den Kanarischen und Kapverdischen Inseln und von Dakar. Nach elf Tagen Fahrt wurde dem Dampfer an der Insel Sao Tomé eine kleine Pause vergönnt. Viele Afrikaner kamen und verkauften auf dem Schiff ihre Früchte und anderes. Am 1. Dezember in der Frühe fährt "Joao Belo› in die Kongomündung. Hier verliessen die Benediktiner Patres das Schiff und begaben sich in den Belgisch-Kongo. Bis jetzt waren 31 katholische Missionare an Bord. «Der Kapitän des Schiffes ist stolz auf diese Zahl. Möge Baldegg sorgen, dass die Zahl der idealen, opferbereiten Mitschwestern für die Mission sich noch steigere.» Beim Halt in der Bucht von Lobito kam ein Vertreter des Reisebüros Cook an Bord und fragte, ob er einen Dienst tun könne. Er entpuppte sich als Schweizer und lud die Schwestern in seine Familie ein. Miteinander sangen sie Heimatlieder und genossen frische Erdbeeren aus seinem Garten. Sogar an den Samichlaus wurde gedacht: «Wir Schwestern erhielten zum Samichlaus eine Schiffkabine 1. Klasse geschenkt. Nur wer gesehen hat, wie armselig wir bisher gehaust haben, kann unsere Freude begreifen. "Ihr müsst dafür gar nichts bezahlen›, sagte man uns lächelnd.» Am 8. Dezember war die Ankunft in Kapstadt, dem südlichsten Zipfel Afrikas. «Herr Schmidheini, ein Schweizer, steigt hier aus und bezahlt für alle Missionare eine zweistündige Autofahrt und ein feines Znüni. In Beira vertauschen wir unser portugiesisches Schiff mit einem amerikanischen Frachtdampfer.» Die Abfahrt mit dem amerikanischen Schiff ist am 31. Dezember 1945. Der amerikanische Frachter ist grösser und bequemer als das portugiesische Schiff. Während seiner Dienstzeit erlaubt der Kapitän den Schwestern, seine Kabine mit Bad, Bett und Radio zu benützen. «Das Essen ist wunderbar. Keine Fische! Wir Schwestern bekommen viel Schokolade, die Kapuziner viel Rauchwaren geschenkt. Noble Amerikaner! Unser Kapitän hat am Silvestertag in Beira die Taufe und die Firmung empfangen. Auch von der Schiffsbesatzung gingen viele zur Beichte und zur heiligen Kommunion. Am Abend beteten wir zusammen den Rosenkranz.» Ankunft in Mombasa, Kenia, am 5. Januar. «Nach dem Mittagessen verlassen wir unseren Dampfer und fahren mit einem Motorboot samt allen Lasten und Koffern ans Ufer. Wir gehen zu den "Weissen Schwestern› und finden liebevolle Aufnahme. Die Kapuziner benützen ein Hotel. Am Morgen des 7. Januar kommt Bericht, dass wir um 10.30 Uhr mit dem Flugzeug nach Dar es Salaam fliegen. Auf dem Fliegerbüro werden wir und unser Gepäck gewogen. Wir dürfen nur 20 kg mitnehmen. Wir fliegen! Schwester Balduina ist ganz närrisch vor Freude. Gar schnell ist die Flugzeit vorbei. Nach einer Stunde sehen wir wahrhaftig die Kathedrale von Dar es Salaam. Wir sind am Ziel!» 126 Baldegger Schwestern bewahren in ihrem Gedächtnis eine oder viele Reisen nach Tansania, so wie Schwester Maria Paula nach ihrem 53-jährigen Einsatz. Bis vor 60 Jahren, als die grösste Zahl der Baldegger Schwestern zum ersten Mal nach Afrika reiste, erfolgten sie fast immer mit dem Schiff, nachher meistens mit dem Flugzeug. Was für eine Freude, als die Swissair zum ersten Mal in Dar es Salaam landete! Die Heimat kam ganz in die Nähe. Alle Schwestern sind mit vielen Veränderungen konfrontiert worden. In Tansania erlebten sie den Übergang von der Kolonialzeit zum freien Staat und von einer europäischen Kirche zur blühenden afrikanischen Kirche. Bewahrt haben alle ihre grosse Liebe zu Afrika und ihre Verbundenheit mit den immer noch in Armut lebenden fröhlichen und zufriedenen Menschen. Missionsaussendung der Schweizer Kapuzinerprovinz Kloster Wesemlin, Luzern, 1945

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